NewsMedizinMumps: Warum Erkrankungen trotzt Impfschutz möglich sind
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mumps: Warum Erkrankungen trotzt Impfschutz möglich sind

Freitag, 2. November 2012

dpa

Anzeige

Atlanta – Eine abgeschlossene Impfung schließt eine spätere Mumpsinfektion nicht vollständig aus. In New York kam es 2009/2010 zu einer Epidemie, die in der Metropole auf orthodoxe Juden beschränkt war und dort vor allem männliche Teenager betraf. Eine Studie im New England Journal of Medicine (2012; 367: 1704-1713) führt dies jetzt auf Besonderheiten in den Talmudschulen und den Kinderreichtum der Familien zurück.

Zwischen Juni 2009 und Juni 2010 erkrankten in New York mehr als 3,500 Kinder an Mumps. Fast alle waren orthodoxe Juden und 71 Prozent waren männlich. Die Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta glauben heute, die Index-Person, zu kennen, die Ausgangspunkt der Epidemie war. Laut CDC-Mitarbeiter Albert Barskey, Atlanta, handelt es sich um einen elfjährigen Jungen. Er war aus Großbritannien, wo es damals eine Mumps-Epidemie gab, in den USA zurückgekehrt. Dort besuchte er mit jüdischen Jungen ein Sommercamp. Die Kinder kehrten dann an Mumps erkrankt in die jüdischen Stadtviertel in Brooklyn und einigen Vororten zurück.

Die Epidemie wies mehrere Besonderheiten auf. Zum einen waren die meisten erkrankten Kinder geimpft. In der betroffenen religiösen Gemeinschaft gab es keine Vorbehalte gegenüber der Impfung. Zum anderen wurden relativ wenig Mädchen infiziert. Schließlich waren die meisten Patienten im Alter von 13 bis 17 Jahren.

Der gemeinsame Nenner der Epidemie war laut Barskey die Ausbildung der Jungen in Jeschiwos. In diesen Talmudschulen werden Jungen ab dem Alter von 12 Jahren religiös unterwiesen. Die Schultag dauern mitunter bis zu 15 Stunden. Zu den pädagogischen Konzepten gehört, dass sich jeweils zwei Schüler als “Chavrusa” gegenübersitzen, um über den Inhalt der religiösen Texte zu diskutieren. Nähe und das Sprechen begünstigen laut Barskey den Austausch der Viren. Mumps wird per Tröpfcheninfektion übertragen.

Der Experte vermutet, dass die Exposition mit den Viren in der spezifischen Face-to-Face-Situation so hoch war, dass der Immunschutz überfordert war, und deshalb auch geimpfte Jugendliche erkrankten. Die Epidemie wurde dadurch gefördert, dass die Chavrusa-Partner während eines Schultages wechseln. Auf diese Weise konnte ein an Mumps erkranktes Kind an einem Tag viele Mitschüler anstecken.

Diese Mitschüler haben dann zuhause ihre Geschwister infiziert. Hierbei dürfte die Wohnsituationen eine Rolle gespielt haben. Die Familien orthodoxer Juden sind oft kinderreich. Die mittlere Zahl der Familienmitglieder in den betroffenen Familien betrug 7 (2 bis 18). Unter der übrigen Bevölkerung Brooklyns kommen im Durchschnitt nur 2,7 Personen auf einen Haushalt.

Die Epidemie konnte am Ende ohne Schulschließungen beendet werden. Einige Schulen führten eine aktive Surveillance ein, um an Mumps erkrankte Schüler vom Unterricht auszuschließen. In anderen Fällen wurde bei den Kindern eine dritte MMR-Impfung durchgeführt.

Für viele Schüler dürfte die Erkrankung eine sehr schmerzhafte Erfahrung gewesen sein: 120 Kinder erkrankten an einer Orchitis, von denen 16 hospitalisiert werden mussten. Vereinzelt kam es auch zu anderen Mumpskomplikationen wie Meningitis (6 Kinder), Oophoritis (5), Pankreatitis (4), Ertaubungen (3), Mastitis (1) und Fazialislähmungen (1). Todesfälle waren nicht zu beklagen. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

6. Juli 2018
Rom – Die neue Regierung in Italien weicht die umstrittene Impfpflicht auf. Vom kommenden Schuljahr an müssen Kinder und ihre Eltern nur noch eine Selbstauskunft über die erfolgten Impfungen vorlegen,
Italien weicht umstrittene Impfpflicht auf
28. April 2017
Düsseldorf – Angesichts vermehrter Ausbrüche von Masern und Mumps will Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) die Überwachung der Impfberatung verschärfen. „Im Sommer soll eine gesetzliche
Gröhe will Impf-Überwachung verschärfen
26. April 2017
Köln/Berlin – Der Film „Vaxxed - Eine schockierende Wahrheit?!“ des britischen Mediziners Andrew Wakefield wird zurzeit in Kinos in Deutschland gezeigt. Mit unbewiesenen und fehlerhaften Behauptungen
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER