NewsMedizinXerostomie: Gentherapie bringt Speichel zum Fließen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Xerostomie: Gentherapie bringt Speichel zum Fließen

Dienstag, 6. November 2012

Bethesda – Eine Gentherapie der Speicheldrüsen könnte Patienten mit Kopf-Hals-Karzinomen nach einer Strahlentherapie von der quälenden Xerostomie befreien. Eine erste klinische Studie in den Proceedings of the National Acadamy of Sciences (2012, doi:10.1073/pnas.1210662109) liefert hierfür viel versprechende Hinweise.

Bei der postoperativen Radiotherapie von Kopf-Hals-Karzinomen geraten vielfach die Speicheldrüsen in das Strahlenfeld. Als Folge stellen die strahlensensiblen Drüsen häufig ihre Funktion ein. Die Patienten leiden unter einer quälenden Mundtrockenheit, die ihre Lebensqualität deutlich beeinträchtigen kann. Ein Weg, die Schleimhaut wieder mit Flüssigkeit zu versorgen, wäre der Einbau von „Schleusen“ in die Drüsenzellen, durch die Wasser in den Drüsengang und damit in den Mundraum abfließen würde.

Als Schleuse bieten sich sogenannte Aquaporine an. Es handelt sich um Proteine, die in der Zellmembran kleine Poren bilden. Die Idee, die Speicheldrüsen über eine Genthera­pie mit Aquaporinen zu versehen, verfolgt Bruce Baum vom US-National Institute of Den­tal and Craniofacial Research in Bethesda/Maryland bereits seit 1991. Nach fast zwei Jahrzehnten der Vorbereitung begann dann 2008 die erste klinische Studie, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

Anzeige

Bei der Gentherapie werden einzelne Gene, hier der Bauplan für Aquaporin-1, in harm­lose Viren eingebaut. Meist werden dazu Adenoviren benutzt, die den Erkältungsviren des Menschen ähneln. Wenn sie menschliche Zellen infizieren, laden sie ihre Genfracht ab, aus der dann mithilfe der zellulären Enzyme die gewünschten Proteine gebildet werden.

Bei den elf Teilnehmern der Studie wurden die Viren per Injektion direkt in die Parotis eingebracht, die größte Speicheldrüse des menschlichen Körpers. Bei sechs Patienten kam es laut Baum zu einer objektiven Verbesserung der Mundfeuchtigkeit, fünf dieser Patienten hätten über eine subjektive Verbesserung der Xerostomie berichtet. Die Nachbeobachtungszeit der Studie umfasst allerdings erst 42 Tage. Der Beleg für eine langfristige Wirkung, die bei der Gentherapie angestrebt wird, fehlt deshalb noch.

Bis auf eine Immunreaktion auf den verwendeten Vektor blieb die Gentherapie ohne Nebenwirkungen. Die Immunreaktion könnte allerdings dazu geführt haben, dass einige Viren von den Abwehrzellen des Körpers beseitigt wurden, bevor sie ihre Fracht in den Zellen abliefern konnten. Das Team ist deshalb derzeit auf der Suche nach geeigneteren Viren. Bis zur klinischen Einführung der Therapie dürfte noch einige Zeit vergehen. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Februar 2019
Straßburg – Der Rumänische Minister George Ciamba hat im Namen des Rates der Europäischen Union (EU) klargestellt, dass Eingriffe in die menschliche Keimbahn ein Verstoß gegen die Grundrechtscharta
Keimbahneingriffe verstoßen gegen die Grundrechtscharta der Europäischen Union
6. Februar 2019
Göttingen – Bei tauben Mäusen konnten Forscher mithilfe einer Gentherapie das Hören wiederherstellen. Das entscheidende Gen, das für das Protein Otoferlin codiert, wurde über adenoassoziierte Viren
Gentherapie stellt Hörvermögen bei tauben Mäusen wieder her
24. Januar 2019
Shanghai – Nach der Premiere im Jahr 2017 wurden in China jetzt erneut Affen mithilfe eines Kerntransfers aus einer Körperzelle in eine entkernte Eizelle geklont. Erstmals sollen dabei gleich 5
China klont erstmals mehrere genveränderte Affen
10. Dezember 2018
Frankfurt am Main – Bei der Debatte über mutmaßliche Genmanipulationen an Babys in China wünscht sich die deutsche Medizin-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard mehr Sachlichkeit. In einem
Medizin-Nobelpreisträgerin für sachliche Debatte über Genschere
4. Dezember 2018
Genf – Der Chef der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat angesichts der angeblich genmanipulierten Babys in China vor den unbeabsichtigten Konsequenzen solcher Eingriffe gewarnt. Richtlinien sollen
CRISPR-Babies: WHO-Chef will Keimbahneingriffe nicht von vornherein ausschließen
29. November 2018
Peking – Nach der mutmaßlichen Genmanipulation an Babys in China dürfen die beteiligten Wissenschaftler ihre Arbeit vorerst nicht fortsetzen. Das Wissenschaftsministerium sei strikt gegen die
Genmanipulation: Forscher in China müssen Arbeit beenden
28. November 2018
Hongkong – Trotz scharfer weltweiter Empörung hat der chinesische Forscher He Jiankui seine Arbeit verteidigt, die zur Geburt der weltweit ersten genetisch veränderten Babys geführt haben soll. Zudem
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER