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Politik

Ärztemangel: Kleine Krankenhäuser haben größere Probleme

Dienstag, 6. November 2012

dapd

Berlin – Der Großteil der Allgemeinkrankenhäuser hat Probleme damit, seine Stellen im ärztlichen Dienst zu besetzen. Das ergab eine Umfrage des Verbandes der Kranken­haus­direktoren Deutschlands (VKD) vom April dieses Jahres, die auf Angaben aus 547 Krankenhäusern fußt. 93 Prozent bezeichneten es demnach aufgrund des Ärztemangels als „sehr schwierig“ oder „schwierig“, Stellen zu besetzen. Ähnlich ist die Situation in Rehabilitationskliniken (95 Prozent), in Psychiatrischen Krankenhäusern (88 Prozent) und in Fachkrankenhäusern (78 Prozent. Besser ist die Lage allein bei den Universitätsklinika. 57 Prozent gaben an, bei der Besetzung ärztlicher Stellen keine Probleme zu haben.

Am schwierigsten ist die Lage der Umfrage zufolge in kleinen Häusern. Knapp die Hälfte der Allgemeinkrankenhäuser mit weniger als 250 Betten bezeichnete es als „sehr schwierig“, ärztliche Stellen zu besetzen – bei Allgemeinkrankenhäuser mit über 800 Betten waren es lediglich 14 Prozent.

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13 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser zahlen übertarifliche Gehälter
Um Ärzte für sich zu gewinnen, zahlen 13 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser überwiegend übertarifliche Gehälter. „Dass so wenige Häuser trotz der angespannten Personalsituation übertarifliche Gehälter zahlen, kann als Hinweis auf ihre angespannte Finanzlage gesehen werden“, sagte VKD-Präsident Josef Düllings bei der Präsentation der Umfrageergebnisse heute in Berlin.

Die Personalsituation im Pflegedienst stellt sich laut Umfrage etwas weniger dramatisch dar als im ärztlichen Bereich. Hier gaben 29 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser an, keine Probleme bei der Stellenbesetzung zu haben. Ähnlich sieht es bei den Rehakliniken (30 Prozent)  und den Psychiatrischen Krankenhäusern aus (55 Prozent). Probleme haben hingegen die Fachkrankenhäuser (16 Prozent) und die Unikliniken (14 Prozent).

Fachweitergebildete Pflegekräfte, zum Beispiel für Stroke Units, seien am Arbeitsmarkt schwer zu gewinnen, erklärte Düllings. Bei den Unikliniken könne der Grund sein, dass die Lebenshaltungskosten in den Ballungszentren höher seien und sich Pflegekräfte deshalb tendenziell eher für Orte mit niedrigeren Lebenshaltungskosten entschieden.

Die Schuld am Ärztemangel im Krankenhaus gab Düllings in erster Linie der Politik: „Der Ärztemangel ist primär nicht dadurch zustande gekommen, weil die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus so schlecht sind, sondern weil die politischen Rahmenbedingungen falsch gesetzt wurden.“ Als Beispiel nannte er, dass die Studienplatzkapazität zu Zeiten der Ärzteschwemme um zehn Prozent reduziert wurde. Dies müsse wieder zurückgenommen werden.

Sprachkenntnisse ausländischer Ärzte oft nicht ausreichend
Zudem fordert der VKD Bund und Länder auf, vermehrt Programme aufzulegen, die die sprachliche und kulturelle Integration ausländischer Ärzte unterstützt. „Bei den Assistenzärzten liegt der Anteil ausländischer Ärzte heute stellenweise bereits bei über 50 Prozent“, so Düllings. Die fachlichen Kenntnisse ausländischer Ärzte seien dabei oft recht gut. Die Sprachkenntnisse hingegen seien häufig nicht ausreichend.

 „Ausländische Ärzte mit schlechten Deutschkenntnissen können die Abläufe in deutschen Krankenhäusern nur schwer nachvollziehen“, sagte der VKD-Präsident. Die Kommunikation im Krankenhaus sei jedoch Teil des Sicherheitsnetzes. Insofern führten schlechten Sprachkenntnisse zu einem Sicherheitsproblem.

Viele Krankenhäuser zahlten ihren ausländischen Ärzten heute bereits Sprach­schulungen. Zu diesem Zeitpunkt seien sie jedoch schon eingestellt. „Wir haben die Möglichkeit, diese Ärzte einzustellen oder die Stelle nicht zu besetzen“, so Düllings.

Krankenhäuser unternähmen heute bereits viel, um ihre Attraktivität für junge Ärzte zu erhöhen. Viele flexibilisierten die Dienstzeiten und böten Halbtagsstellen an. „Wir können aber noch mehr tun“, meinte Düllings. Zum Beispiel könnten sich die Häuser familienfreundlicher aufstellen. Bislang verfügten zum Beispiel nur 12 Prozent über Kitaplätze. Düllings: „Das ist eigentlich noch zu wenig.“ © fos/aerzteblatt.de

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