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Medizin

Fieberkrämpfe: EEG und MRI könnten späteres Epilepsierisiko vorhersagen

Donnerstag, 8. November 2012

New York City – Die meisten Fieberkrämpfe bei Kindern sind harmlos, wenn es aber zu einem komplizierten Status epilepticus kommt, kann es zu bleibenden Hirnschäden kommen. Sie wurden in einer US-Studie bereits wenige Tage nach dem Ende des Fieberkrampfes in der Kernspintomographie und im EEG nachgewiesen.

Etwa 3 bis 4 Prozent aller Säuglinge und Kleinkinder neigen zu Fieberkrämpfen. Wenn sie im Alter zwischen 6 Monaten und 6 Jahren auftreten, sind sie in der Regel selbstlimitierend und folgenlos. Nur wenn die Anfälle länger als 20 bis 30 Minuten dauern und in einen febrilen Status epilepticus übergehen, besteht Anlass zur Sorge. Bisher ist es aber auch dann nicht möglich, spätere Epilepsien vorherzusagen.

Die „Consequences of Prolonged Febrile Seizures in Childhood“ oder FEBSTAT-Studie konnte bei 199 Kindern innerhalb von 72 Stunden nach dem Ende eines febrilen Status epilepticus eine Kernspintomographie durchführen. Bereits im Juli hatten Shlomo Shinnar vom Albert Einstein College of Medicine in New York City und Mitarbeiter in Neurology (2012; 79: 871-877) berichtet, dass jedes zehnte Kind nach einem febrilen Status epilepticus Veränderungen im Bereich des Hippocampus hat, die auf eine Schädigung hinweisen.

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Bei einem weiteren Zehntel der Kinder fanden die Forscher angeborene Störungen im Hippocampus oder angrenzenden Bereichen des Temporallappens. Am häufigsten war eine Malrotation des Hippocampus: Bei den Kinder war eine normalerweise in der Fetalperiode stattfindende Rotation dieser Hirnregion ausgeblieben.

Jetzt berichtet das Team in Neurology (2012; doi: WNL.0b013e3182759766) über EEG-Veränderungen, die bei jedem zweiten Kind 72 Stunden nach dem Ende des febrilen Status epilepticus nachweisbar waren. Eines von 15 Kindern hatte bereits epileptiforme Veränderungen. Bei den meisten Kindern konnten Shinnar und Mitarbeiter den Ursprung der Veränderungen im Temporallappen lokalisierten.

Die Befunde in EEG und Kernspintomographie waren häufig deckungsgleich. Sie entsprechen den Veränderungen, die häufig bei Erwachsenen mit einer Temporallappen-Epilepsie gefunden werden. Diese erwachsenen Patienten haben häufig komplizierte Fieberkrämpfe in der Eigenanamnese. Vieles deutet deshalb darauf hin, dass die von Shinnar beschriebenen Veränderungen den Beginn einer Temporallappen-Epilepsie markieren.

Den Beweis werden künftige Auswertungen der FEBSTAT-Studie liefern, die noch über einige Jahre fortgesetzt werden soll. Am Ende könnten den Neurologen zuverlässiger EEG-Marker und kernspintomographische Merkmale zur Verfügung stehen, um die Dignitiät von komplizierten Fieberkrämpfen frühzeitig zu beurteilen. © rme/aerzteblatt.de

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