NewsMedizinDarmkrebs: Glykämische Diät begünstigt Rezidive
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Darmkrebs: Glykämische Diät begünstigt Rezidive

Donnerstag, 8. November 2012

Boston – Patienten mit fortgeschrittenem Kolonkarzinom erlitten in einer Studie im Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2012; doi: 10.1093/jnci/djs399) häufiger ein Rezidiv, wenn ihre Diät eine hohe glykämische Last aufwies. Besonders deutlich war die Assoziation bei übergewichtigen Patienten.

In den 1920er Jahren hatte der Biochemiker und Arzt Otto Warburg (1883–1970) entdeckt, dass Krebszellen ihre Energie vor allem aus der anaeroben Milchsäuregärung, also der Glykolyse beziehen. Der Glukosehunger von Tumorzellen ist seither Ausgangspunkt von „Krebsdiäten“, die auf eine zuckerarme Kost setzen. Ihre Wirkung ist nicht durch Studien belegt, viele Onkologen rieten Krebspatienten lange Zeit eher von Diäten ab, vor allem wenn kraftraubende Operationen sowie Chemo- oder Radiotherapie vorgesehen sind.

Diese Haltung hat sich in den letzten Jahren geändert. Auch an renommierten Krebszentren wie dem Dana-Farber Cancer Institute in Boston wird über einen Einfluss der Ernährung auf Krebserkrankungen nachgedacht. Dies trifft insbesondere auf den Darmkrebs zu, dessen Zunahme mit Änderungen des Lebensstils in den Industrieländern wie Bewegungsmangel und Übergewicht in Verbindung gebracht wird.

Anzeige

Jeffrey Meyerhardt und Mitarbeiter haben für ihre Studie 1.011 Darmkrebspatienten im Stadium III der Erkrankung im Rahmen der adjuvanten Chemotherapie regelmäßig nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Aus den Angaben wurde die glykämische Last berechnet. Der Begriff wurde von Diabetologen entwickelt. Er beschreibt, wie stark der Blutzucker nach einer Mahlzeit ansteigt. Nahrungsmittel mit einem hohen Anteil an schnell resorbierten Kohlenhydraten haben eine hohe glykämische Last.

Meyerhardt fand nun heraus, dass die glykämische Last und die Gesamtzufuhr von Kohlenhydraten mit Tumorrezidiven und der Sterblichkeit der Patienten korrelierten. Bei übergewichtigen Patienten (BMI 25 oder höher) war der Zusammenhang statistisch signifikant. Für Patienten im obersten Quintil des glykämischen Index ermittelte Meyerhardt ein 2,26-fach erhöhtes Risiko auf ein schlechteres krankheitsfreies Überleben. Eine erhöhte Gesamtzufuhr von Kohlenhydraten war ebenfalls mit einem verminderten krankheitsfreien Überleben und Gesamtüberleben assoziiert.

Als Beobachtungsstudie kann die Studie die protektive Wirkung einer kohlenhy­drat­armen Diät nicht beweisen. Dies wäre nur durch eine prospektive Interventionsstudie möglich. Dort könnte einem Teil der Patienten zu einer kohlenhydratarmen Kost geraten werden, während die anderen ohne Einschränkungen blieben.

Angesichts der Übereinstimmung von klinischer Beobachtung und pathophysiologischen Überlegungen halten die Editorialisten Neal Meropol und Nathan Berger von der Case Western Reserve University School of Medicine in Cleveland eine solche Studie für sinnvoll. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER