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Medizin

Statine könnten Krebssterblichkeit senken

Donnerstag, 8. November 2012

pa

Kopenhagen – Menschen, die Medikamente gegen hohe Cholesterinwerte einnehmen, haben im Fall einer Krebserkrankung möglicherweise eine etwas höhere Überlebens­chance. Darauf weist eine epidemiologische Studie im New England Journal of Medicine (2012; 367: 1792-1802) hin.

Cholesterin ist ein fundamentaler Bestandteil von Zellmembranen. Der Bedarf ist bei proliferativen Erkrankungen wie Krebs erhöht. Statine hemmen die Cholesterinsynthese und könnten deshalb eine präventive Wirkung bei Krebserkrankungen haben, glaubt Stig Bojesen von der Universität Kopenhagen. Der Biochemiker versucht seine These jetzt durch die Analyse von Mortalitätsdaten zu fast 200.000 dänischen Krebspatienten zu untermauern.

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In Dänemark erhalten alle Einwohner bei der Geburt eine persönliche Identifikationsnummer, die in allen Melde- und Patientenregister verwendet wird. Bojesens Team konnte deshalb untersuchen, wie viele Dänen im Alter über 40 Jahren, die zwischen 1995 und 2007 an Krebs erkrankten, mit Statinen behandelt wurden (weil sie zufällig auch erhöhte Cholesterinwerte hatten) und welchen Einfluss diese Medikation auf den Verlauf der Erkrankung hatte.

Die Forscher können tatsächlich zeigen, dass die Einnahme von Statinen mit einer um 15 Prozent niedrigeren Krebssterblichkeit assoziiert war (Hazard Ratio HR 0,85; 0,82-0,87). Die Gesamtsterblichkeit war im gleichen Ausmaß vermindert (HR 0,85; 0,83-0,87). Eine gematchte Studie, die jedem Statin-Anwender drei Nichtanwender gegenüberstellte, bestätigte die Ergebnisse. Die gematchte Analyse soll den „healthy-user bias“ und andere Verzerrungen ausschließen, die bei retrospektiven Untersuchungen möglich sind.

Im vorliegenden Beispiel könnten Personen, die Statine einnehmen, auch in anderen Bereichen ein erhöhtes Gesundheitsbewusstsein zeigen. Sie könnten häufiger als andere Risikofaktoren für Krebserkrankungen meiden oder sich verstärkt an Vorsorgeuntersuchungen beteiligen. Dies könnte dazu führen, dass ihre Krebserkrankungen weniger aggressiv als bei anderen Menschen sind. Dann wären die Statine nur ein Marker für ein gesundes Verhalten, nicht aber die Ursache für die verminderte Sterblichkeit.

Das Ziel der gematchten Studie war deshalb eine möglichst genaue Übereinstimmung von Fällen (Statin-User) und Kontrollen. Dass dies den dänischen Forschern gelungen ist, bezweifelt der Editorialist Neil Caporaso vom US-National Cancer Institute in Bethesda/Maryland. Schon ein kleines Ungleichgewicht im Risikofaktor Rauchen zwischen Fällen und Kontrollen könnte das Ergebnis verfälscht haben, meint der Experte.

Der Raucherstatus wurde in den dänischen Studien ebenso wenig erfasst wie die Teilnahme am Mammographie-Screening, oder die Einnahme von ASS oder Nicht-Steroidalen Antiphlogistika (wegen der Statin induzierten Myalgien) oder Metformin (wegen eines durch Statine begünstigten Diabetes). Diesen Wirkstoffen wird eine krebspräventive Wirkung nachgesagt. Wenn die Statin-Anwender sie nur etwas häufiger einnehmen als andere, könnte dies die Ergebnisse erklären.

Aus diesem Grund sind epidemiologische Studien selten beweisend. In der Regel werden sich als Anreiz zur Durchführung von randomisierten klinischen Studien angesehen. Diese sind zur krebspräventiven Wirkung von Statinen derzeit nicht in Sicht. Auch die nachträgliche Auswertung der zahlreichen klinischen Studien, die zur Einführung der Statine durchgeführt wurden, hat keine Hinweise auf eine krebspräventive Wirkung ergeben (Meta-Analyse in PLoS One 2012; 7: e29849). © rme/aerzteblatt.de

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