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Medizin

Malaria-Impfstoff bei Säuglingen schwächer wirksam

Freitag, 9. November 2012

Anopheles-funestus © dapd

Washington – Der Malaria-Impfstoff RTS,S kann bereits Säuglinge im Alter von 6 bis 12 Wochen vor einer schweren Erkrankung schützen. Die Effektivität war in den jetzt auf einer Fachkonferenz in Kapstadt vorgestellten Ergebnissen schwächer als bei älteren Kindern. Eine Integration in das Impfprogramm der Weltgesundheitsorganisation ist nach Einschätzung einer Editorialistin im New England Journal of Medicine, das die Ergebnisse jetzt publiziert hat, unwahrscheinlich.

Der Impfstoff RTS,S (Mosquirix) des Herstellers GlaxoSmithKline ist der derzeit am weitesten entwickelte Impfstoff gegen die Malaria, an der einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation zufolge pro Jahr 655.000 Menschen sterben. Bei den meisten Opfern handelt es sich um Kleinkinder und Säuglinge, die nach der Erstinfektion sterben. RTS,S gilt als aussichtsreiche Vakzine, weil sie eine Immunantwort gegen Sporozoiten induziert. Die Plasmodien könnten im Idealfall gleich nach dem Mückenstich und vor Erreichen der Leber eliminiert werden. Dadurch würde die erythrozytäre Phase vermieden, die für die Komplikationen der Malaria verantwortlich ist.

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Bereits vor einem Jahr wurde klar, dass Mosquirix dieses Ziel nicht vollständig erreichen wird. Damals wurden die ersten Ergebnisse einer groß-angelegten Phase III-Studie veröffentlicht, die die Effektivität von Mosquirix an mehr als 15.000 Kindern in sieben afrikanischen Ländern untersucht hat.

Das Team um Kelsey Mertes von der „PATH Malaria Vaccine Initiative“, die sich aus Spenden der Bill & Melinda Gates Foundation speist, hatte damals die Ergebnisse für die Altersgruppe der 5 bis 17 Monate alten Kleinkinder vorgestellt. Trotz der Verstärkung durch das Adjucans AS01 hatte der Impfstoff die Rate der klinischen Infektionen nur um 56 Prozent gesenkt. Die Zahl der schweren Infektionen wurde um 47 Prozent reduziert. Das ist weniger als gemeinhin von einer Impfung im Kindesalter erwartet wird (NEJM 2011; 365: 1863­75).

Noch geringer fiel die Effektivität bei Säuglingen im Alter von 6 bis 12 Wochen aus. Wie Sara Mian-McCarthy von der PATH Malaria Vaccine Initiative in Washington jetzt berichtet (NEJM 2012; doi: 10.1056/NEJMoa1208394), wurde die Rate der klinischen Malaria­infektionen nur um 31 Prozent vermindert.

Bei den schweren Infektionen kam es sogar nur zu einer Reduktion um 26 Prozent (in der strengeren Intention-to-Treat-Analyse) und 36 Prozent (in der per-protocol-Analyse). Dies ist deutlich weniger als bei den älteren Kindern und auch deshalb eine Enttäu­schung, weil frühere kleinere Untersuchungen eine Effektivität von etwa 50 Prozent erwarten ließen.

Effektiver Impfschutz möglich
Auf der anderen Seite belegt die Studie, dass ein effektiver Impfschutz auch bei Säuglingen (die ihn am ehesten benötigen, weil die Erkrankung hier ihre schweren Verläufe nimmt) möglich ist. Da 86 Prozent der Kinder zusätzlich durch insektizid-imprägnierte Bettnetze geschützt waren, belegt die Studie eine additive Wirkung zu den bekannten Schutzmaßnahmen.

Fast alle Kinder entwickelten im Verlauf der drei Dosierungen Antikörper, so dass die erzielten Ergebnisse auch biologisch plausibel sind. Dass die Schutzwirkung nicht ausreicht, könnte mit der langen Evolution der Plasmodien zusammenhängen, die sich perfekt an den menschlichen Körper angepasst haben und im Blutkreislauf weitgehend ungestört durch die dort ebenfalls zirkulierenden Abwehrzellen auf Dauer überleben.

Für den Impfstoff spricht die hohe Sicherheit. Nur bei 4 von 4.358 geimpften Kindern kam es zu schweren Komplikationen (2 Hospitalisierungen wegen Fieber plus 1 schwere Infektion an der Injektionsstelle plus 1 Kind mit wiederholten Fieberkrämpfen). Auch zwei Fälle einer Meningitis könnten andere Ursachen als die Impfung haben.

Dennoch rechnet die Editorialistin Johanna Daily vom Albert Einstein College of Medicine in New York nicht damit, dass die Weltgesundheitsorganisation den Impfstoff in ihr EPI-Programm (Expanded Programme on Immunization) aufnehmen wird. Die Ent­wicklung eines Malaria-Impfstoffes ist ihrer Ansicht nach noch nicht abgeschlossen. © rme/aerzteblatt.de

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