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Medizin

Antihistaminika: Risiken von Sedativa und Antiemetikum bei Kleinkindern

Freitag, 9. November 2012

Bonn – H1-Antihistaminika der ersten Generation sind in der Apotheke rezeptfrei als Schlafmittel und Antiemetika erhältlich. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beklagt eine zunehmende Zahl von neurologischen und kardialen UAW-Berichten bei Säuglingen und Kleinkindern.

Im Gegensatz zu neueren H1-Antihistaminika passieren die Wirkstoffe der ersten Generation Doxylamin, Diphenhydramin und Dimenhydrinat die Blut-Hirnschranke. Über die Blockade zentraler H1-Rezeptoren kommt es zu einer sedierenden und antieme­tischen Wirkung.

Dies wird in einigen rezeptfreien Medikamenten ausgenutzt: Doxylamin wird als Schlafmittel angeboten, Diphenhydramin und Dimenhydrinat sind als Medikamente gegen die Reisekrankheit im Handel. Die Wirkstoffe dürfen mit Einschränkungen auch bei Kleinkindern angewendet werden. Bei Doxylamin liegt die Grenze für eine Kurzzeitbehandlung bei Kindern ab dem 6. Monat. Dimenhydrinat ist ab einem Körpergewicht von 6 kg, Diphenhydramin ab einem Körpergewicht von 8 kg erlaubt.

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H1-Antihistaminika der ersten Generation haben aber auch unerwünschte zentral­nervöse Wirkungen wie Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen. Auch Halluzinationen oder Krämpfe sind möglich. Hinzu kommen noch anticholinerge Effekte wie Mundtrockenheit, Blasenentleerungsstörungen und Verstopfung. Am Herzen können H1-Antihistaminika den Puls beschleunigen und Herzrhythmusstörungen (QT-Intervall-Verlängerung im EKG) auslösen. Diese Risiken bestehen vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern.

Dem BfArM sind 50 UAW-Meldungen bei Kindern unter 3 Jahren bekannt. Davon entfielen 40 auf Dimenhydrinat, 6 auf Doxylamin und 4 auf Diphenhydramin. Bei den Kleinkindern und Säuglingen war es zu Konvulsionen, Somnolenz und Tachykardien gekommen.

Das BfArM nimmt diese Meldungen zum Anlass Eltern auf die Risiken dieser Medika­mente bei Kleinkindern hinzuweisen. Es bestehe die Gefahr paradoxer Reaktionen wie Unruhe, Erregung, Schlaflosigkeit, Angstzustände oder Zittern. Des Weiteren sei bei Säuglingen besondere Vorsicht geboten, da diese besonders empfindlich auf die anticholinergen Effekte der Antihistaminika reagieren könnten und somit das Risiko für unregelmäßigen Atem und Atemstillstand bestehe.

Die Eltern werden aufgerufen, die Angaben in den Produktinformationen strikt zu beachten und bei Verdacht einer Überdosierung oder Vergiftung sofort einen Arzt zu informieren. Zu den Symptomen einer Überdosierung gehören Verwirrung, Erregungs­zustände bis hin zu Krampfanfällen, Bewusstseinstrübungen, die von starker Schläfrigkeit bis zu Bewusstlosigkeit reichen, sowie Atemstörungen bis zum Atemstillstand. Die Kinderärzte sind aufgerufen, Zwischenfälle mit dem UAW-Meldebogen an das BfArM zu übermitteln.

© rme/aerzteblatt.de

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