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Medizin

Alkohol: Gen auf dem X-Chromosom macht Pankreatitis chronisch

Montag, 12. November 2012

dpa

Pittsburgh – US-Forscher haben herausgefunden, warum ein hoher Alkoholkonsum bei Männern deutlich häufiger als bei Frauen zu einer chronischen Pankreatitis führt. Der Grund könnte einer Studie in Nature Genetics (2012; doi: 10.1038/ng.2466) zufolge eine häufige Genvariante auf dem X-Chromosom sein.

Ein Alkoholabusus ist der wichtigste Risikofaktor für eine chronische Pankreatitis, doch nur etwa 3 Prozent aller Alkoholkranken erkranken daran. Die Entdeckung, dass einige seltene Gene das Pankreatitisrisiko erhöhen, veranlasste eine systematische Suche nach Genvarianten bei Alkoholkranken.

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David Whitcomb von der Universität Pittsburgh und Mitarbeiter führten bei Teilnehmern der North American Pancreatitis Study eine genomweite Assoziationsstudie durch. Dabei entdeckten sie zwei Genvarianten. Dies war einmal eine bereits bekannte Variante im PRSS1/2-Gen. Sie führt vermutlich zu einer gesteigerten Bildung von Trypsinogens im Pankreas. Dies würde die Neigung zur „Selbstverdauung“ des Organs bei der chro­nischen Pankreatitis erklären.

Wichtiger und entscheidend für die Häufung der Erkrankung bei Männern scheinen zwei Genvarianten in der Nähe des CLDN2-Gens zu sein. Das Gen kodiert das Protein Claudin. Es ist Bestandteil der Tight Junctions, die benachbarte Epithelien miteinander verbinden. Störungen könnten hier den Zellverband im Pankreas lockern und den Enzymen den Eintritt ins Interstitium erleichtern. Das CLDN2-Gen befindet sich auf dem X-Chromosom. Es ist deshalb bei Männern nur einfach vorhanden.

Laut Whitcomb sind 26 Prozent der männlichen US-Amerikaner europäischer Herkunft Träger einer Genvariante. Bei männlichen Alkoholikern betrage die Prävalenz sogar 50 Prozent. Die Genvariante selbst sei nicht für die Pankreatitis verantwortlich, schreibt Whitcomb.

Sie steigere aber das Risiko, dass es nach einer Organschädigung durch Gallensteine oder ein Abdominaltrauma zu einer chronischen Entzündung komme – vor allem wenn die Patienten einen Alkoholabusus betreiben. Frauen sind weniger gefährdet, da sie zwei Kopien des CLDN2-Gens haben und die Chance, homozygot auf dieses Merkmal zu sein, mit 7 Prozent sehr gering ist. © rme/aerzteblatt.de

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