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Große regionale Unterschiede bei Kaiser­schnitt-Geburten

Dienstag, 13. November 2012

dpa

Gütersloh – In Deutschland gibt es laut einer Studie große regionale Unterschiede bei Kaiserschnittgeburten. In Teilen von Rheinland-Pfalz, Bayern und Niedersachsen liege die Rate zum Teil weit über 40 Prozent, in mehreren Gebieten der neuen Bundesländer dagegen unterschreite sie die 20-Prozent-Marke, wie die Bertelsmann Stiftung heute in Gütersloh mitteilte.

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Spitzenreiter ist laut einem Fakten-Check der Stiftung die Stadt Landau in der Pfalz – hier komme mit einer Rate von knapp 51 Prozent jedes zweite Baby per Kaiserschnitt zur Welt. Ganz anders sei die Situation in Dresden, dort liege die Kaiserschnitt-Rate bei 17 Prozent. Damit ist dort den Zahlen zufolge deutschlandweit eine Kaiserschnittgeburt am unwahrscheinlichsten.

Der bundesweite Durchschnitt für Kaiserschnitt-Geburten lag der Stiftung zufolge im Jahr 2010 bei knapp 32 Prozent – damit komme mittlerweile jedes dritte Baby auf unnatürlichem Wege zur Welt. Zehn Jahre zuvor habe die Rate noch bei 21,5 Prozent gelegen. In Sachsen sei die Kaiserschnitt-Rate derzeit mit 23 Prozent am niedrigsten.

Unterschiedliche Risikobewertung
Die Stiftung führt die regionalen Unterschiede vor allem auf die unterschiedliche Risikobewertungen der Geburtshelfer in den einzelnen Regionen zurück. Das steigende Alter der Mütter oder der Wunsch der Eltern nach einem Kaiserschnitt spiele dagegen bei der Erklärung der Unterschiede nur eine untergeordnete Rolle.  

„Es gibt selbstverständlich Situationen, in denen ein Kaiserschnitt unumgänglich ist, um das Leben von Mutter und Kind zu schützen", erklärte Gesundheitswissenschaftlerin Petra Kolip, Mitautorin der Studie. In den meisten Fällen hätten die Ärzte jedoch einen Ermessensspielraum, der offensichtlich ganz unterschiedlich genutzt werde.

Bei Risikosituationen wie Beckenendlage, Zwillingsgeburt oder einem vorherigen Kaiserschnitt, bei denen eine natürliche Geburt im Prinzip möglich ist, werde trotzdem sehr häufig ein Kaiserschnitt vorgenommen. In vielen Kliniken gebe es daher immer weniger Erfahrung mit komplizierteren natürlichen Geburten, erklärte Kolip. Auch Haftungsfragen dürften demnach ein Grund für zunehmende Kaiserschnitte sei.  

Der Gesundheitsexperte der Stiftung, Stefan Etgeton, sagte: „Es gibt in Deutschland kein einheitliches Vorgehen bei der Entscheidung darüber, ob ein Kaiserschnitt notwendig ist oder nicht.“

Für den Fakten-Check hat die Stiftung repräsentative Analysen von Daten des Statistischen Bundesamtes erstellt sowie Versichertendaten der Krankenkasse Barmer-GEK aus den Jahren 2007 bis 2010 verwendet, zudem habe es eine weitere Versichertenbefragung gegeben. Die Daten beziehen sich auf den Wohnortkreis der Mütter. © dapd/afp/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 27. September 2014, 21:08

Bertelsmann-Fakten-Check mit Macken!

Die Bertelsmann Stiftung weist mit ihrem Fakten-Check zum Thema "regionale Kaiserschnitt-Geburten-Verteilung" entscheidende, Statistik-eigene, geburtsfehlerhafte "Macken" auf.

Die unterschiedlichen Sectio-Häufigkeiten ("Sectio-Frequenz") werden gar nicht den geburtshilflichen Kliniken s e l b s t oder dem medizinisch-demografischen Risiko-Niveau (Stichwort "späte Erstgebärende") für Mutter und Kind, sondern ausschließlich dem W o h n o r t der GKV- und PKV-Patientinnen zugeordnet ("Wohnortprinzip").

I. d. R. wohnortnahe Hausgeburten wurden übrigens gar nicht erst erfasst oder ausgewertet. Daraus resultierende Sectiones müssten statistisch berücksichtigt werden.

Doch haben insbesondere "Risikoschwangere" mit hohem potenziellem Sectio-Anteil die Möglichkeit, im Rahmen ihrer „freien Arztwahl“ gezielt w e i t e r entfernte gynäkologisch-geburtshilfliche Kliniken mit ggf. angeschlossenen Kinderkliniken und zertifizierten "Perinatalzentren" aufzusuchen. An diesen Orten steigt die Sectio-Rate überproportional an, weil um diese Kliniken herum gar nicht genügend Frauen wohnen können, die potenziell schwanger werden und o h n e Sectio caesarea gebären könnten.

Für einer generelle Ärzte- und Geburtshelfer-Schelte besteht nicht einmal der Hauch von Plausibilität. Der Fakten-Check der Bertelsmann-Stiftung, in Zusammenarbeit mit der OECD erstellt, ist eher Fiktions-Check und ergibt keinerlei Argumente für Kritik an einer wie auch immer "entarteten" und "verwöhnten" westlichen "Wohlstandsgesellschaft", wie "kosmo" aus dem Dunkel der Anonymität irrtümlich kommentierend behauptet.

Mf+kG, Dr. med. Thomas Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #89767
kosmo
am Mittwoch, 14. November 2012, 17:46

Je westlicher, desto verwöhnter

Bemerkenswert, wie schnell die Wohlstandsgesellschaft die Menschen entartet...
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