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Medizin

Labormedizin: Fasten vor Lipidstatus unnötig

Dienstag, 13. November 2012

dapd

Calgary – Der Einfluss von Mahlzeiten auf die Bestimmung von Cholesterin und Triglyzeriden ist möglicherweise geringer als allgemein angenommen. Nach den Ergebnissen einer Querschnittsstudie in den Archives of Internal Medicine (2012; doi: 10.1001/jamainternmed.2013.1771) könnte die Vorgabe, dass die Patienten acht Stunden vor der Blutentnahme keine Nahrung zu sich nehmen waren, unnötig sein.

Die Calgary Laboratory Services, die 99 Prozent aller medizinischen Labortests in der kanadischen Stadt durchführen, akzeptieren seit 2011 für den Lipidstatus auch Blutproben von nicht nüchternen Patienten – vorausgesetzt die Dauer seit der letzten Mahlzeit wird angegeben.

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Davinder Sidhu von der Universität Calgary und Mitarbeiter konnten deshalb in einer Querschnittsstudie den Einfluss der Nahrungsaufnahme auf die Lipidwerte untersuchen (auch wenn ihnen natürlich nicht bekannt war, was die Patienten zuletzt gegessen hatten). Die Ausschläge waren gering.

Gesamtcholesterin und HDL-Cholesterin schwankten um weniger als 2 Prozent, die LDL-Cholesterinwerte wurden durch Mahlzeiten um weniger als 10 Prozent verändert. Selbst bei den Triglyzeriden, die postprandial ansteigen, war der Einfluss mit weniger als 20 Prozent im Durchschnitt relativ gering.

Da Gesamtcholesterin und HDL-Cholesterin heute die wichtigsten Parameter für die kardiovaskuläre Risikoeinschätzung sind, hält es der Editorialist Michael Gaziano vom Brigham and Women’s Hospital in Boston nicht mehr für notwendig, die Patienten extra zur Abnahme von Nüchternblut einzubestellen.

Amit Khera und Samia Mora, ebenfalls vom Brigham and Women’s Hospital, stimmen in einem weiteren Kommentar generell zu, halten es allerdings für wünschenswert, die Auswirkungen von postprandialen Lipidwerten auf das kardiovaskuläre Risiko erneut in Studien zu prüfen. Sidhu selbst könnte es sich vorstellen, dass die Tests im nicht-nüchternen Zustand die Risikoeinstufung von Diabetikern verbessern könnte, da es bei diesen infolge der Insulinresistenz zu deutlicheren Ausschlägen kommt (was aber in der Studie nicht untersucht wurde).

Tatsache bleibt aber, dass die geltenden Risikoscores auf der Basis von Nüchtern­lipidwerten erstellt wurden. Auffallend an der Querschnittsstudie ist, dass die Zahl der Patienten, bei denen die letzte Nahrungsaufnahme weniger als 8 Stunden zurück lag, sehr gering war.

Dies schränkt die Aussagekraft der Studie ein, auch wenn die Datenbasis von insgesamt mehr als 200.000 Tests signifikante Ergebnisse garantierte. Immerhin zeigt die Unter­suchung, dass die Tradition der Nüchternblutentnahme in Kanada ungebrochen ist. © rme/aerzteblatt.de

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