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Politik

Synthetische Drogen in Deutschland und europaweit auf dem Vormarsch

Donnerstag, 15. November 2012

Mechthild Dyckmanns dapd

Berlin/Lissabon  – Synthetische Drogen sind in Europa und auch in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Zwar sind Cannabis und Kokain nach wie vor die am häufigsten konsumierten illegalen Drogen, neue synthetische Drogen sind aber ein schnell wachsender Trend, wie aus dem am Donnerstag in Lissabon und Berlin vorgestellten Jahresberichten der deutschen und europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hervorgeht.    

Fast jede Woche wird demnach europaweit ein neuer synthetischer Stoff entdeckt. Insgesamt wurde dem Bericht der EU-Drogenagentur EBDD zufolge 2011 eine Rekordzahl von 49 neuen psychoaktiven Substanzen gemeldet. In diesem Jahr seien es bereits mehr als 50 weitere gewesen. Mehr als je zuvor seien junge Menschen in Europa „einer Vielzahl von Pulvern und Pillen ausgesetzt“, erklärte die EBDD. Die mit den „Legal Highs“ verbundenen Gesundheitsrisiken seien den Konsumenten nicht immer bekannt.

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Das Internet gewinnt dabei als Beschaffungsquelle zunehmend an Bedeutung. Die Zahl der Online-Shops, die Kunden in mindestens einem EU-Land mit psychoaktiven Substanzen versorgten, stieg bis Januar 2012 demnach auf 693. Im Januar 2011 waren es erst 314 solcher Shops. Bei Heroin dagegen gibt es europaweit weiterhin einen rückläufigen Trend.

In Teilen Europas sei die Zahl der Neueinsteiger in den Heroinkonsum zurückgegangen. Zudem werde Heroin offenbar zunehmend durch andere Stoffe verdrängt. Dazu gehören synthetische Drogen wie Fentanyl oder sogenannte Stimulanzien wie Amphetamin (Speed) oder Methamphetamin, auch Meth oder Crystal genannt.    

Auch in Deutschland steigt der Anteil der Amphetamin- und Ecstasy-Konsumenten, die 2011 wegen ihrer Sucht erstmals in Behandlung waren.  Im Vergleich zum Vorjahr wuchs er von zehn auf 15 Prozent, wie die Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) in Berlin mitteilte. Aus den Beratungs- und Behandlungseinrichtungen der Grenzregionen zur Tschechischen Republik wurde zudem eine steigende Verbreitung von Crystal gemeldet, einer Droge mit hohem Suchtpotenzial.

Cannabis bleibt in Deutschland wie in Europa aber die meistkonsumierte illegale Droge. Laut DBDD konsumierten in Deutschland im vergangenen Jahr etwa fünf Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen Cannabis. Der Anteil der Drogenpatienten, die wegen Cannabis-Konsums ambulant behandelt wurden, lag demnach bei etwa einem Drittel. „Das zeigt, dass Cannabis keineswegs eine harmlose Droge ist“, erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP). Besonders der Langzeitkonsum könne zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen.

Der drogenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, HaraldTerpe, bezeichnete die Drogenpolitik der Bundesregierung als gescheitert. Er forderte, sogenannte weiche Drogen wie Cannabis müssten legalisiert und reguliert werden. Dann könne auch der Jugend- und Verbraucherschutz effektiv durchgesetzt werden. Auch der drogenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Frank Tempel, kritisierte, in Deutschland sei es nicht gelungen, die Verfügbarkeit von illegalen Drogen wirksam einzuschränken.

© afp/aerzteblatt.de

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