Medizin

Schwangerschaft: Schon wenig Alkohol kann IQ des Kindes mindern

Donnerstag, 15. November 2012

Bristol – In der Schwangerschaft können bereits ein oder zwei Gläser Wein pro Woche die Hirnentwicklung des Ungeborenen nachhaltig beschädigen. Ob der Intelligenz­quotient des Kindes im Alter von 8 Jahren vermindert war, wurde in einer prospektiven Kohortenstudie in PLoS ONE (2012; 7: e49407) durch genetische Varianten der Alkoholdehydrogenase bei Mutter und Kind beeinflusst.

Die Alkoholdehydrogenase (ADH), die in der Leber Alkohol zu Acetaldehyd abbaut, ist auf dem Chromosom 4 mindestens fünfmal vorhanden. Zu jedem ADH-Gen gibt es Varianten, die den Alkohol mehr oder weniger schnell abbauen. Wie stark ein Fetus durch den Alkoholkonsum der Mutter belastet wird, hängt einmal von den Genen der Mutter ab.

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Aber auch die Gene in der Leber des Kindes haben einen Einfluss, wobei die meisten Gene allerdings erst nach der Geburt aktiv werden. Es war deshalb für Sarah Lewis von der Universität Bristol und Mitarbeitern nicht ganz einfach, den Einfluss des Alkoholkon­sums auf das Kind zu untersuchen.

Den Forschern standen allerdings mit der Avon Longitudinal Study of Parents and Children (APSAC) ausreichend Daten zur Verfügung. Diese Studie begleitet eine größere Gruppe von 4.167 Kinder der Jahrgänge 1991/92 seit der Schwangerschaft ihrer Mütter. Die Schwangeren waren einmal in der 18. Woche und dann erneut in der 32. Woche nach ihrem Alkoholkonsum befragt worden. Außerdem standen Blutproben von Mutter und Kind für die Gentests zur Verfügung.

Im Alter von 8 Jahren wurde dann bei den Kindern ein Intelligenztest (Wechsler III) durchgeführt. Deren Ergebnisse setzte Lewis dann zum einen mit dem Alkoholkonsum der Mutter und zum anderen mit den Ergebnissen der Gentests in Beziehung. Die Ergebnisse waren eindeutig: Insgesamt vier Genvarianten beeinflussten die Alkohol­wirkung in der Schwangerschaft auf den späteren IQ der Kinder. Eine Auswirkung war bereits bei einem niedrigen Alkoholkonsum von (1 bis 6 Einheiten Getränke pro Woche) nachweisbar. Ein Glas Wein (125 ml) enthält 1,5 Einheiten Alkohol, bei einem großen Bier (500ml) sind es 2 Einheiten.

Jede ungünstige genetische Variante senkte den IQ im Durchschnitt um 1 bis 2 Punkte. Da eine Frau oder ihr Kind mehrere Varianten haben kann, könnte der Einfluss im Einzelfall deutlicher ausfallen. Für Studienleiter Ron Gray von der Universität Oxford steht jedenfalls fest, dass bereits ein moderater Alkoholkonsum der Mutter die Startchancen des Kindes senkt, denn ein niedriger IQ bedeute im späteren Leben soziale Nachteile, einen schlechteren Gesundheitszustand oder sogar einen früheren Tod.

Dass die Assoziation nicht zufällig ist, wird einmal durch das Design der Studie unterstrichen. Die Forscher wählten eine Mendelsche Randomisierung. Sie versucht die Bedingungen einer klinischen Interventionsstudie nachzustellen (deren Durchführung sich aus ethischen Gründen verbietet). Zum anderen hatten die ADH-Gene bei Frauen, die in der Schwangerschaft abstinent lebten, keinen Einfluss auf den Intelligenz­quotienten der Kinder. Dies ist biologische plausibel, da die Enzyme bei diesen Frauen ja keinen Alkohol abbauen mussten.

Die Konsequenz der Studie ist klar. Frauen sollten während der Schwangerschaft nach Möglichkeit gar keinen Alkohol trinken, fordern die Autoren. Ein Gentest zur „Alkohol­toleranz des Ungeborenen“ dürfte niemand ernsthaft in Erwägung ziehen. © rme/aerzteblatt.de

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