NewsÄrzteschaftKammer Schleswig-Holstein warnt vor Fall-Explosion bei den niedergelassenen Ärzten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Kammer Schleswig-Holstein warnt vor Fall-Explosion bei den niedergelassenen Ärzten

Freitag, 16. November 2012

Bad Segeberg – Die Ärztekammer Schleswig-Holstein (ÄKSH) hat private und öffentliche Arbeitgeber des Landes aufgefordert, bei einem moderaten Umgang mit Krankheits­attesten zu bleiben. Mit dem Appell reagierte die Kammer auf ein Urteil des Bundes­arbeits­gerichtes, in dem das Recht der Arbeitgeber auf ein Attest ab dem ersten Tag bestätigt wird.

„Wer wirklich krank ist, muss natürlich zum Arzt“, so Kammerpräsident Franz-Joseph Bartmann. Aber wenn jeder Arbeitnehmer mit leichtem Unwohlsein oder einem harmlosen Infekt sofort zum Arzt gehen müsse, bliebe Medizinern noch weniger Zeit für die Behandlung tatsächlich wichtiger Fälle. „Die Wartezimmer sind schon jetzt übervoll“, sagte Bartmann.

Für den Fall einer strengen Auslegung des Urteils rechnet der Kammerpräsident mit einer künstlichen Aufblähung der Morbidität, denn Ärzte müssten ihre Diagnosen auf den Arbeits­unfähigkeits­bescheinigungen nach einer international gültigen Krankheits­klassifikation verschlüsseln. „Jeder banale Infekt bekommt dann einen eigenen Krankheitswert, der in der Morbiditätsstatistik erfasst wird“, machte Bartmann deutlich. Die Folge: Ein Attest ab dem ersten Tag mache die Deutschen rein statistisch kränker als sie tatsächlich sind. „Das treibt die Kosten, denn die Vergütung der Ärzte erfolgt zunehmend morbiditätsorientiert“, so der Kammerpräsident.

Anzeige

Gleichzeitig würde sich eine strenge Umsetzung des Urteils nach Ansicht Bartmanns als Bumerang für die Arbeitgeber erweisen: „Sie zahlen knapp die Hälfte der Kranken­kassenbeiträge, die durch unnötige Behandlungen und höhere Morbidität steigen dürften.“ Arbeitgeber seien deshalb gut beraten, es beim Attest ab dem zweiten oder dritten Tag zu belassen, so der Präsident: „Das entlastet die ohnehin angespannte ambulante ärztliche Versorgung und dient dem Betriebsfrieden.“

Arbeitgeber darf ärztliches Attest schon ab dem ersten Tag verlangen

Erfurt – Arbeitgeber können von einzelnen Arbeitnehmern verlangen, dass sie schon vom ersten Krankheitstag an ein ärztliches Attest vorlegen. Wie heute das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt entschied, muss der Arbeitgeber dabei keine Gründe nennen. (Az: 5 AZR 886/11)

© hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

4. Dezember 2020
Berlin – Im März so hoch wie lange nicht, im Mai so tief wie nie: Der Krankenstand der Millionen bei der Betriebskrankenkasse (BKK) Versicherten hat während der Coronapandemie eine Berg- und Talfahrt
Trotz Corona im Schnitt kein höherer Krankenstand bei Betriebskrankenkassen
13. November 2020
Hamburg – Trotz eingeschränkter Sportangebote und der Verlagerung des Arbeitsplatzes an den Esstisch zu Hause sind die Krankschreibungen wegen Rückenproblemen im ersten Halbjahr nicht auffällig
Krankschreibungen wegen Rückenschmerzen kaum gestiegen
13. Oktober 2020
Berlin – Berufstätige, die im Frühjahr 2020 wegen einer COVID-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden mussten, kehrten nach der stationären Behandlung selten direkt zurück an den Arbeitsplatz.
COVID-19-Patienten nach Klinikaufenthalt häufig lange arbeitsunfähig
29. September 2020
Berlin – Ein gerechter Führungsstil führt bei Beschäftigten zu weniger Krankschreibungen und reduziert psychische wie körperliche Beschwerden. Das ist die zentrale Botschaft des neuen
Gerechtigkeit am Arbeitsplatz beeinflusst die Gesundheit
28. September 2020
Schönebeck – Die Hausärzte in Sachsen-Anhalt fordern die Wiedereinführung der telefonischen Krankschreibung und pochen auf den Grundsatz „Wer krank ist, bleibt zu Hause“. Das sollte nicht nur für
Sachsen-Anhalts Hausärzte für telefonische Krankschreibung
21. September 2020
Erfurt – In Thüringen ist der Krankenstand nach einer Analyse der Krankenkasse DAK für ihre Versicherten trotz Coronapandemie im ersten Halbjahr zurückgegangen. Im Schnitt fehlte jeder bei der DAK
Trotz SARS-CoV-2 weniger Krankheitstage in Thüringen
14. September 2020
Hamburg – Die Zahl der Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen ist rasant gestiegen. Die Krankenkasse DAK Gesundheit verzeichnet nach neuesten Zahlen von 2000 bis 2019 einen Anstieg der
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER