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Medizin

Antibiotikaresis­tenztag: Klebsiellen und E. coli als neue Problemkeime

Freitag, 16. November 2012

Stockholm – Antibiotikaresistenzen sind in Europa weiter auf dem Vormarsch. Anstiege gibt es vor allem bei Klebsiella pneumoniae und Escherichia coli (E. coli), während sich die Lage bei den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) leicht entspannt, wie die jüngsten Zahlen der European Centers for Disease Control and Prevention (ECDC) zeigen.

Bei Klebsiella pneumoniae, einem häufigen Erreger von Harnwegsinfektionen, Atemwegsinfektionen und Bakteriämien, steigt derzeit die Zahl der Keime mit einer kombinierten Resistenz gegen Cephalosporine der 3. Generation, Fluorochinolone und Aminoglykoside. Die ECDC verzeichnet hier zwischen 2010 und 2011 einen deutlichen Anstieg vor allem in Osteuropa und auf dem Balkan sowie Griechenland.

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Carbapenem als letzte Möglichkeit
Als einziges Medikament bleibe oft nur noch Carbapenem wirksam, berichtet die ECDC. Die Verordnung von Carbapenem hat deshalb in den letzten Jahren stark zugenommen. Doch Klebsiella kann auch eine Resistenz gegen Carbapenem entwickeln. Hier ist es zuletzt in Italien und in Griechenland zu einem Anstieg gekommen. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich für E. coli ab, dem häufigsten Erreger von Bakteriämien und Harnwegsinfektionen. Auf eine Resistenz gegen Cephalosporine der 3. Generation folgt eine kombinierte Resistenz.

Der vermehrte Antibiotika-Einsatz gilt als wichtige Ursache für die Resistenzen. Hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Eine Spitzenposition belegt Griechenland, wo 2010 pro Tag und Kopf dreieinhalb Mal so viele Antibiotika verordnet wurden wie in Estland. Die stärkste Zunahme mit mehr als 5 Prozent gegenüber 2009 gab es 2010 in Island, Lettland und Großbritannien. In Polen, Österreich und Litauen nahm der Verbrauch dagegen ab. Der Vergleich zwischen den einzelnen Ländern ist jedoch nicht immer fair. Einige Ländern melden nur die verordneten Medikamente, andere die verkauften Medikamente einschließlich den nicht verschreibungspflichtigen.

Eine Entspannung deutet sich bei den MRSA an. Hier ist es laut den ECDC-Daten 2011 nicht mehr zu einem Anstieg gekommen, in einigen Ländern sind die resistenten Keime sogar zurückgegangen. Für eine Entwarnung gibt es allerdings keinen Grund, in 8 der 28 Mitgliedsstaaten liegt der Anteil der MRSA an allen invasiven Infektionen (Blut oder Liquor) weiterhin bei über 25 Prozent. Betroffen sind auch hier vor allem die Staaten in Ost- und Südeuropa.

Für Deutschland verzeichnet das Robert-Koch-Institut nach stagnierenden Werten oberhalb der 20 Prozent im stationären Bereich zwischen 2010 auf 2011 erstmals eine Abnahme. Im ambulanten Bereich scheinen MRSA dagegen eher zuzunehmen.

Der deutschen Antibiotika-Resistenz-Surveillance bereitet wie der ECDC die Zunahme von Resistenzen gegen Cephalosporine der 3. Generation bei Klebsiellen und E.coli zunehmend Sorgen. Sie betrachten im Bundesgesundheitsblatt die Ausbreitung Carbapenemase-produzierender gram-negativer Bakterien ebenfalls als „eine der drängendsten Herausforderungen der Gegenwart“. © rme/aerzteblatt.de

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am Freitag, 16. November 2012, 21:10

Antibiotikaresis­tenztag: Klebsiellen und E. coli als neue Problemkeime Freitag, 16. November 2012

Die Informationen über die Resistenz der Bakterien sind wenig hilfreich, weil keine vergleichenden Angaben gemacht werden, bei welchen Konzentrationen die Keime nicht überleben. Die Resistenz hängt von der Konzentration am Infektionsort ab. Ohne diese Angaben kann kein wissenschaftlich denkender Arzt das Problem bewerten und Maßnahmen ergreifen.
Prof. Dr. med. Dietmar Wittmann,
Chirurg, Nokomis, Florida
LNS

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