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Medizin

Wie das Immunsystem in den Schlaganfall verwickelt ist

Montag, 19. November 2012

Würzburg/Münster – Immunzellen haben einen wichtigen Einfluss auf den Krankheits­verlauf nach einem Schlaganfall. Das berichten Arbeitsgruppen aus Würzburg und Münster in der Zeitschrift Blood (doi:10.1182/blood-2012-04-426734). Allerdings haben die Forscher um Christoph Kleinschnitz von der Neurologischen Universitätsklinik Würz­burg und Heinz Wiendl vom Universitätsklinikum Münster die Effekte bislang nur bei Mäusen untersucht.

Den Ablauf eines ischämischen Schlaganfalls stellte sich die Wissenschaft bislang in groben Zügen so vor: Ein Blutgefäß, das das Gehirn mit Sauerstoff und lebenswichtigen Nährstoffen versorgt, wird plötzlich von einem Blutgerinnsel verstopft. Es kommt zum Schlaganfall, das Gehirn nimmt Schaden. Viele Betroffene leiden danach an neurolo­gischen Ausfällen, etwa an schweren Lähmungen oder Sprachstörungen. „Dieses Bild muss um eine weitere wichtige Komponente, nämlich das Immunsystem, ergänzt werden“, so Kleinschnitz.

Er bezieht sich dabei auf Experimenten mit Mäusen, deren Immunsystem durch einen genetischen Defekt keine regulatorischen T-Helferzellen besitzt. Bei ihnen ist nach einem Schlaganfall die Schädigung des Gehirns um rund 75 Prozent geringer als bei normalen Mäusen. Außerdem entwickeln die Tiere deutlich weniger neurologische Ausfälle.

Regulatorische T-Helferzellen sind ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems und eigentlich dafür da, allzu starke Immunreaktionen des Körpers einzudämmen. Durch diese regulierenden Eigenschaften kommt ihnen bei vielen Erkrankungen eine schützende Funktion zu, beispielsweise bei der multiplen Sklerose oder bei Rheuma.

„Die Tatsache, dass regulatorische T-Zellen bei akuten Schlaganfällen den Hirnschaden derart verstärken, war daher für uns völlig überraschend“, berichtet Wiendl, Direktor der Klinik für Neurologie, Abteilung für entzündliche Erkrankungen des Nervensystems und Neuroonkologie am Universitätsklinikum Münster.

In ihrer Arbeit sind die Immunologen auch der Frage nachgegangen, mit welchen Mechanismen regulatorische T-Zellen die schädigende Wirkung eines Schlaganfalls verstärken. Sie fanden heraus, dass dieser Zelltyp besonders in der Frühphase nach einem Schlaganfall mit Blutplättchen und der Blutgefäßwand in Wechselwirkung tritt.

Dadurch wird die Verstopfung der Hirngefäße verschlimmert und das Gehirn immer schlechter durchblutet. Jetzt wollen die Wissenschaftler prüfen, ob sich die Befunde auf den Menschen übertragen lassen. Ist das der Fall, dann könnten Schlaganfälle möglicherweise künftig auch mit Medikamenten behandelt werden, die die regulatorischen T-Zellen beeinflussen. © hil/aerzteblatt.de

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