Politik

Evangelische Kirche: Gesetzentwurf zu Sterbehilfe greift zu kurz

Montag, 19. November 2012

Hannover – Vor der Bundestagsdebatte zum geplanten Sterbehilfegesetz fordert der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ein generelles Verbot der organisierten Beihilfe zur Selbsttötung. Die geplante Regelung greife zu kurz, wenn sie lediglich auf Gewinn zielende Formen der Sterbehilfe verbiete, heißt es in einer heute in Hannover veröffentlichten Stellungnahme des Rates der EKD.

Der Bundestag wird voraussichtlich in der kommenden Woche über den „Gesetzentwurf zur Strafbarkeit der gewerbsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ in Erster Lesung beraten. Der im August vorgelegte Entwurf soll die gewerbsmäßige, auf Gewinnerzielung abzielende Suizidbeihilfe verbieten. Weiterhin soll aber die Suizidbeihilfe aus altruis­tischen Motiven erlaubt sein, etwa durch nahe Angehörige von Schwerstkranken oder andere ihnen nahestehende Personen.

Anzeige

Aus christlicher Sicht sei die Selbsttötung grundsätzlich abzulehnen, heißt es in der EKD-Erklärung. Dies gelte auch für die Beihilfe zum Suizid. Allerdings gebe es „Grenz­fälle“, in denen Menschen zu der Entscheidung kämen, ihrem Leben ein Ende zu setzen oder in denen sie Sterbehilfe leisteten und diese persönlich verantworteten. Allerdings bleibe „vor dem Gebot Gottes“ die Tötung menschlichen Lebens immer ein „schuldhafter Vorgang“. „Die Härte dieser Erkenntnis darf nicht verdrängt werden. Aber sie berechtigt nicht zu Schuldvorwürfen gegenüber anderen.“

Die katholischen Bischöfe sprachen sich bereits im September ähnlich wie die EKD für ein umfassendes Verbot von jeglicher organisierten Beihilfe zur Selbsttötung aus. Andernfalls könne der Eindruck entstehen, als wenn alle nicht kommerziellen Formen der Beihilfe zur Selbsttötung legitim seien, so die Deutsche Bischofskonferenz. Die Bischöfe drängten zudem auf eine Ausweitung der Hospizangebote für Sterbenskranke und eine Verbesserung der palliativmedizinischen Versorgung in Deutschland. © kna/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

22.02.17
Karlsruhe will 2017 über Sterbehilfegesetz entscheiden
Karlsruhe – Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) plant, die weit mehr als ein Dutzend Verfassungsbeschwerden gegen das neue Sterbehilfegesetz in diesem Jahr zu entscheiden. Dabei ist eine mündliche......
17.02.17
Versorgung Sterbenskranker durch Gesetz nicht behindert
Berlin – Viele Ärzte sind verunsichert, inwieweit sie sich bei der Begleitung und Behandlung von schwerkranken Patienten, die nicht länger leben wollten, strafbar machen. Das berichtet die Deutsche......
17.02.17
Amsterdam – Niederländische Ärzte haben mit Blick auf die Sterbehilfe den Stellenwert der Patientenverfügung kritisiert. In keinem anderen Land der Welt werde so viel Gewicht auf die......
09.02.17
Amsterdam – 148 Ärzte in den Niederlanden haben eine Petition gegen aktive Sterbehilfe bei Demenzpatienten unterzeichnet. „Unsere moralische Abneigung, das Leben eines wehrlosen Menschen zu beenden,......
08.02.17
Brüssel – In Belgien hat es offenbar einen zweiten Fall von aktiver Sterbehilfe für einen Minderjährigen gegeben. Die nationale Evaluationskommission habe bestätigt, dass ein junger Wallone bereits im......
06.02.17
Hamburg – Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat Bundestag, Bundesrat, Kanzleramt und Bundesjustizministerium aufgefordert, bis Ende des Monats Stellungnahmen zum Sterbehilfegesetz einzureichen.......
27.01.17
Amsterdam – Zum ersten Mal ist in den Niederlanden ein Arzt aufgrund aktiver Sterbehilfe an einer Demenzpatientin von der Sterbehilfe-Überprüfungs-Kommission (RTE) gerügt worden. Es habe nicht......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige