NewsÄrzteschaftBald zu wenig Ärzte für die Substitutions­therapie Opiatabhängiger
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Bald zu wenig Ärzte für die Substitutions­therapie Opiatabhängiger

Montag, 19. November 2012

dpa

Stuttgart – Auf Nachwuchsprobleme bei den Ärzten, die Opiatabhängige mit einer Substitutionstherapie betreuen, hat die Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg hingewiesen. „Der Altersdurchschnitt substituierender Ärzte ist hoch, ein Großteil wird in absehbarer Zeit nicht mehr zur Verfügung stehen“, befürchtet Christoph von Asche­raden, Vorstandsmitglied der Kammer und Vorsitzender des Ausschusses „Suchtme­dizin“. Das Durchschnittsalter der substituierenden Ärzte liege in drei Bezirken im Südwesten bei 58 Jahren, in einem Bezirk bei 59 Jahren.

„Die Herausforderung besteht darin, junge Ärzte für diese verantwortungsvolle Aufgabe zu gewinnen. Nur so kann die Substitution auch künftig sichergestellt werden“, ist der Allgemeinmediziner überzeugt. Er wies darauf hin, dass die Substitution Opiatabhängiger ein Erfolgsmodell sei. Mit der legalen Substitutionstherapie sei es möglich geworden, vielen Opiatabhängigen nach erfolglosen Abstinenztherapien das Überleben zu sichern, die Chance für eine Resozialisierung zu erhöhen und das Risiko für begleitende Infektionserkrankungen zu senken.

Anzeige

Von Ascheraden kritisierte die ungünstigen Rahmenbedingungen, die es schwierig machten, neue Ärzte für die Betreuung der Süchtigen zu gewinnen. Die Therapie sei nur in einem sehr engen rechlichten Rahmen möglich, „Engagierte Ärzte, die sich für das Wohl ihrer suchtkranken Patienten einsetzen und die schwierig handhabbaren Maßgaben in den Praxisalltag umsetzen, stehen bei ihrer Arbeit – bildlich gesprochen – beinahe immer mit einem Bein im Knast“, kritisierte von Ascheraden.

Neben einer besseren Vergütung für die Therapien ist daher die Veränderung der rechtlichen Rahmenbedingungen eine der Hauptforderungen der Kammer an die Politik. Seit 1991 werden Opiatabhängige in Deutschland mit einer Substitutionstherapie behandelt. Anfänglich waren es nur wenige hundert Patienten, inzwischen erhalten bundesweit rund 80.000 Opiatabhängige Substitute wie Methadon oder Subutex. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #112726
woewe
am Samstag, 24. November 2012, 19:12

Politischer Wille fehlt

Tja, solange das bleibt: Die Therapie sei nur in einem sehr engen rechlichten Rahmen möglich, „Engagierte Ärzte ... stehen bei ihrer Arbeit beinahe immer mit einem Bein im Knast“, siehe auch die "Erklärung der bayerischen Substitutionsärzte v. Nov. 2012"* wird sich am Nachwuchsproblem nichts ändern.
Hier muss den politischen Entscheidern energisch auf die Füße getreten werden.

*) Eine Ärztin in Niederbayern wurde ohne Verhandlung zu 150 Tagessätzen a 100 Euro verurteilt ... 11 Ärzte in Niederbayern haben daraufhin erklärt, die Substitution zum 31.12.2012 zu beenden,
LNS

Nachrichten zum Thema

20. November 2019
Stuttgart – In Baden-Württemberg werden die Ärzte knapp, die Abhängigen eine Substitutionstherapie anbieten können. „Wenn wir nicht gegensteuern, droht in den nächsten Jahren in allen Stadt- und
Neuer Pakt für Substitutionstherapie in Baden-Württemberg
23. Oktober 2019
Berlin – Die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, stellte sich heute in Berlin den Fragen von Pressevertretern. „Es gibt ein hohes Gesprächsbedürfnis von allen Seiten und ich
Drogenbeauftragte will sich für mehr substituierende Ärzte stark machen
18. Oktober 2019
Berlin – In Deutschland leben schätzungsweise rund 166.000 Menschen, die opioidabhängig sind. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor. Die
166.000 Opioidabhängige in Deutschland
29. April 2019
Amsterdam – Die Substitutionstherapie von Opioidabhängigen kann künftig mit einem subkutanen Implantat durchgeführt werden, aus dem das Ersatzopioid Buprenorphin über einen Zeitraum von 6 Monaten
EMA spricht sich für Buprenorphin-Implantat zur Behandlung von Opioidabhängigkeit aus
24. April 2019
Berlin – Zehn Jahre nach dem offiziellen Startschuss für den flächendeckenden Einsatz künstlichen Heroins auf Kassenkosten sind bundesweit drei weitere Abgabestellen entstanden. Insgesamt gibt es nun
Nach zehn Jahren drei weitere Ambulanzen für künstliches Heroin
12. März 2019
Frankfurt am Main/Berlin – Zehntausende Suchtkranke profitieren von einer Ersatztherapie mit Medikamenten. Aber immer weniger Ärzte sind offenbar bereit, diese Patienten zu betreuen. Die
Ärzte sollen sich vermehrt in Substitutionstherapie einbringen
17. Dezember 2018
München – Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) hat ein Konzept erarbeitet, um mehr Ärzte für die verantwortungsvolle Tätigkeit der Substitutionstherapie zu gewinnen. Ärzte, die eine
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER