Ausland

Tausende Iren demonstrieren für Recht auf Abtreibung

Montag, 19. November 2012

Galway – Rund drei Wochen nach dem Tod einer jungen Frau haben Tausende Menschen am Samstag in Irland für das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch demonstriert. In der Hauptstadt Dublin beteiligten sich nach Angaben der Polizei zwischen 10.000 und 12.000 Menschen an einem Protestmarsch. Mit einer Schweige­minute gedachten sie der aus Indien stammenden 31-jährigen Zahnärztin, die Ende Oktober in einer Klinik an Blutvergiftung gestorben war, nachdem die Ärzte ihr eine Abtreibung verweigert hatten. Redner forderten eine Änderung der Abtreibungs­gesetze. 

In westirischen Galway, dem Wohnort der aus Indien stammenden Frau, hielten Hunderte Menschen am Abend trotz der bitteren Kälte eine Kerzenwache auf dem Hauptplatz ab. Vor 50 Jahren sei ihre Mutter unter ähnlichen Umständen gestorben, berichtete eine der Teilnehmerinnen, Margaret Geraghty. „Ich kann es kaum glauben, dass dies heute immer noch passieren kann“, sagte sie.  

Anzeige

Die in der 17. Woche schwangere Savita Halappanavar war im Oktober wegen starker Rückenschmerzen in die Uniklinik von Galway gegangen. Nach Angaben ihres Mannes eröffneten ihr die Ärzte, dass sie eine Fehlgeburt haben werde – doch obwohl sie tagelang um eine Abtreibung bat, wurde ihr dies von den Ärzten mit dem Verweis auf die Gesetzgebung verweigert. Irland sei „ein katholisches Land“, sagten die Ärzte demnach. Erst als das Herz des Embryos zu schlagen aufgehört hatte, wurde der Eingriff vorgenommen, berichtete der Mann. Für seine Frau jedoch kam jede Rettung zu spät. Die Behörden nahmen inzwischen Ermittlungen auf.  

Schwangerschaftsabbruch ist im mehrheitlich katholischen Irland verboten. Zwar dürfen Ärzte seit einem Urteil des Obersten Gerichtshof aus dem Jahr 1992 eine Abtreibung vornehmen, wenn das Leben der Mutter unmittelbar in Gefahr ist, doch wurden die Gesetze bis heute nicht an die Rechtsprechung angepasst. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

24.02.17
Guatemala-Stadt – Guatemala hat ein „Abtreibungsschiff“ der niederländischen Organisation Women on Waves aufgefordert, die Gewässer vor seiner Küste zu verlassen. Die Streitkräfte des......
21.02.17
Dannenberg/Fulda – Nach dem Streit um Schwangerschaftsabbrüche an der Capio-Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg hat der Krankenhausträger den Klinikchef entlassen. Das Verhältnis mit dem......
16.02.17
Polnische Regierung will Zugang zur „Pille danach“ einschränken
Warschau – Die polnische Regierung will den Zugang zur „Pille danach“ wieder einschränken. Ein Regierungssprecher sagte heute im Nachrichtensender TVN24, Pillen zur Geburtenkontrolle gebe es „nur auf......
13.02.17
Stockholm – Nach dem Dekret von US-Präsident Donald Trump gegen Abtreibungen wollen Vertreter zahlreicher Staaten bei einer Geberkonferenz Geld für Hilfsorganisationen sammeln, die den Zugang zu......
09.02.17
Dannenberg/Fulda – Im Streit um Schwangerschaftsabbrüche in einer Klinik in Dannenberg nimmt der erst vor kurzem berufene Chefarzt der Gynäkologie wieder seinen Hut. Der Mediziner werde die......
08.02.17
Abtreibungen: Streit zwischen Chefarzt und Mutterkonzern
Dannenberg/Stadthagen – Die Capio-Elbe-Jeetzel-Klinik (EJK) in Dannenberg hat gestern angekündigt, keine Schwangerschaftsabbrüche in dem Krankenhaus mehr ermöglichen zu wollen. Heute meldet sich der......
07.02.17
Dannenberg/Stadthagen – Ärzte können in Deutschland nicht gezwungen werden, Abtreibungen vorzunehmen. In Niedersachsen nimmt nun die Capio-Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg keine......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige