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Medizin

Paraplegie: Gelähmte Dackel laufen dank Stammzellen aus der Nase

Montag, 19. November 2012

Cambridge – Britischen Veterinärmedizinern ist ein erstaunlicher Erfolg in der Rehabilitation nach Querschnittslähmungen gelungen. Nach der Transplantation von sogenannten “Olfactory ensheathing cells” (OEC) lernten Dackel wieder ihre Hinterläufe zu benutzen. Wenigstens ein Tier konnte ein halbes Jahr nach der Behandlung wieder frei laufen.

Das Video der Cambridge Universität zeigt den Dackel Jasper. Vor der Operation konnte sich Jasper auf dem Laufband nur bewegen, weil eine Schlinge den Unterleib anhob. Die Hinterläufe zog Jasper schleifend hinter sich her. Der Hund war nach einem Bandscheibenvorfall gelähmt, eine bei Dackeln häufige Ursache einer Paraplegie, wie das Team um Robin Franklin vom Cambridge Stem Cell Institute erläutert.

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In der nächsten Einstellung – seit der Operation sind 6 Monate vergangen – kann Jasper bereits wieder seine Hinterläufe koordiniert bewegen. Sein Unterkörper muss zu diesem Zeitpunkt allerdings noch durch eine Schlinge gehalten werden. In der dritten Einstellung hat Jasper dann gelernt, sich ohne Hilfsmittel, wenn auch noch ein wenig wackelig, ohne Hilfsmittel zu bewegen.

Möglich wurde dies durch die Transplantation von OEC ins Rückenmark. OEC wurden bereits vor einem Jahrzehnt im Riechepithel und im Riechkolben (Bulbus olfactorius) entdeckt. Sie sind dort für die Regenerierung der ersten Neuronen der Riechbahn zuständig: Diese Neurone schaffen eine Verbindung zwischen dem Riechepithel durch die Lamina cribosa des Siebbeins hindurch zum Bulbus olfactorius. Sie sind sehr kurzlebig und müssen deshalb ständig erneuert werden. Dabei leisten die OEC eine wichtige Hilfestellung. Möglicherweise weisen sie den Axonen der neuen Nervenzellen den Weg.

Seit einiger Zeit wird versucht, die OEC für die Behandlung von Nervenverletzungen zu nutzen. Die Erfolge waren bislang gering, weshalb der Bericht der britischen Stammzellforscher sicherlich auf Aufmerksamkeit über die Grenzen der Veterinärmedizin hinaus stoßen wird. Insgesamt 34 Dackel wurden im Rahmen einer placebokontrollierten Studie entweder OEC oder eine in das Rückenmark injiziert. Alle Tiere waren nach einem Diskusprolaps paraplegisch. Nach der Transplantation von OEC, nicht aber nach der Injektion von Kochsalz kam es nach Auskunft der Forscher zu einer langsamen Besserung der Lähmungserscheinungen.

Für die Rehabilitation von paraplegischen Patienten vielversprechend ist auch die Beobachtung, dass sich die Darm- und Blasenfunktion der Hunde gebessert haben sollen. Dies könnte bedeuten, dass sich bei Paraplegikern auch Sexualfunktion und Kontinenz beheben lassen. Franklin gibt sich vorsichtig optimistisch, dass die Therapie auch beim Menschen möglich wäre.

Zu bedenken ist, dass das Riechepithel bei Hunden sehr viel stärker differenziert ist als beim Menschen. Unterschiede gibt es auch beim Pathomechanismus. Beim Menschen kommt es in der Regel durch ein Trauma zur Paraplegie. Ein Diskusvorfall führt, anders als beim Dackel, in der Regel nicht zu Lähmungserscheinungen. Die Ergebnisse von klinischen Studien lassen sich deshalb nicht vorhersehen. Das Team stellt Einzelheiten der Studie in „Brain“ vor (Abstract war zum Berichtszeitpunkt noch nicht im Internet). © rme/aerzteblatt.de

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