Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Paraplegie: Gelähmte Dackel laufen dank Stammzellen aus der Nase

Montag, 19. November 2012

Cambridge – Britischen Veterinärmedizinern ist ein erstaunlicher Erfolg in der Rehabilitation nach Querschnittslähmungen gelungen. Nach der Transplantation von sogenannten “Olfactory ensheathing cells” (OEC) lernten Dackel wieder ihre Hinterläufe zu benutzen. Wenigstens ein Tier konnte ein halbes Jahr nach der Behandlung wieder frei laufen.

Das Video der Cambridge Universität zeigt den Dackel Jasper. Vor der Operation konnte sich Jasper auf dem Laufband nur bewegen, weil eine Schlinge den Unterleib anhob. Die Hinterläufe zog Jasper schleifend hinter sich her. Der Hund war nach einem Bandscheibenvorfall gelähmt, eine bei Dackeln häufige Ursache einer Paraplegie, wie das Team um Robin Franklin vom Cambridge Stem Cell Institute erläutert.

In der nächsten Einstellung – seit der Operation sind 6 Monate vergangen – kann Jasper bereits wieder seine Hinterläufe koordiniert bewegen. Sein Unterkörper muss zu diesem Zeitpunkt allerdings noch durch eine Schlinge gehalten werden. In der dritten Einstellung hat Jasper dann gelernt, sich ohne Hilfsmittel, wenn auch noch ein wenig wackelig, ohne Hilfsmittel zu bewegen.

Möglich wurde dies durch die Transplantation von OEC ins Rückenmark. OEC wurden bereits vor einem Jahrzehnt im Riechepithel und im Riechkolben (Bulbus olfactorius) entdeckt. Sie sind dort für die Regenerierung der ersten Neuronen der Riechbahn zuständig: Diese Neurone schaffen eine Verbindung zwischen dem Riechepithel durch die Lamina cribosa des Siebbeins hindurch zum Bulbus olfactorius. Sie sind sehr kurzlebig und müssen deshalb ständig erneuert werden. Dabei leisten die OEC eine wichtige Hilfestellung. Möglicherweise weisen sie den Axonen der neuen Nervenzellen den Weg.

Seit einiger Zeit wird versucht, die OEC für die Behandlung von Nervenverletzungen zu nutzen. Die Erfolge waren bislang gering, weshalb der Bericht der britischen Stammzellforscher sicherlich auf Aufmerksamkeit über die Grenzen der Veterinärmedizin hinaus stoßen wird. Insgesamt 34 Dackel wurden im Rahmen einer placebokontrollierten Studie entweder OEC oder eine in das Rückenmark injiziert. Alle Tiere waren nach einem Diskusprolaps paraplegisch. Nach der Transplantation von OEC, nicht aber nach der Injektion von Kochsalz kam es nach Auskunft der Forscher zu einer langsamen Besserung der Lähmungserscheinungen.

Für die Rehabilitation von paraplegischen Patienten vielversprechend ist auch die Beobachtung, dass sich die Darm- und Blasenfunktion der Hunde gebessert haben sollen. Dies könnte bedeuten, dass sich bei Paraplegikern auch Sexualfunktion und Kontinenz beheben lassen. Franklin gibt sich vorsichtig optimistisch, dass die Therapie auch beim Menschen möglich wäre.

Zu bedenken ist, dass das Riechepithel bei Hunden sehr viel stärker differenziert ist als beim Menschen. Unterschiede gibt es auch beim Pathomechanismus. Beim Menschen kommt es in der Regel durch ein Trauma zur Paraplegie. Ein Diskusvorfall führt, anders als beim Dackel, in der Regel nicht zu Lähmungserscheinungen. Die Ergebnisse von klinischen Studien lassen sich deshalb nicht vorhersehen. Das Team stellt Einzelheiten der Studie in „Brain“ vor (Abstract war zum Berichtszeitpunkt noch nicht im Internet). © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17.10.17
Stammzellen: Neue Methoden zur Regeneration von Herzmuskelgewebe
Berlin – Die Wissenschaft sucht weiterhin nach Möglichkeiten, um Herzen nach einem Infarkt zu reparieren. Deutsche Forscher setzen etwa auf Herzmuskelgewebe aus pluripotenten Stammzellen, das auf die......
09.10.17
Gentherapie stoppt Fortschreiten der zerebralen Adrenoleu­kodystrophie
Boston – Die Stammzellbehandlung der zerebralen Adrenoleukodystrophie, einer erblichen Stoffwechselkrankheit, von der eines von von 17.000 Neugeborenen betroffen ist, könnte durch eine Gentherapie......
04.10.17
Regenerative Medizin gefährdet Pharmaindustrie
München – Der Markt für regenerative Medizin wird im kommenden Jahrzehnt rapide wachsen. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger wird der weltweite Umsatz in diesem Bereich bis 2025......
28.09.17
Herzinsuffizienz: Stammzellen aus Nabelschnur verbessern Herzfunktion
Santiago/Chile – Die intravenöse Infusion von mesenchymalen Stammzellen, die aus Plazentas isoliert und in Zellkulturen vermehrt wurden, hat sich in einer Phase-1/2-Studie bei Patienten mit einer......
18.09.17
Apoptosehemmung könnte Transplantations­erfolg von Blutstammzellen verbessern
Freiburg/New York – Eine Möglichkeit, den Transplantationserfolg von Blutstammzellen durch eine Hemmung des programmierten Zelltods zu verbessern, haben Forscher des Universitätsklinikums Freiburg......
04.09.17
Neues Zentrum für pädiatrische Stammzelltrans­plantation und Zelltherapie in Frankfurt
Frankfurt am Main – Forschung und Behandlung direkt miteinander verbinden soll das neue Johanna-Quandt-Zentrum für pädiatrische Stammzelltransplantation und Zelltherapie am Universitätsklinikum......
31.08.17
Transplantierte Stammzellen verbessern Parkinsonsymptome bei Affen
Kyoto – Bisherige zelltherapeutische Ansätze der Parkinsonkrankheit waren limitiert, da die notwendigen Stammzellen aus Hirngewebe abgetriebener Feten verwendet werden mussten. Dabei geht es auch ohne......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige