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Medizin

Rätselhafter Anstieg der Kryptosporidiosen

Montag, 19. November 2012

Stockholm – In den Niederlanden, aber auch in Großbritannien und geringer in Deutschland ist es in den letzten Monaten zu einem Anstieg von Infektionen mit Cryptosporidium parvum gekommen. Das teilt das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) mit. In den Niederlanden wird derzeit in Fall-Kontroll-Studien nach möglichen Auslösern gefahndet – bislang ohne Erfolg.

Der einzellige Parasit Cryptosporidium parvum befällt vor allem Kälber und andere Nutztiere. Es können aber auch Hunde und Katzen erkranken sowie Fische und Reptilien, die als Haustiere gehalten werden. Bei den Tieren kommt es zu einer akuten Gastroenteritis. Über den Kot werden große Mengen Oozyten ausgeschieden.

Menschen können sich durch direkten Kontakt mit den Tieren infizieren oder aber indirekt über Staub, kontaminierte Lebensmittel oder kontaminiertes Trinkwasser. Nach zwei bis zehn Tagen kommt es zu einem akuten wässrigem Durchfall. Ansonsten gesunde Menschen erholen sich in der Regel nach ein bis zwei Wochen. Bei Patienten mit Immunschwäche oder bei Einnahme von Immunsuppressiva sind jedoch schwere Verlaufsformen möglich. Im Einzelfall kann eine Kryptosporidiose tödlich enden.

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Ein Anstieg der Erkrankungen ist zuerst in den Niederlanden aufgefallen (wo es im Gegensatz zu Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern keine Meldepflicht gibt). Der Anteil der Cryptosporidium-Nachweise in Stuhlproben ist dort seit August 2012 von 1,5 auf 6,5 Prozent angestiegen, in einigen Regionen sogar auf 12 Prozent.

Seit der 38. Kalenderwoche gehen die Zahlen zurück, sie liegen laut ECDC aber weiter­hin über denen des Vorjahres. In den Niederlanden erkrankten vor allem Frauen im Alter von 19 bis 65 Jahren sowie Knaben im Alter unter 5 Jahren. Am 25. Oktober haben die Niederlande die europäischen Behörden benachrichtigt.

Die Recherchen ergaben, dass es auch in England and Wales zwischen der 33. und 43. Kalenderwoche zu einem Anstieg von 1.430 auf 2.173 gemeldeter Infektionen gekommen ist. In Deutschland stiegen die Erkrankungszahlen zwischen der 33. und 43. Kalenderwoche leicht um 6 Prozent (386 versus 238 Fälle). Ein Peak wurde in der 37. Kalenderwoche erreicht. Bezüglich Alter und Geschlecht und dem Anteil der importierten Infektionen gibt es hierzulande keine Unterschiede. In England fiel eine leichte Häufung bei Rückkehrern aus Spanien und der Türkei auf.

Eine erste Fall-Kontroll-Studie aus den Niederlanden ergab eine mögliche Assoziation mit dem Trinken von Mineralwasser (Odds Ratio 2,5 in einer Multivariat-Analyse). Es hatten allerdings nur 20 Prozent der Erkrankten von dem Wasser getrunken. Ein Drittel der Erkrankten hatte eine positive Reiseanamnese.

Das ECDC hält klimatische Ursachen für möglich. Die teils ergiebigen Niederschläge im Herbst in Großbritannien und den Niederlanden könnten in Verbindung mit hohen Temperaturen zu einem Anstieg der Infektionen geführt haben. Es ist also möglich, dass es sich nicht um eine einzelne Epidemie handelt, sondern eher um einen besonders starken jahreszeitlich bedingten Ausschlag. Die Untersuchungen werden nach Auskunft der ECDC jedoch fortgesetzt. © rme/aerzteblatt.de

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