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Medizin

Arbeitslosigkeit ein bedeutsames Herzinfarktrisiko

Dienstag, 20. November 2012

dapd

Durham – Eine Arbeitslosigkeit erhöht bei Menschen über 50 das Herzinfarktrisiko im gleichen Maße wie Rauchen, Diabetes oder eine Hypertonie. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine prospektive Beobachtungsstudie in den Archives of Internal Medicine (2012; doi: 10.1001/2013.jamainternmed.447).

Matthew Dupre und Mitarbeiter der Duke University in Durham in North Carolina haben die Daten der Health and Retirement Study ausgewertet. Sie begleitet seit 1992 eine Gruppe von 13.451 Erwachsenen im Alter von 51 bis 71 Jahren, um den Einfluss von sozialen Faktoren wie Einkommen, Arbeitsverhältnisse, Kranken- und Rentenversicherung auf die Gesundheit zu untersuchen. Die Teilnehmer füllen alle zwei Jahre ausführliche Fragebögen zu ihren Lebensumständen aus. Dazu gehören auch die aktuellen Beschäftigungsverhältnisse, die Dupre mit den Angaben zu Herzinfarkten in Beziehung setzte.

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Abgefragt wurden darüber hinaus die bekannten klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Hypertonie, Cholesterintests, Diabetes, Übergewicht und Bewegungsmangel, aber auch Einkommen, Versichertenstatus, Depressionen und Alkoholkonsum, die ebenfalls einen Einfluss auf das Herzinfarktrisiko haben können. Durch die Kenntnis dieser Faktoren lässt sich ausschließen, dass eine eventuelle Assoziation auf eine ungesunde Lebensweise oder andere Begleitumstände der Arbeitslosigkeit zurückzuführen sind. Dies war auch teilweise der Fall.

So ermittelte Dupre, dass Arbeitslose zu 74 Prozent häufiger einen Herzinfarkt erleiden als Beschäftigte (Hazard Ratio HR 1,74; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,42-2,14). Doch nach der Berücksichtigung der genannten Risikofaktoren blieb noch ein um 35 Prozent erhöhte Risiko (HR 1,35; 1,10-1,66) übrig, dass allein auf den Arbeitsplatzverlust beziehungsweise dem damit verbundenen Lebensstress zurückzuführen ist.

Für einen kausalen Zusammenhang spricht, dass das Risiko „dosisabhängig“ war. Die Hazard Ratio stieg von 1,22 bei einer einzelnen Episode eines Arbeitsplatzverlustes auf 1,66 bei vier oder mehr Arbeitsplatzverlusten. Am höchsten war das Risiko im ersten Jahr der Arbeitslosigkeit. Danach nimmt das Risiko ab. Kurioserweise hatten Langzeitarbeitslose ein tendenziell niedrigeres Risiko als dauerhaft Beschäftigte.

Die Hazard Ratio bei einer Arbeitslosigkeit von 2 bis 4 Jahren betrug 0,96, bei einer Arbeitslosigkeit von 5 oder mehr Jahren waren es 0,90. Diese Assoziation war allerdings nicht signifikant, so dass sich weitergehende Spekulationen in diesem Bereich verbieten. Es ist aber möglich, dass die Anpassung an die neue Situation einer Arbeitslosigkeit der größte Stressor ist.

Da auch andere Risikofaktoren abgefragt wurden, lässt die Studie einen direkten Vergleich zu. Die Hazard Ratio bei 4 oder mehr Arbeitsplatzverlusten (1,66) lag dabei im Bereich der bekannten kardiovaskulären Risiken wie Rauchen(1,44) Diabetes mellitus (1,51) und Bluthochdruck (1,62).

Anders als diese lässt sich die Arbeitslosigkeit medizinisch nicht therapieren, solange nicht die genauen Pathomechanismen bekannt sind, über die das Herz angegriffen wird. Hinzu kommt, dass eine erneute Beschäftigung vermutlich die bessere Lösung wäre als eine Psychotherapie der Arbeitslosen oder die Verordnung von Medikamenten (Betablocker?) gegen den Stress. © rme/aerzteblatt.de

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