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Medizin

UNAIDS: Anhaltender Rückgang der HIV-Neuinfektionen

Dienstag, 20. November 2012

Der Executiv Direktor von UNAIDS, Michel Sidibé präsentiert in Genf den World Aids Report 2011 © dpa

Genf – Die verbesserte Versorgung von HIV-Infizierten wirkt sich günstig auf den Verlauf der weltweiten Epidemie aus. Die Zahl der Neuinfektionen ist 2011 erneut, wenn auch nur leicht, zurückgegangen. Die größten Erfolge sind laut dem World AIDS Day Report in den Hoch-Endemie-Ländern in Afrika, der Karibik und Südasien zu verzeichnen, während der Nahe Osten, aber auch Osteuropa und Zentralasien weiterhin steigende Erkrankungszahlen verzeichnen. Ein Grund für die insgesamt günstige Entwicklung ist ein deutlicher Rückgang bei den Neuinfektionen von Kindern.

UNAIDS, ein Projekt der Vereinten Nationen, schätzt, dass im Jahr 2011 weltweit 34 Millionen Menschen mit HIV infiziert waren. Das wären nur etwas mehr als im Jahr zuvor. Denn einer Zahl von 1,7 Millionen Todesfällen stehen 2,5 Millionen Neuinfektionen gegenüber. Die Zahl der Neuinfektionen ist gegenüber 2010 um 700.000 zurückgegangen. Damit setzt sich ein Trend fort, der seit der Jahrtausendwende zu beobachten ist.

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UNAIDS betont diese günstige Entwicklung, indem es die Zahlen seit 2001 kumuliert. In einer Gruppe von 25 Ländern sei es zu einem Rückgang um 50 Prozent oder mehr gekommen. Stark rückläufig sind die Neuinfektionen nicht nur in den Ländern südlich der Sahara wie Malawi (minus 73 Prozent), Botswana (minus 71 Prozent), Namibia (minus 68 Prozent), Sambia (minus 58 Prozent), Simbabwe (minus 50 Prozent) sowie Südafrika und Swasiland (41 Prozent).

Auch in der Karibik und in Südasien ist die Entwicklung günstig. In der Karibik sind die Neuinfektionen in der Dominikanischen Republik (minus 73 Prozent), auf den Bahamas, in Barbados, Belize und Haiti (minus 50 Prozent) rückläufig, in Asien gibt es weniger Neuinfektionen in Nepal (minus 91 Prozent) und Kambodscha (minus 88 Prozent). Auch in Indien, Myanmar, Papua Neuguinea und Thailand, den Ländern mit den meisten HIV-Infizierten in Asien, sank die Zahl der Neuinfektionen um mehr als 50 Prozent.

Einen Anstieg verzeichnet UNAIDS indes noch in Bangladesh, Indonesien, auf den Philippinen und in Sri Lanka. Auch im Nahen Osten und Nordafrika (plus 35 Prozent seit 2001) steigen die Neuinfektionen, ebenso in Osteuropa und Zentralasien: Georgien, Kasachstan, Kirgisistan und die Republik Moldau verzeichnen 25 Prozent mehr Neuinfektionen als ein Jahrzehnt zuvor. Auch in Russland ist die Entwicklung ungünstig: Die Zahl der Neuinfektionen ist von 40.000 in 2006 auf über 60.000 in 2011 gestiegen.

Mehr als 70 Prozent der Neuinfektionen in der Süd-Sahra
Das ist natürlich nur ein Bruchteil der Neuerkrankungen in Afrika südlich der Sahara, dem Epizentrum der Pandemie. Auf diese Länder entfielen 2011 etwa 72 Prozent aller weltweiten Neuinfektionen. Die auch dort insgesamt günstige Entwicklung ist Folge der deutlich gestiegenen Behandlungszahlen. So hätten in Südafrika mittlerweile 1,7 Millionen Patienten Zugriff auf Medikamente, 75 Prozent mehr als noch 2 Jahre zuvor. Die Folge war ein Rückgang der Neuinfektionen allein in Südafrika um 50.000 Fälle innerhalb dieser beiden Jahre. Erfreulich ist aus Sicht der UNAIDS auch, dass auch die ärmeren Länder sich immer mehr an den Kosten für die Versorgung beteiligen. Südafrika gebe mittlerweile 1,6 Milliarden US-Dollar im Jahr dafür aus. Im Jahre 2011 hätten die Eigenanstrengungen der Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen erstmals die globalen Spenden übertroffen, heißt es in dem Bericht.

Besonders positiv ist die Entwicklung bei den HIV-Infektionen von Kindern, die sich in der Regel peripartal bei ihren Müttern infizieren. Hier ist es allein in den letzten beiden Jahren zu einem Rückgang der Neuinfektionen um 24 Prozent gekommen. In den vier Jahren davor war die Zahl nur um 19 Prozent gesunken. UNAIDS hält es mittlerweile für möglich, Neuinfektionen bei Kindern vollständig zu vermeiden.

Die günstige Entwicklung bei den Kindern ist ein Grund für den Rückgang bei den Neuinfektionen verantwortlich. Auf sie entfielen allein 330.000 vom Gesamtrückgang von 700.000 Neuinfektionen. Es ist deshalb nicht sicher, dass das Millenniumziel 6 der Vereinten Nationen erreicht wird. Bis 2015 soll die Ausbreitung von HIV/AIDS zum Stillstand kommen und eine Trendumkehr erreicht werden. Bis dahin sind noch 1.000 Tage Zeit. © rme/aerzteblatt.de

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