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Ausland

Facharzt für Allgemeinmedizin europaweit anerkennen

Mittwoch, 21. November 2012

Berlin – Der sich zuspitzende Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten wird europaweit als Problem erlebt. Das berichteten Allgemeinmediziner bei der Generalversammlung der Europäischen Vereinigung der Allgemeinmediziner (UEMO) letzte Woche in Berlin. „Die Kolleginnen und Kollegen in ganz Europa nehmen lange Arbeitszeiten in Kauf, um die Patienten zu versorgen, und müssen sich zusätzlich mit enormen bürokratischen Belas­tungen in der Praxis herumschlagen“, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, bei der UEMO-Versammlung.

Seiner Meinung nach ist auch die Abwanderung von Hausärzten aus Süd- und Osteuropa in den Westen und Norden ein Problem, mit dem sich die UEMO befassen muss: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen überall eine gute primärärztliche Versorgung haben.“

Die UEMO diskutierte zudem die Qualität der hausärztlichen Versorgung in den Mitgliedstaaten ihrer europäischen Dachorganisation. Sie sei durch die Einführung des Facharzttitels für Allgemeinmedizin nach Abschluss der spezifischen Aus- und Weiterbildung erheblich verbessert worden, hieß es. Kritik gibt es jedoch an der Berufsanerkennungs-Richtlinie 2005/36 der Europäischen Union, die derzeit überarbeitet wird. Mit Hilfe dieser Richtlinie soll die Anerkennung von Berufsqualifikationen innerhalb der Europäischen Union verbessert werden.

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Anforderungen an Hausärzte gestiegen
Nach Ansicht der UEMO sind die Anforderungen an Hausärzte in Bezug auf die medizinische Versorgung der Bevölkerung in den letzten Jahren gestiegen. „Daraufhin haben die Allgemeinärzte Europas in allen Mitgliedsländern in den letzten Jahren ihre ärztliche Qualität stetig verbessert, gerade auch vor dem Hintergrund des ständig wachsenden Anteils der älteren Patienten“, so Weigeldt. Um dem Hausärztemangel europaweit entgegenzusteuern, seien Änderungen an der EU-Richtlinie notwendig, forderte Weigeldt.

Der Facharzt für Allgemeinmedizin müsse rechtlich gleichrangig neben die bestehenden übrigen Facharztbezeichnungen gestellt werden. „Leider sind die EU-Richtlinien bislang nicht in diesem Sinne angepasst worden. Die Mitglieder der UEMO appellieren dringend an alle Entscheidungsträger im EU-Parlament, diesen längst fälligen Schritt zu vollziehen“, sagte Weigeldt. Er forderte, nicht länger zwischen ärztlicher und allgemeinärztlicher Weiterbildung zu unterscheiden, sondern sämtliche Facharztgruppen in Artikel 25 der überarbeiteten Richtlinie aufzunehmen. Diese Auffassung vertritt auch der Ständige Ausschuss europäischer Ärzte in Brüssel in seiner Stellungnahme.

Nena Kopcavar Gucek, UEMO-Vizepräsidentin, kritisierte, dass ein rückläufiges Angebot an ambulanter allgemeinmedizinischer Versorgung in europäischen Ländern schwere gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung haben könne. So leite Rumänien seine Mittel für die Gesundheitsversorgung zu 95 Prozent in Kliniken und nur noch zu fünf Prozent in primärärztliche Angebote. Kardiovaskuläre und Krebserkrankungen würden unnötig spät erkannt, für beide Krankheitsgruppen sei die Mortalitätsrate erheblich gestiegen, so Gucek.

Darüber hinaus verwies die UEMO-Vizepräsidentin darauf, dass man sich überall in Europa bemühe, den ärztlichen Nachwuchs früh an die Allgemeinmedizin heranzuführen. Auch in ihrem Herkunftsland, Slowenien, habe man ein eigenes Programm dafür entwickelt. An ihrer Heimatuniversität Ljubljana werden Studierende bereits im ersten Jahr durch einen erfahrenen Lehrer für mehrere Wochen in die Patientenversorgung mit einbezogen, dies wiederholt sich im dritten und sechsten Jahr der Ausbildung.

Wer sich trotz aller Begeisterung am Ende gegen die Allgemeinmedizin entscheidet, hat nach Guceks Erläuterungen andere Gründe als vielleicht vermutet: Bei Befragungen hatten die Studierenden als ersten Grund ihrer Entscheidung angegeben, das Fach werde von anderen medizinischen Disziplinen nicht anerkannt. Als nächstes folgte die Sorge vor Überlastung im Berufsalltag, die die UEMO-Vizepräsidentin angesichts des Mangels an Allgemeinärzten in ihrem Heimatland als nachvollziehbar bezeichnete. Erst als dritter Grund wurden schlechtere Verdienstmöglichkeiten als in anderen Fächern genannt. © Rie/aerzteblatt.de

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