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Politik

Stress beginnt schon im Grundschulalter

Mittwoch, 21. November 2012

dapd

Berlin – Stress schon in der Grundschule: Bereits Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren leiden offenbar unter Leistungsdruck. Ein Viertel der Zweit- und Drittklässler fühlen sich häufig gestresst, wie die am Mittwoch in Berlin vorgestellte repräsentative Kindergesundheitsstudie des Instituts für Sozialforschung PROKIDS und des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) ergab. Besonders oft nannten die befragten Kinder die Schule als Auslöser.

Insgesamt hätten ein Drittel der jungen Teilnehmer Aspekte aus dem Schulalltag als Stressfaktoren angegeben, sagte die Studienleiterin Anja Beisenkamp. Dazu zählten etwa Hausaufgaben oder Tests. An zweiter Stelle folgten Ärger und Streit. Dies belastete 21 Prozent der Befragten. „Mädchen fühlen sich durch Streit mit anderen viel häufiger gestresst als Jungs“, erläuterte Beisenkamp. Am dritthäufigsten wurden Familie, Eltern und Geschwister genannt.

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Für die Studie wurden den Angaben nach im Sommer 2011 fast 5.000 Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren aus elf Bundesländern befragt. Die Schulkinder erhielten dazu Fragebögen, die sie anonym ausfüllen sollten. Nicht teilgenommen haben die Bundesländer Bayern, Bremen, Hamburg, Thüringen und das Saarland.

Acht Prozent der Kinder gehen ohne Frühstück in die Schule
Während die Schule als Stressfaktor in nahezu allen teilnehmenden Bundesländern am häufigsten genannt wurde, litten die Kinder in Berlin stärker unter Ärger und Streit. Die Schule wurde dort erst an dritter Stelle genannt. Was der Grund dafür ist, blieb unklar. Die Ursachen seien in dieser Studie noch nicht analysiert worden, sagte Beisenkamp.
DKSB-Sprecher Friedhelm Güthoff kritisierte, dass in Deutschland meist schon in der vierten Klasse entschieden werde, auf welche weiterführende Schulart Kinder nach der Grundschule gehen sollen: „Sie kommen unter Druck, sie haben Angst vor Ausgrenzung, Angst, nicht mithalten zu können.“

Die Studie ergab weiter, dass schon Kinder im Grundschulalter ein ausgeprägtes Gesundheitsverständnis haben. So gaben etwa 90 Prozent der Befragten an, eine gesunde Ernährung und Bewegung seien wichtig. Allerdings schrieben acht Prozent der Kinder, sie erhielten nie ein Frühstück vor Schulbeginn. Sogar zehn Prozent der Schüler gaben an, sie bekämen nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit.

Der Arzt und Autor Dietrich Grönemeyer warnte, Kinder, die ohne Frühstück in den Unterricht müssten, seien unkonzentrierter, nervöser und bekämen Heißhunger. Stillten sie diesen mit Süßigkeiten, könnten sie zu dick werden. Er forderte unter anderem Gesundheitsunterricht an Schulen von Ärzten oder Krankenschwestern. © dapd/aerzteblatt.de

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Vromi
am Mittwoch, 21. November 2012, 22:31

Stress beginnt sogar schon im Säuglings- und frühen Kleinkindalter

Offenbar wundert man sich im Institut für Sozialforschung, daß der Stress in unserer Gesellschaft bereits im Grundschulalter beginnt. In Wirklichkeit beginnt er bereits viel früher, nämlich im Säuglings- und frühen Kleinkindalter, begünstigt durch die frühzeitige Krippenbetreuung junger Säuglinge und junger Kleinkinder. Dies führt häufig zu Problemen bei der emotionalen Entwicklung einschließlich der Entwicklung des "Urvertrauens". Diese von großen Teilen der Politik und Wirtschaft gewünschte Art der Betreuung ist aus der Sicht der Evolution (die weder in Jahren noch in Jahrzehnten mißt) eine "neuartige" Betreuung. Säuglinge und junge Kleinkinder sind auf die frühzeitige Trennung von den Eltern, insbesondere von der Mutter "entwicklungsbiologisch" nicht eingetellt. Dies führt zu Stress mit möglichen Langzeitproblemen, meßbar etwa durch eine erhöhte Cortisol-Konzentration im Speichel (vgl. z.B. Vermeer HJ und van Ijzendoorn (2006): Children´s elevated cortisol levels at daycare:
A review and meta-analysis. Early Childhood Research Quarterly 21, 390-401, Übersicht z.B. bei R. Böhm: Auswirkungen frühkindlicher Gruppenbetreuung auf die Entwicklung und Gesundheit von Kindern. Kinderärztliche Praxis 2011;82 (5), 316-321).
LNS

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