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Medizin

CDP-Cholin ohne Wirkung bei Schlaganfall und Schädelhirntrauma

Mittwoch, 21. November 2012

Barcelona/Boston – CDP-Cholin, ein Zwischenprodukt im Neurotransmitter- und Zellmem­branstoffwechsel, hat erneut in einer klinischen Studie enttäuscht. Nachdem sich der Wirkstoff, der in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben wird, beim Schlag­anfall als ineffektiv erwiesen hat, konnte jetzt auch die Situation von Patienten mit Schädelhirntrauma nicht verbessert werden.

CDP-Cholin, auch Citicolin genannt, ist ein Zwischenprodukt in der Synthese von Phos­phat­idylcholin aus Cholin. Cholin wird im Gehirn zur Herstellung des Neurotransmitters Acetylcholin und der essenziellen Membranbestandteile Phosphatidylcholin und Sphingo­myelin benötigt. CDP-Cholin könnte damit wichtige Baustoffe für die Regeneration von Nervenfasern nach einer Hirnverletzung zur Verfügung stellen. Im Tiermodell hat CDP-Cholin wiederholt die Reparaturvorgänge nach Hirnverletzungen gefördert. Beim Schlaganfall wurden auch in ersten klinischen Studien vielversprechende Ergebnisse erzielt. Eine Meta-Analyse attestierte CDP-Cholin eine moderate Wirkung.

Doch in der „International Citicoline Trial on acUte Stroke“ oder ICTUS-Studie wurden die Erwartungen nicht erfüllt. An 59 Zentren in Spanien, Portugal und Deutschland waren 2.298 Patienten mit einem mittelschweren bis schweren Schlaganfall – soweit indiziert zusätzlich zur Lysetherapie – über 6 Wochen mit CDP-Cholin (2000mg/die) oder Placebo behandelt worden. Doch wie Antoni Dávalos vom Hospital Germans Trias i Pujol in Barcelona kürzlich im Lancet (2012; 380: 349–57) berichtete, kam es nicht zu einer beschleunigten Erholung der Patienten in einem Composite aus NIHSS-Score, modifiziertem Rankin-Score und Barthel Index.

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Jetzt liegen die Ergebnisse einer parallelen Studie zum Schädelhirntrauma vor. Am „Citicoline Brain Injury Treatment Trial“ (COBRIT) hatten an 8 US-Behandlungszentren 1.213 Patienten mit einem geschlossenen Schädelhirntrauma unterschiedlicher Schweregrade teilgenommen. Sie waren über 90 Tage mit CDP-Cholin (2000mg/die) oder Placebo behandelt worden. Wie Ross Zafonte von der Harvard Medical School in Boston und Mitarbeiter im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 308: 1993-2000) berichten, gab es nach 90 Tagen keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.

Eine Verbesserung im Glasgow Outcome Scale-Extended wurde unter CDP-Cholin bei 35,4 Prozent der Patienten und unter Placebo bei 35,6 Prozent der Patienten erzielt. In den anderen Bewertungsskalen schwankten die Verbesserungen unter CDP-Cholin zwischen 37,3 und 86,5 Prozent und unter Placebo zwischen 42,7 und 84,0 Prozent. Auch bei einer weiteren Untersuchung nach 180 Tagen konnten Zafonte und Mitarbeiter keine signifikanten Unterschiede feststellen.

Einzig in der Untergruppe der Patienten mit mittelschwerem bis schwerem Schädelhirntrauma war ein gewisser Vorteil für CDP-Cholin in der Sterberate (12,2 versus 16,8 Prozent) erkennbar, der aber das Signifikanzniveau nicht erreichte. Auch im Vorfeld von CORBIT hatte es eine Reihe von 18 randomisierten klinischen Studien gegeben, die laut Zafonte aber zu zwei Drittel negativ ausgingen.

Der Editorialist Robert Ruff von der Case Western Reserve University in Cleveland geht deshalb davon aus, dass die Monotherapie mit CDP-Cholin bei Hirnverletzungen keine Zukunft hat. Da der Wirkstoff jedoch sehr gut verträglich ist und ein Nutzen biologisch plausibel, dürfte CDP-Cholin in zukünftigen Studien im Rahmen von Kombinations­therapie weiter evaluiert werden. CDP-Cholin wird in Deutschland als Ceraxon® über Apotheken angeboten. © rme/aerzteblatt.de

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