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Ausland

Polens Kirche gegen Regierungsplan für künstliche Befruchtung

Donnerstag, 22. November 2012

Warschau – Polens katholische Bischöfe halten die geplante Regierungsverordnung zur staatlichen Finanzierung von künstlicher Befruchtung für unzulässig. Der Danziger Erzbischof Slawoj Leszek Glodz schloss gestern nach einer Sitzung der Gemeinsamen Kommission von Regierung und Bischofskonferenz nicht aus, dass die Angelegenheit vor dem Verfassungsgericht landet. Eine solche Regelung dürfe das Ge­sund­heits­mi­nis­terium nicht am Parlament vorbei per Verordnung einführen. „Das ist Willkür“, so Glodz.

Der für Religionsangelegenheiten zuständige Minister Michal Boni erklärte, wenn die Verfassung unterschiedlich interpretiert werde, müsse das höchste Gericht entscheiden. „Wir sind ein demokratisches Land.“ Glodz und Boni sind Co-Vorsitzende der Gemeinsamen Kommission, in der Regierung und katholische Kirche politische Fragen besprechen.

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Der rechtsliberale Ministerpräsident Donald Tusk hatte Ende Oktober angekündigt, ab Juli 2013 wolle der Staat künstliche Befruchtungen mit Zuschüssen in Höhe von 70 bis 80 Prozent der Kosten fördern. Die Hilfe für bis zu drei derartige Behandlungen sollten auch Unverheiratete erhalten. Leistungsberechtigt seien Frauen im Alter von 18 bis 40 Jahren, die ein Jahr lang ergebnislos andere Behandlungen versucht hätten. Die Regierung schätzt, dass von dem mehr als 60 Millionen Euro teuren Programm in den ersten drei Jahren 15.000 Paare profitieren werden.

Trotz jahrelanger Debatte ist künstliche Befruchtung in Polen bislang nicht gesetzlich geregelt. Sie wird seit 25 Jahren ohne Einschränkungen praktiziert, aber nicht öffentlich finanziert. Die Parlamentsfraktion der regierenden „Bürgerplattform“ streitet über Auflagen für den Embryonenschutz. Deshalb will die Regierung die staatliche Finanzierung der In-vitro-Fertilisation nun per Verordnung durchsetzen.

Die katholischen Bischöfe des Landes und konservative Oppositionsparteien hatten mehrfach ein Verbot künstlicher Befruchtung gefordert. Sie sei die „jüngere Schwester der Eugenik“ und wecke die „schlimmsten Erinnerungen aus nicht so ferner Vergangenheit“, mahnte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Jozef Michalik. Er verwies auf die bei dem Verfahren übliche Selektion von im Reagenzglas erzeugten Embryonen vor der Einpflanzung in den Mutterleib. Einer Umfrage zufolge sind 79 Prozent der Polen für die Zulassung der künstlichen Befruchtung. Nur 16 Prozent sind dagegen. © kna/aerzteblatt.de

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