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Medizin

Blinder liest Braille mit Retina-Implantat

Donnerstag, 22. November 2012

Paris – Ein Franzose, der aufgrund einer Retinitis pigmentosa komplett erblindet ist, kann mit Hilfe einer Retina-Prothese die Blindenschrift entziffern. Laut einem Bericht in Frontiers in Neuroprosthetics (2012; doi: 10.3389/fnins.2012.00168) kann der Patient kurze Worte relativ „flüssig“ erkennen.

„Argus II“ gehört zu einer Reihe von Retina-Prothesen, die blinden Menschen ein minimales Sehen ermöglichen sollen. Das Modell des Herstellers Second Sight aus Sylmar bei Los Angeles wird in einem operativen Eingriff auf der Retina platziert. Er enthält 60 kleine Elektroden die einzeln angesteuert elektrische Impulse auf die Netzhaut abgeben, die dann über den Sehnerven in den visuellen Cortex weiter geleitet werden. Die Signale erhält „Argus II“ drahtlos von einem Steuergerät. Es reduziert die Aufnahme einer Video-Kamera, die an der Brille befestigt ist, auf eine Auflösung von 60 Pixeln.

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Die Blindenschrift Braille benötigt nur 6 Pixel. Sie entsprechen den einzelnen Punkten, mit denen die Buchstaben und einzelne Symbole kodiert werden. Normalerweise werden sie mit den Fingern ertastet. Dem nicht namentlich genannten Patienten wurden die Punkte der Brailleschrift jetzt als elektrische Signale auf die Retina gesendet. Nach ein wenig Übung konnte er 89 Prozent der Buchstaben korrekt benennen.

Wörter aus zwei Buchstaben wurden zu 80 Prozent, Wörter aus drei Buchstaben zu 60 Prozent und Wörter aus vier Buchstaben zu 70 Prozent richtig erkannt, berichtet Thomas Lauritzen vom Hersteller Second Sight. Das dürfte noch zu wenig sein, um Texte flüssig zu lesen. Die Hersteller sind aber zuversichtlich, dass die Ergebnisse sich noch verbessern lassen, zumal die meisten Fehler durch die Fehlinterpretation einzelner Punkte entstanden.

Langfristig könnte die Retina-Prothese zu einer Alternative für die derzeitigen Lesegeräte werden, hofft Lauritzen. Im Idealfall würde der Patient die Texte mit einem Scanner in das Steuergerät laden, das diese an als Braille-Signale an die Retina-Prothese weiter leitet.

Auch die subretinalen Netzhautimplantate des Herstellers Retina Implant aus Reutlingen ermöglichen es den Patienten einzelne Buchstaben zu erkennen. Die deutsche Arbeitsgruppe setzt darauf, dass die Patienten die anspruchsvollere Aufgabe meistern und Druckbuchstaben entziffern können. © rme/aerzteblatt.de

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