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Ärzteschaft

BÄK warnt vor zusätzlicher Bürokratie bei der Substitutions­therapie

Freitag, 23. November 2012

dapd

Berlin – Die Pläne des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) für eine Änderung der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung könnten für die Ärztekammern einen „unverhältnismäßigen bürokratischen Aufwand“ bei der Substitutionstherapie bedeuten. „Die angedachten Änderungen würden nicht nur zu einer unverhältnismäßigen Ausweitung des bislang meldenden Kreises substituierender Ärzte führen, sondern auch enorme praktische Probleme der medizinischen Versorgung Opiatabhängiger nach sich ziehen, die nicht gewollt sein können“, kritisiert die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) in einer Stellungnahme zu dem Entwurf.

Ärzte, die Substitutionsmittel verschreiben, sind verpflichtet, die von ihnen substituierten Patienten bei der Bundesopiumstelle des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizin­produkte (BfArM) an- beziehungsweise abzumelden. Zudem müssen die Ärztekammern dem BfArM Namen und Adressen der Ärzte melden, die die Mindest­anforderungen für die substitutionsgestützte Behandlung erfüllen.

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Ein Klinikarzt hingegen, der über den Stationsbedarf überbrückend substituiert und nicht über eine suchttherapeutische Qualifikation verfügt, muss bislang weder durch die Ärztekammer gemeldet sein, noch ist dieser verpflichtet, seine substituierten Patienten beim Substitutionsregister an- und abzumelden.

Das soll sich nach Überlegungen des Ministeriums ändern: Damit würde die Meldepflicht künftig auch für solche Ärzte gelten, die im Krankenhaus opiatabhängige Patienten mit Substitutionsmitteln aus dem Stationsbestand versorgen. Darüber hinaus soll das Bundesinstitut künftig von den Ärztekammern verlangen können, alle Ärzte mit einer suchtmedizinischen Zusatzqualifikation mit aktualisierten Datenangaben zu melden.

Versorgung Opiatabhängiger könnte schwerer werden
Besonders problematisch ist laut der BÄK die vorgesehene Meldepflicht bei der über­brückenden Substitutionsbehandlung durch Klinikärzte, die zu einem bürokratischen Mehraufwand für ambulant und stationär arbeitende Ärzte führen würde. Zudem könnte die Neuregelung zur Folge haben, dass künftig auch Krankenhausärzte für die stationäre Behandlung mit Substitutionsmitteln eine suchtmedizinische Qualifikation nachweisen müssten. Dies würde den Zugang Opiatabhängiger zur stationären Versorgung deutlich erschweren, warnte die BÄK.

„Insbesondere in Anbetracht der bereits im ambulanten Bereich schwieriger werdenden Versorgungssituation sollte dringend vermieden werden, nun auch noch zusätzliche Behandlungsbarrieren im stationären Versorgungsbereich aufzubauen, so dass von der angedachten Änderung des Meldeverfahrens wieder Abstand genommen werden sollte“, heißt es in der Stellungnahme. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #112726
woewe
am Samstag, 24. November 2012, 19:17

Erklärung der bayerischen Substitutionsärzte 2012

In Bayern, besonders Niederbayern existiert ein Substitutionsverbot durch die Hintertür, man lese die "Erklärung der bayerischen Substitutionsärzte 2012":

"Eine Ärztin in Niederbayern wurde ohne Verhandlung zu 150 Tagessätzen a 100 Euro verurteilt, weil sie gegen die BtmVV verstoßen habe....
11 Ärzte in Niederbayern haben daraufhin erklärt, die Substitution zum 31.12.2012 zu beenden, ..."
Avatar #111295
Dark-Prinzess
am Freitag, 23. November 2012, 23:35

Es wird immer schlimmer@Thelber

Auch das noch!
Ist jetzt nicht so mein Spezi,aber doch bereits gehört....
Erst großer und nötiger Aufriß!
Und das wars dann:im Ergebnis und noch schlimmer?Na"PRIMA"....
Avatar #98372
Thelber
am Freitag, 23. November 2012, 23:15

Es wird immer schlimmer ....

... wie hier die Kollegen gegängelt werden, die sich dieser hoch problematischen und schwierig zu behandelnden Patienten annehmen !!

Wir in der Gernznähe zu Frankreich können unsere Patienten wenigsten nach Frankreich schicken - dort sind die ärztlichen Kollegen erheblich freier in der Wahl und insbesondere Durchführungskontrolle ihrer Therapie durch staatliche Organe !! Und das im zentralistischen Frankreich !!
LNS

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