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CIRS: „Ein schwieriger Entwicklungsprozess, aber er lohnt sich“

Dienstag, 27. November 2012

Berlin – Der Präsident der Ärztekammer Berlin, Günther Jonitz, hat kritisiert, dass Kranken­kassen bislang nicht die Kosten für Beinahe-Fehlermeldesysteme wie das Critical Incident Reporting System (CIRS) übernehmen. „Krankenkassen bezahlen neue Arzneimittel und neue Medizinprodukte. Sie verweigern sich aber dem Umstand, dass Investitionen in Abläufe und Menschen bessere Effekte erzielen können“, sagte Jonitz heute in Berlin.

Seit vier Jahren existiert das klinikübergreifende CIRS-Berlin, an dem sich derzeit zehn Krankenhäuser mit 20 Standorten beteiligen. Von den 1.200 internen CIRS-Berichten wurden dabei etwa 200 an CIRS-Berlin weitergeleitet, wie dessen Leiterin Barbara Hoffmann erklärte. Die Hälfte sei von Ärzten verfasst worden, die andere Hälfte von Pflegekräften. Die anonymisierten Berichte würden dann zusammen mit Vertretern der beteiligten Kliniken analysiert. „Wir versuchen herauszufinden, aus welchen Berichten man etwas lernen kann, und geben Tipps, wie die Kliniken und ihre Mitarbeiter ähnliche Fehler künftig vermeiden können“, so Hoffmann.

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Eine der beteiligten Kliniken sei vor zwei Jahren ausgeschieden, weil sie infolge der derzeitigen Arbeitsverdichtung keine Kapazitäten mehr gehabt habe. „Wenn es keine Unterstützung für die Kliniken gibt, müssen wir befürchten, dass noch mehr ausfallen“, sagte Hoffmann. „Es wäre deshalb wichtig, wenn Kliniken im Rahmen des Patienten­rechtegesetzes eine gezielte Unterstützung bekämen, um Mitarbeiter, die sich mit CIRS befassen, zu finanzieren.“ Im Gesetzentwurf ist bislang vorgesehen, dass der Gemein­same Bundes­aus­schuss Kriterien festlegen muss, die einrichtungsübergreifende Fehlermeldesysteme erfüllen müssen, damit teilnehmende Krankenhäuser Vergütungs­zuschläge erhalten.  

Heute würden Mitarbeiter, die sich um CIRS kümmern, höchstens für ein paar Stunden freigestellt; ansonsten sei es meist eine ehrenamtliche Aufgabe, wie die Leiterin Zentrales Qualitätsmanagement der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Sibylle Semmler, berichtete.

Das Besondere am Berliner CIRS-Verbund sei, dass Krankenhäuser, die in Konkurrenz zueinander stehen, zusammenarbeiteten, um die Patientensicherheit zu erhöhen, sagte Christian Thomeczek, Geschäftsführer des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ), das CIRS-Berlin zusammen mit der Ärztekammer Berlin und anderen betreibt. Ein vergleichbares Netzwerk gebe es derzeit nur noch in Nordrhein-Westfalen.

Sicherheitskultur ohne Angst
„Wir haben das Thema Patientensicherheit aus der Schmuddelecke herausgeholt“, betonte Ärztekammer-Präsident Jonitz. Ziel von CIRS sei es, eine neue Sicherheitskultur zu schaffen und eine Atmosphäre, in der niemand mehr Angst haben müsse, über Beinahe-Fehler zu reden. Deutschland sei dabei das einzige Land, in dem Beinahe-Fehlermeldesysteme von der Ärzteschaft implementiert worden seien. Aus anderen Ländern sei hingegen oft zu hören, dass solche Systeme von Ärzten schlecht akzeptiert würden.

Die Eingabe von CIRS-Berichten in den Berliner Kliniken ist in den vergangenen vier Jahren etwa gleich geblieben. „In manchen Kliniken gibt es mehr Berichte, in anderen weniger“, sagte Hoffmann. ÄZQ-Geschäftsführer Thomeczek glaubt, dass Krankenhäuser künftig vermehrt CIRS-Systeme einführen werden. Denn die Haftpflichtversicherungen würden neue Verträge häufig nur unterschreiben, wenn die Häuser Qualitätsmanagementsysteme wie CIRS implementiert hätten.

Im Alltag sei es schwierig, die Mitarbeiter beständig dazu zu motivieren, CIRS-Berichte zu schreiben, berichtete der Leiter Qualitätsmanagement der Havelklinik Berlin, Volker Hartmann. Grundsätzlich sei es den Kollegen klar, dass Berichte über Beinahe-Fehler sehr sinnvoll seien. Aber im Arbeitsalltag müssten sich die Mitarbeiter erst daran gewöhnen, CIRS zu nutzen. „Es ist ein schwieriger und langsamer Entwicklungsprozess“, so Hartmann. „Aber es lohnt sich.“ © CA/fos/aerzteblatt.de

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