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Medizin

Vorhofflimmern: Digoxin könnte Sterberisiko erhöhen

Mittwoch, 28. November 2012

Lexington/Kentucky – Der Einsatz von Digoxin zur Frequenzkontrolle bei Patienten mit Vorhofflimmern ist nicht ohne Risiken. Eine Studie im European Heart Journal (2012; doi: 10.1093/eurheartj/ehs348) deutet ein deutlich erhöhtes Sterberisiko an, deren Ursache allerdings offen bleibt.

Da Antiarrhythmika beim Vorhofflimmern nur selten einen Sinusrhythmus erreichen und schwere Nebenwirkungen haben können, begnügen sich Kardiologen heute häufig mit einer Frequenzkontrolle. Das Ziel ist eine Senkung der Herzrate auf ein verträgliches Maß. Dabei hat sich Digoxin bewährt. In der AFFIRM-Studie von 2002, die dem Prinzip der Frequenzkontrolle zum Durchbruch verholfen hat, war Digoxin neben Betablockern und vor Kalziumantagonisten der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff, um das anspruchsvolle Ziel eine Herzfrequenz von unter 80 pro Minute in Ruhe zu erreichen.

Die Dosierung wurde den Ärzten überlassen. Serumkontrollen waren nicht vorgeschrieben. Deshalb kann Samy Claude Elayi vom Gill Heart Institute in Lexington/Kentucky leider nicht klären, ob Überdosierungen des Herzglykosids, das bekanntlich eine geringe therapeutische Breite hat, für die erhöhte Sterblichkeit verantwortlich ist, die Elayi jetzt in einer Post-Hoc-Analyse entdeckt hat.

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Während der bis zu 6-jährigen Nachbeobachtung starben 666 von 4.060 Teilnehmern der AFFIRM-Studie. Von ihnen waren 375 mit Digoxin behandelt worden. Elayi ermittelt einen Anstieg der Gesamtsterblichkeit um 41 Prozent, der Sterblichkeit an Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen um 35 Prozent und der Todesfälle an kardialen Arrhythmien um 61 Prozent. Die Assoziationen waren signifikant und sie bestanden gleichermaßen bei Patienten mit und ohne begleitende Herzinsuffizienz. Herzglykoside sind ein bewährtes Mittel zur symptomatischen Therapie der Herzinsuffizienz (allerdings ohne die Prognose der Patienten zu verbessern).

Die Ergebnisse sind auch klinisch relevant: Laut Elayi kommt es während fünf Jahren Therapie auf sechs Patienten, die mit Digoxin behandelt werden, ein zusätzlicher Todesfall. Bei den kardiovaskulären Todesfällen ist es einer auf acht Patienten und bei den Todesfällen durch Arrhythmien ist es einer von 16 Patienten.

Da es sich um eine Post-Hoc-Analyse handelt und die Patienten in der Studie nicht auf Digoxin oder andere Wirkstoffe randomisiert wurden, kann Elayi nicht sicher beweisen, dass der Wirkstoff für die Todesfälle verantwortlich ist. Leider fehlen Angaben zur Dosierung und zur Nierenfunktion der Patienten. Da Digoxin renal eliminiert wird, kann eine Nierenschwäche schnell zu einer Überdosierung führen.

Ob die Überdosierung Ursache der Todesfälle ist, bleibt allerdings spekulativ. Klärung könnte nur eine randomisierte Studie speziell zum Einsatz des Glykosids zur Frequenz­kontrolle schaffen. Glykoside sind in randomisierten Studien bisher nur an Patienten mit Herzinsuffizienz untersucht worden. Und dort waren laut Elayi Patienten mit Vorhof­flimmern routinemäßig ausgeschlossen worden. © rme/aerzteblatt.de

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