NewsMedizinVorhofflimmern: Digoxin könnte Sterberisiko erhöhen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Vorhofflimmern: Digoxin könnte Sterberisiko erhöhen

Mittwoch, 28. November 2012

Lexington/Kentucky – Der Einsatz von Digoxin zur Frequenzkontrolle bei Patienten mit Vorhofflimmern ist nicht ohne Risiken. Eine Studie im European Heart Journal (2012; doi: 10.1093/eurheartj/ehs348) deutet ein deutlich erhöhtes Sterberisiko an, deren Ursache allerdings offen bleibt.

Da Antiarrhythmika beim Vorhofflimmern nur selten einen Sinusrhythmus erreichen und schwere Nebenwirkungen haben können, begnügen sich Kardiologen heute häufig mit einer Frequenzkontrolle. Das Ziel ist eine Senkung der Herzrate auf ein verträgliches Maß. Dabei hat sich Digoxin bewährt. In der AFFIRM-Studie von 2002, die dem Prinzip der Frequenzkontrolle zum Durchbruch verholfen hat, war Digoxin neben Betablockern und vor Kalziumantagonisten der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff, um das anspruchsvolle Ziel eine Herzfrequenz von unter 80 pro Minute in Ruhe zu erreichen.

Die Dosierung wurde den Ärzten überlassen. Serumkontrollen waren nicht vorgeschrieben. Deshalb kann Samy Claude Elayi vom Gill Heart Institute in Lexington/Kentucky leider nicht klären, ob Überdosierungen des Herzglykosids, das bekanntlich eine geringe therapeutische Breite hat, für die erhöhte Sterblichkeit verantwortlich ist, die Elayi jetzt in einer Post-Hoc-Analyse entdeckt hat.

Anzeige

Während der bis zu 6-jährigen Nachbeobachtung starben 666 von 4.060 Teilnehmern der AFFIRM-Studie. Von ihnen waren 375 mit Digoxin behandelt worden. Elayi ermittelt einen Anstieg der Gesamtsterblichkeit um 41 Prozent, der Sterblichkeit an Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen um 35 Prozent und der Todesfälle an kardialen Arrhythmien um 61 Prozent. Die Assoziationen waren signifikant und sie bestanden gleichermaßen bei Patienten mit und ohne begleitende Herzinsuffizienz. Herzglykoside sind ein bewährtes Mittel zur symptomatischen Therapie der Herzinsuffizienz (allerdings ohne die Prognose der Patienten zu verbessern).

Die Ergebnisse sind auch klinisch relevant: Laut Elayi kommt es während fünf Jahren Therapie auf sechs Patienten, die mit Digoxin behandelt werden, ein zusätzlicher Todesfall. Bei den kardiovaskulären Todesfällen ist es einer auf acht Patienten und bei den Todesfällen durch Arrhythmien ist es einer von 16 Patienten.

Da es sich um eine Post-Hoc-Analyse handelt und die Patienten in der Studie nicht auf Digoxin oder andere Wirkstoffe randomisiert wurden, kann Elayi nicht sicher beweisen, dass der Wirkstoff für die Todesfälle verantwortlich ist. Leider fehlen Angaben zur Dosierung und zur Nierenfunktion der Patienten. Da Digoxin renal eliminiert wird, kann eine Nierenschwäche schnell zu einer Überdosierung führen.

Ob die Überdosierung Ursache der Todesfälle ist, bleibt allerdings spekulativ. Klärung könnte nur eine randomisierte Studie speziell zum Einsatz des Glykosids zur Frequenz­kontrolle schaffen. Glykoside sind in randomisierten Studien bisher nur an Patienten mit Herzinsuffizienz untersucht worden. Und dort waren laut Elayi Patienten mit Vorhof­flimmern routinemäßig ausgeschlossen worden. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

6. August 2019
Rochester/Minnesota – Das neuronale Netzwerk eines Computers, das mit Abertausenden klinischer Befunde gefüttert wurde, sieht auf einem 10 Sekunden langen Streifen eines 12-Kanal-EKGs mehr als das
Künstliche Intelligenz erkennt Neigung zum Vorhofflimmern im 10-Sekunden-EKG
25. Juli 2019
Cleveland – Anders als bislang angenommen ist offenbar nicht nur intensiver Ausdauersport wie das Absolvieren von Marathons mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern assoziiert, sondern auch
Erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern auch bei kraftbetontem Leistungssport
24. Juli 2019
München – Die Konzentration des Proteins MYBPHL im Blut könnte Auskunft darüber geben, wie ausgeprägt nach einer Kryo- oder Radiofrequenzablation eines Vorhofflimmerns die Verletzungen an den Vorhöfen
Marker zeigt bei Vorhofflimmern Schäden durch Ablationstherapie an
5. Juni 2019
Alabama/Birmingham – Auffallend viele Patienten, die sich wegen einer Aortenklappenstenose einer Operation oder der Katheterbehandlung TAVI unterziehen, entwickeln ein Vorhofflimmern, das nach einer
Aortenstenose: Vorhofflimmern auch nach TAVI häufig
5. Juni 2019
New Haven/Connecticut – Negative Emotionen wie Traurigkeit, Wut, Angst, Stress oder Ungeduld können bei anfälligen Menschen ein Vorhofflimmern auslösen. Patienten, die aus anderen Gründen mit einem
Betablocker schützen vor stressinduziertem Vorhofflimmern
25. März 2019
Maastricht – Bei Patienten, die wegen eines symptomatischen Vorhofflimmerns die Notfallaufnahme einer Klinik aufsuchen, ist nicht unbedingt eine sofortige Kardioversion erforderlich. Eine
Symptomatisches Vorhofflimmern in der Notfallaufnahme erfordert keine sofortige Kardioversion
20. März 2019
Durham/North Carolina – Für Patienten, die aufgrund eines Vorhofflimmerns bereits mit oralen Antikoagulanzien behandelt werden, stellt sich nach einem koronaren Ereignis und einer Stentimplantation
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER