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Medizin

NSAID und Aspirin schützen vor Leberkrebs

Freitag, 30. November 2012

dpa

Bethesda – Patienten, die langfristig nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID) einnahmen, erkrankten in einer prospektiven Beobachtungsstudie im Journal of the National Cancer Institute (2012; doi: 10.1093/jnci/djs452) seltener an einem hepatozellulären Karzinom. Für Acetylsalicylsäure (ASS) war auch eine niedrigere Sterberate an chronischen Lebererkrankungen nachweisbar.

Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist die Folge einer chronischen Leberentzündung, der Hepatitis. ASS und NSAID können zwar die bekannten Ursachen (Hepatitis-Viren, Alkohol und vielleicht auch Adipositas und Diabetes) nicht abstellen, sie mildern aber unter Umständen die Entzündungsreaktion, so dass die Ergebnisse von Vikrant Sahasrabuddhe durchaus biologisch plausibel sind.

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Der Epidemiologe am US-National Cancer Institute in Bethesda/Maryland hat die Daten der NIH-AARP Diet and Health Study ausgewertet, die seit Mitte der 90er Jahre mehr als eine halbe Million US-Amerikaner im Alter von 50 bis 71 Jahren regelmäßig befragt. 300.504 Männer und Frauen hatten in den Fragebögen Angaben zur Einnahme von ASS oder NSAID gemacht. Sahasrabuddhe glich die Ergebnisse mit den Einträgen in Krebsregistern ab. In den ersten 10 bis 12 Jahren kam es zu 250 Neuerkrankungen am HCC und zu 428 Todesfällen am chronischen Leberversagen (CLD).

Für die Teilnehmer, die regelmäßig ASS einnehmen, ermittelte Sahasrabuddhe ein um 41 Prozent vermindertes Erkrankungsrisiko auf ein HCC und ein um 45 Prozent vermindertes Sterberisiko am CLD. Die anderen NSAID senkten nur das CLD-Sterberisiko um 26 Prozent. Ein signifikanter Einfluss auf das HCC-Risiko war nicht nachweisbar.

Die Ergebnisse stützen die Hypothese des britischen Epidemiologen Peter Rothwell, Universität Oxford, der ebenfalls eine primärpräventive Wirkung von ASS gegen Krebser­krankungen vermutet und jüngst durch eine Meta-Analyse belegen konnte (Lancet 2012; 379: 1602-1612). Rothwell und Sahasrabuddhe lassen jedoch offen, ob die mögliche Krebsprävention durch ASS (und vielleicht auch durch NSAID) sich günstig auf die Gesamtsterblichkeit auswirkt. Hier könnten die Vorteile der verminderten krebsspezifischen Mortalität durch ASS-Einnahme durch das erhöhte Risiko von gastrointestinalen Blutungen aufgehoben werden.

Beim HCC kommt hinzu, dass der Krebs durch andere Maßnahmen in hohem Maße vermeidbar ist. Gegen Hepatitis B gibt es einen wirksamen Impfstoff, eine Hepatitis C kann heute häufig erfolgreich therapiert werden. Weitere präventive Maßnahmen sind die Vermeidung von übermäßigem Alkoholkonsum und Adipositas, was den Stellenwert einer Chemoprävention mit ASS, selbst wenn sie das Sterberisiko tatsächlich senken sollte, einschränkt. © rme/aerzteblatt.de

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