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Politik

Weltaidstag: Vorurteile gegen Menschen mit HIV abbauen

Freitag, 30. November 2012

dapd

Berlin – Zum Weltaidstag am Samstag haben Politiker und Hilfsorganisationen für eine größere Akzeptanz HIV-positiver Menschen geworben. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) rief gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der Deutschen Aids-Hilfe und der Deutschen Aids-Stiftung zum Abbau von Benachteiligungen HIV-Erkrankter im Arbeitsleben auf. Er warb dafür, das Thema HIV und Aids in der deutschen Unternehmenskultur zu verankern und Vorurteile abzubauen.

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, mahnte die Bundesregierung, in der Finanzkrise nicht die Aids-Bekämpfung zu vernachlässigen. Das Aktionsbündnis gegen Aids forderte die Bundesregierung auf, „einen fairen Beitrag für die internationale Überwindung von HIV und Aids“ zu leisten. „Um die notwendigen Maßnahmen in den Entwicklungsländern zu finanzieren, müssen pro Jahr Finanzmittel in Höhe von 22 bis 24 Milliarden Dollar aufgebracht werden“, sagte Bündnis-Sprecherin Sylvia Urban. Statt an der Entwicklungszusammenarbeit zu sparen, müsse Deutschland seine bisherigen Anstrengungen verstärken.

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Nach Ansicht des Malteser Hilfsdienstes sind für ein selbstbestimmtes Leben HIV-infi­zierter Menschen „medizinische Behandlung, Ernährungssicherheit, Einkommen und soziale Integration“ die wichtigsten Voraussetzungen. Um die Aids-Epidemie zu besiegen, müssten alle HIV-positiven Menschen Zugang zu HIV-Tests und Medikamenten haben, forderte auch die Gemeinschaft Sant´Egidio.

Der Deutsche Ärztinnenbund wies darauf hin, dass Frauen weltweit keinen aus­reichenden Zugang zu Prävention und Aids-Behandlung hätten. Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) und die Bundesagentur für Arbeit wollen zukünftig im Kampf gegen Diskrimi­nierung von Menschen mit HIV kooperieren. Ziel ist es, den Umgang mit HIV-Positiven offen zu thematisieren, zu sensibilisieren und damit die Beratungsqualität zu verbessern. Dazu sollen für die Mitarbeiter in den Jobcentern und Arbeitsagenturen durch die DAH zum Beispiel Fortbildungen angeboten werden.

Vorurteile und Wissensdefizite
„Menschen mit HIV erleben im Berufsleben und bei der Arbeitssuche in vielfältiger Weise Diskriminierung – von Klatsch und Tratsch über Mobbing bis hin zur rechtswidrigen Kündigung“, erläuterte DAH-Vorstandsmitglied Carsten Schatz. Das größte Problem seien dabei Vorurteile und Wissensdefizite bezüglich des Lebens mit HIV. Zugrunde lägen meist irrationale Ängste, HIV-Positive könnten das Virus bei der Arbeit weitergeben oder wären weniger leistungsfähig. Solche Vorurteile ließen sich nur abbauen, indem man darüber redet. „Deswegen freuen wir uns sehr über diese zukunftsweisende Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit“, so Schatz.

Laut BA ist HIV kein Vermittlungshemmnis und es ergibt sich daraus erst recht kein Berufsverbot. „Das müssen wir uns auch in den Jobcentern und Arbeitsagenturen immer wieder vor Augen führen“, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. Das Wissen um diese Infektion dürfe die tägliche Arbeit nicht beeinflussen. „Mein Ziel oder Wunsch ist es, dass jeder HIV-Positive und Aids-Kranke weiß, dass im Jobcentern oder in der Arbeitsagentur ein Experte sitzt, mit dem er offen über seine Probleme sprechen kann“, betonte Alt.

Unterdessen hat der Verband der Privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) angemahnt, dass die Aids-Aufklärung nicht nachlassen dürfe. „Nach aktuellen Schätzungen des Robert-Koch-Instituts droht in diesem Jahr ein Anstieg der HIV-Neuinfektionen in Deutschland“, verwies der PKV-Vorsitzende Reinhold Schulte. Das sei eine Warnung, dass die Aids-Aufklärungsarbeit nicht nachlassen darf. „Berichte über bessere Behandlungs­methoden und eine längere Lebenserwartung von Aids-Kranken haben offenbar zu einem nachlassenden Gefahrenbewusstsein geführt“, so Schulte.

Die Kindernothilfe hat im Vorfeld des 25. Weltaidstages gefordert, die Behandlung von Kindern und Schwangeren mit Aidsmedikamenten deutlich zu verbessern. Insgesamt hätten weltweit noch immer acht Millionen Menschen keinen Zugang zu den lebensnotwendigen Medikamenten. Gerade Schwangere und Kleinkinder würden immer noch nicht ausreichend versorgt, so der Hilfsvereinigung.

Laut Kindernothilfe erhält nur jedes vierte Kind retrovirale Medikamente. Hinzu komme, dass es lange Zeit keine kindgerechten Arzneimittel gab und die Nebenwirkungen lebensbedrohlich waren. Zwar seien auf der Weltaidskonferenz im Juli erstmals für Kinder verträgliche Pulver und Sirups vorgestellt worden, um Aids vollständig zu bekämpfen, fehlt es aber weiterhin an ausreichender Finanzierung.

„Der nächste Schritt ist, diese Sirups für die Behandlung HIV-infizierter Kinder flächendeckend verfügbar zu machen“, sagte Frank Mischo, Aidsexperte der Kindernothilfe. Deshalb ruft die Kindernothilfe die Bundesregierung auf, insgesamt 400 Millionen Euro zur Aidsbekämpfung bereitzustellen. © hil/aerzteblatt.de

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