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Diabetes-Wissen noch immer zu gering

Montag, 3. Dezember 2012

Berlin – Das Wissen über die Erfolge von Prävention und Therapie des Diabetes mellitus ist noch immer unzureichend. Auch die Dokumentation des entsprechenden Chroniker­programms (Disease Management Program, DMP) ist für den Nutzennachweis der Programme zu wenig verlässlich. Das ist das Fazit des vierten Nationalen Workshop Diabetes-Versorgung am Berliner IGES Institut, an dem rund 60 Gesundheits-Experten teilnahmen. Die Teilnehmer forderten eine nationale Strategie, um die Diabetes-Versorgung langfristig zu verbessern.

Auf die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS) wies Christa Scheidt-Nave, Leiterin des Fachgebietes Epidemiologie nicht übertragbarer Krankheiten am Robert Koch-Institut (RKI) hin. Laut DEGS ist seit 1998 die Diabetes-Häufigkeit um zwei Prozentpunkte auf 7,2 Prozent gestiegen. Das entspricht einer Zahl von 4,6 Millionen Diabetikern unter den 18- bis 79-Jährigen.

Am stärksten ist der Anstieg bei Männern über 70 Jahre sowie bei Erwachsenen mit Adipositas. Etwa ein Drittel der Zunahme ist durch die Alterung der Bevölkerung zu erklären. 0,7 bis 2,1 Prozent der Bundesbürger haben eine unerkannte Zucker­erkrankung, je nachdem welche Laborkriterien zugrunde gelegt werden. „Eine wichtige Aufgabe bleibt es, Daten zur Versorgungsqualität und zu den Spätschäden von Diabetes in ähnlich systematischer Weise zu erfassen. Hier ist die Zusammenarbeit aller gefordert“, sagte Scheidt-Nave.

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Bedenklich sei die Qualität der DMP-Dokumentation im Vergleich zu den verlässlicheren, weil abrechnungsrelevanten Routinedaten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung, meinte Roland Linder, stellvertretender Leiter des Wissenschaftlichen Instituts für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) der Techniker Krankenkasse. „Laut DMP-Dokumentation wird beispielsweise mehr als doppelt so vielen Versicherten Gliben­clamid verordnet als sich in den eingelösten Rezepten anhand der Routine­doku­mentation wiederfinden lassen“, sagte er und forderte, die Dokumentation des Programms umzustellen.

Das Fehlen einer strukturierten, nationale Diabetes-Strategie in Deutschland kritisierte Stefanie Gerlach, Leiterin Gesundheitspolitik, diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe. „Wir brauchen konkrete nationale Zielvorgaben mit Zeithorizont, Indikatoren für die Zielerreichung, Maßnahmen zur Umsetzung sowie eine integrierte Evaluierung“, sagte sie. © hil/aerzteblatt.de

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