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Politik

17 von 25 neuen Arzneimitteln haben einen Zusatznutzen

Dienstag, 4. Dezember 2012

dapd

Berlin – Für 13 neue Arzneimittel wurden bislang Rabatte infolge des Arzneimittelmarkt­neuordnungsgesetzes (AMNOG) festgelegt. Das geht aus Zahlen des GKV-Spitzen­verbandes hervor, der die Rabatte mit den Herstellerfirmen aushandelt. Nur einmal haben die Verhandlungspartner demnach die Schiedsstelle angerufen – zwölf Mal einigten sie sich in den Verhandlungen. Für den Kassenverband ist das ein Zeichen dafür, dass das System funktioniert: „Die Fakten zeigen, dass ein fairer Ausgleich zwischen den Interessen der pharmazeutischen Industrie und den Kassen zu neuen Arzneimitteln auf dem Verhandlungswege möglich ist.“

Das AMNOG sieht vor, dass die Herstellerfirmen nur noch für ein Jahr die Preise für neue Arzneimittel selbst festsetzen dürfen. Danach gelten die Preise, die sie mit dem GKV-Spitzenverband verhandelt haben. Grundlage der Verhandlungen ist dabei eine frühe Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA), der das neue Medikament mit einer sogenannten zweckmäßigen Vergleichstherapie vergleicht.

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Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes hat der G-BA bis heute 25 frühe Nutzen­bewertungen durchgeführt. Einen Zusatznutzen hat er dabei in 17 Fällen bescheinigt – in fünf Fällen einen beträchtlichen, in neun Fällen einen geringen Zusatznutzen. In zwei Fällen war ein Zusatznutzen nicht quantifizierbar. „Anfangs war erwartet worden, dass nur etwa jedes fünfte neue Arzneimittel einen Zusatznutzen erhält“, hieß es vom GKV-Spitzen­­verband. Insofern sei dieses Ergebnis besser als erwartet.

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) ist mit der Umsetzung des AMNOG weniger zufrieden. „Unsere Mitgliedsfirmen empfinden das Verfahren als einseitig und unbefriedigend“, sagte vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer dem Deutschen Ärzteblatt. „Der Fokus der Politik darf nicht allein auf Einsparungen um jeden Preis gerichtet sein, sondern sollte die Chancen durch Innovationen fördern.“ Insofern müsse eine wissenschaftliche Nutzenbewertung die Versorgungsrealität zum verbindlichen Maßstab machen, die Zulassungsverfahren gleichwertig berücksichtigen und erst in einem zweiten Verfahren die Rabatte verhandeln.

Pharmaindustrie kritisiert Auswahl der Vergleichstherapie
Pharmaverbände hatten am AMNOG-Verfahren insbesondere kritisiert, dass für die zweckmäßige Vergleichstherapie insbesondere preisgünstige Generika herangezogen würden und auf diese Weise ein Teil der Preisverhandlungen bereits vorweggenommen werde.

Der GKV-Spitzenverband ist anderer Ansicht. Zum einen benutze der G-BA sieben Kriterien als Filter bei seiner Festlegung der Vergleichstherapie. Und die Wirtschaftlichkeit werde erst als letzter Filter angelegt. Und zum andere liege die zweckmäßige Vergleichstherapie nicht nur im Centbereich, wie oft dargestellt werde. Bei Onkologika oder Immunsuppressiva liege der Preis im Bereich von vielen tausend Euro.

Sowohl die Pharma- als auch die Kassenseite nennen diverse Aspekte, die im Verfahren aus ihrer Sicht noch verbessert werden müssen. „Die Liste mit Problemen bei der frühen Nutzenbewertung ist leider immer noch recht lang“, sagt Fischer. Sie reiche vom unzureichenden Zusammenspiel von Zulassung und früher Nutzenbewertung über die Auswahl der Vergleichstherapie und die Klassifizierung des Zusatznutzens bis zu den Kriterien der Erstattungsbetragsfestlegung.

Der GKV-Spitzenverband kritisiert insbesondere, dass „die Verbände der pharma­zeu­tischen Unternehmer und des Handels die technische Umsetzung seit Fälligkeit des ersten Erstattungsbetrages“ verzögern, „so dass bis heute noch keine Einsparung finanzwirksam geworden ist“. Der Verband verlangt, den ausgehandelten Erstattungsbetrag als Bezugsgröße zu verwenden, von dem zum Beispiel der Herstellerabschlag, die Handelsaufschläge für Apotheken und Großhandel oder die Zuzahlungen der Patienten abgezogen werden.

Die Pharmafirmen wollen zu diesem Zweck hingegen den von ihnen gewählten Hersteller­abgabepreis heranziehen, da sie, wie es der GKV-Spitzenverband formuliert, „die Preistransparenz … fürchten, die mit Veröffentlichung der vereinbarten Rabatte eintre­ten“ würde. © fos/HK/aerzteblatt.de

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