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Medizin

Franzosen mit weniger Spermien

Mittwoch, 5. Dezember 2012

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Paris – Die Gesamtzahl der Spermien und die Zahl der normal gebildeten Spermien sind bei Männern in Frankreich innerhalb von 16 Jahren jeweils um ein Drittel zurückgegangen. Reproduktionsmediziner vermuten in Human Reproduction (2012; doi: 10.1093/humrep/des415) endokrine Disruptoren in der Umwelt als Auslöser. Aber auch die Ernährung könnte eine Rolle spielen.

In den Jahren 1989 bis 2005 hatten sich in Frankreich 154.000 Paare mit einem Kinderwunsch an die 126 reproduktionsmedizinischen Zentren des Landes gewandt. In 26.600 Fällen konnte als Ursache eine Blockade oder Fehlanlage der Eierstöcke ermittelt werden. Die Männer waren also nicht für den unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich.

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Die Epidemiologin Joëlle Le Moal vom Institut de Veille Sanitaire in Paris-Saint Maurice geht davon aus, dass die Spermiogramme, die routinemäßig untersucht werden, repräsentativ für die französischen Männer sind. Dies trifft zwar nur bedingt zu, da sich in Frankreich eher sozioökonomisch besser gestellte Paare bei einem Kinderwunsch an Repromediziner wenden, da bei ihnen die Spermienqualität aber in der Regel über dem Durchschnitt liegen, könnte die Entwicklung eher noch gravierender sein, als Le Moal herausgefunden hat.

Ihre Ergebnisse zeigen, dass die Spermienzahl eines 35jährigen Mannes in Frankreich zwischen 1989 und 2005 von 73,6 auf 49,9 Millionen pro Milliliter gefallen ist. Das ist ein Rückgang um 1,4 Millionen pro Jahr oder 1,9 Prozent pro Jahr. Für den gesamten Untersuchungszeitraum ergibt das eine Reduktion um 32,2 Prozent. Hinzu kommt, dass der Anteil der normal geformten Spermien ebenfalls um ein Drittel, nämlich um 33,4 Prozent zurückgegangen ist.

Trotz des Rückgangs waren die meisten Männer zeugungsfähig. Die Grenze wird von der Welt­gesund­heits­organi­sation bei einer Spermienzahl von etwa 15 Millionen pro Milliliter angegeben. Wenn die Entwicklung allerdings anhält, könnte diese Grenze in absehbarer Zeit (rechnerisch im Jahr 2030) erreicht werden. Dann wäre jeder zweite Franzose nicht mehr zeugungsfähig. Dass diese Entwicklung nicht zwangsläufig sein muss, zeigen die Erfahrungen aus Dänemark, wo es – bei einem etwas niedrigeren Niveau als in Frankreich – zwischen 1996 und 2010 keinen Rückgang der Spermienzahl gegeben hat (Epidemiology 2011; 5: 617-619).

Dennoch stellt sich die Frage nach den Ursachen. Diskutiert wird derzeit ein Einfluss von Umwelt und Ernährung. Im Umweltbereich ist die Exposition mit endokrinen Disruptoren gestiegen. Es handelt sich um Moleküle mit hormonartiger Wirkung, die bereits in geringer Konzentration schädlich sein können. Zu den aktuell häufiger genannten Substanzen gehören Bisphenol A und Phthalate.

Endokrine Disruptoren gibt es aber auch in normalen Nahrungsmitteln. Man könnte die Phytoöstrogene wie Genistin in der Sojabohne dazu zählen. Ob sie allerdings einen Einfluss auf die Spermienkonzentration haben, ist ungewiss. Schließlich gibt es Hinweise, dass die veränderten Ernährungsgewohnheiten eine Rolle spielen. Nach einer jüngst in Human Reproduction (2012; 27: 1466-1474) publizierten Studie hatten Männer, die sich besonders fetthaltig ernähren, 43 Prozent weniger Spermien im Ejakulat. © rme/aerzteblatt.de

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