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Medizin

Mammakarzinom: 10 Jahre Tamoxifen verbessern Hormontherapie

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Oxford – Die Verlängerung der Hormontherapie mit Tamoxifen von 5 auf 10 Jahre kann Patientinnen mit östrogenrezeptor-positivem Mammakarzinom vor weiteren Rezidiven schützen und die Brustkrebssterblichkeit weiter reduzieren. Die Vorteile treten allerdings erst nach dem Ende der Therapie, also in der zweiten Dekade nach der Diagnose auf. Dies geht aus einer randomisierten klinischen Studie hervor, die auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium vorgestellt und im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140-­6736(12)61963-1) publiziert wurde.

An der „Adjuvant Tamoxifen: Longer Against Shorter“ oder ATLAS-Studie nahmen 12.894 Brustkrebspatientinnen teil, die bereits über 5 Jahre mit Tamoxifen behandelt worden waren. Sie wurden vom Team um Christina Davies von der Universität Oxford auf eine Fortsetzung der Tamoxifen-Therapie für weitere 5 Jahre oder auf eine Kontrollgruppe gelost, in der die Therapie beendet wurde (und auch keine Placebos verabreicht wurden).

6.846 Frauen hatten einen östrogenrezeptor-positiven Tumor. Nur für sie (nicht aber für Frauen mit negativem oder unklarem Rezeptorstatus) wird heute die Tamoxifentherapie empfohlen, und nur für sie ergab sich jetzt durch die Verlängerung der Therapie um weitere 5 Jahre ein zusätzlicher Vorteil.

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Etwa neun Jahre nach dem Beginn der Studie (also 14 Jahre nach der Diagnose) ist es bei 1.328 Frauen zu einem Brustkrebsrezidiv gekommen, an dem 728 Patientinnen gestorben sind. Die Reduktion der Rezidivrate war während der zweiten 5 Jahre der Tamoxifenbehandlung (minus 10 Prozent) geringer als in den Jahren danach (minus 25 Prozent). Einen ähnlichen Carry-Over-Effekt gab es bei der Brustkrebssterblichkeit: Minus 3 Prozent während der zweiten 5 Jahre Tamoxifen und minus 29 Prozent danach. Das sind die relativen Reduktionen.

In absoluten Zahlen sind die Ergebnisse etwas weniger eindrücklich: Die Gesamtzahl der Rezidive in den Jahren 5 bis 14 wurde von 25,1 auf 21,4 Prozent, also um 3,7 Prozentpunkte gesenkt. Die Brustkrebssterberate sank von 15,0 Prozent auf 12,2 Prozent oder um 2,8 Prozentpunkte. Bei der Gesamtsterblichkeit wurde (noch?) kein signifikanter Rückgang erreicht: Im Arm mit 10-jähriger Therapie kam es zu 639 Todesfällen, bei den 5-jährigen Therapie waren es 722 Todesfälle.

Den Vorteilen steht eine erhöhte Toxizität gegenüber. Am meisten gefürchtet sind Endometriumkarzinome. Sie wurden in den Jahren 5 bis 14 bei 3,1 Prozent der Frauen mit 10-jähriger Tamoxifentherapie und bei 1,6 Prozent der Frauen mit 5-jähriger Tamoxifentherapie diagnostiziert (Todesfälle: 0,4 versus 0,2 Prozent). Bei den Lungenembolien gab es nur einen Anstieg der nicht-tödlichen Ereignisse.

Der Vorteil der verlängerten Tamoxifentherapie ist damit begrenzt, er ist aber real. Insgesamt könne die Tamoxifentherapie (einschließlich der ersten 5 Jahre und gegenüber einer Nicht-Behandlung) das Sterberisiko am Mammakarzinom halbieren, schreibt die Stiftung Cancer Research UK, einer der Sponsoren der Studie. Bei den Patientinnen, die vor allem unter den klimakterischen Beschwerden leiden, hielt sich die Begeisterung allerdings in Grenzen. Während der zweiten 5 Jahre der Tamoxifentherapie sollen etwa 40 Prozent der Frauen die Therapie abgebrochen haben.

Für die Hormontherapie des Mammakarzinoms stellt sich jetzt die Frage, ob die Ergebnisse auf die Therapie von postmenopausalen Frauen mit Aromatase-Inhibitoren übertragbar sind. Diese Frage wird derzeit bereits in randomisierten Studien geklärt. © rme/aerzteblatt.de

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