NewsPolitikDer Missbrauchs­beauftragte zieht schlechte Bilanz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Der Missbrauchs­beauftragte zieht schlechte Bilanz

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Wilhelm Rörig © dpa

Berlin – „Für Missbrauchsbetroffene ist in diesem Jahr zu wenig erreicht worden“ – so lautet die Bilanz des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindes­missbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, am Donnerstag in Berlin. Ein Jahr nach dem Ende des Runden Tisches und ein Jahr nach seinem Amtsantritt „erschüttert Kindes­missbrauch nach wie vor täglich unsere Gesellschaft“, so Rörig. Gleichzeitig warteten die Betroffenen nach wie vor auf angemessene Hilfen. 

„Bis heute haben die Betroffenen keine Sicherheit, dass sie die Hilfen aus dem 100 Millionen-Euro-Fonds bekommen“, kritisierte Rörig. Vor einem Jahr wurde der Fonds vom Bundesfamilienministerium, dem Bundesjustizministerium und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung angekündigt. Die Länder sollten sich zur Hälfte daran beteiligen. „Das Schweigen der Politik, der Bundesregierung und der Bundesländer ist für die Betroffenen unerträglich“, erklärte Rörig. „Für mich ist nicht transparent, woran es hakt.“

Anzeige

Sofortigen gesetzlichen Handlungsbedarf sieht der Missbrauchsbeauftragte auch im Hinblick auf das Gesetz zur Stärkung der Rechte der Opfer sexueller Gewalt (StormG). „Das Gesetz muss noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden, damit es nach den Wahlen nicht wieder völlig neu aufgerollt werden muss.“

Rörig zeigte sich bei der Pressekonferenz zu seiner Jahresbilanz dennoch „vorsichtig optimistisch“. „Ich empfinde Erleichterung darüber, dass über Missbrauchsfälle inzwischen gesprochen wird, weil sich das gesellschaftliche Klima verändert hat.“ So sei beispielsweise die Charité sofort an die Öffentlichkeit getreten, als vor drei Wochen der Fall eines Pflegers bekannt wurde, der eine 16-jährige Patientin sexuell missbraucht haben soll. Das daraufhin entwickelte Präventionskonzept begrüße Rörig sehr.

Weiter forderte der Missbrauchsbeauftragte die Länder und Kommunen auf, endlich die Fachberatungsstellen zu stärken. „Die Beratungsstellen brauchen dringend finanzielle Absicherung und eine ausreichende Personalausstattung.“ Neben dem Ausbau der Beratungsstellen forderte Rörig, Versorgungslücken in ländlichen Regionen zu schließen sowie mehr spezialisierte Angebote für betroffene Jungen, Behinderte und Migranten zu schaffen. Bundesweit gebe es derzeit rund 300 auf sexuellen Missbrauch spezialisierte Fachberatungsstellen.

Sexueller Kindesmissbrauch: Therapieplätze dringend gesucht

Eine bessere Versorgung für Betroffene von sexueller Gewalt – das fordert der Unabhängige Beauftragte. Vertreter der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten schließen sich mit Rahmenempfehlungen an.

Ein eigener Rechtsanspruch auf Beratung von Kindern und Jugendlichen sowie ein leichterer Zugang zu Psychotherapien und Beratungsangeboten waren auch zentrale Forderungen von zwei öffentlichen Anhörungen im Rahmen der Reihe „Dialog Kindesmissbrauch“.  Bei der Anhörung zur gesundheitlichen Versorgung stellten Bundes­psycho­therapeuten­kammer, Bundes­ärzte­kammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Deutsche Krankenhausgesellschaft und der GKV-Spitzenverband Rahmenempfehlungen vor, wie die Versorgung der Betroffenen verbessert werden kann.

Auf die Umsetzung der Rahmenempfehlungen will der Missbrauchsbeauftragte „ein Auge halten“. © pb/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

5. Dezember 2019
Berlin – Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung Sexuellen Kindesmissbrauchs hat einen Handlungsleitfaden für die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in Institutionen Anfang der Woche in Berlin
Neue Konzepte zur Prävention und Aufarbeitung von Missbrauchsfällen
5. Dezember 2019
Hannover – Cybermobbing und sexuelle Übergriffe unter Gleichaltrigen sind für viele Jugendliche alltäglich. „Die Formen der sexuellen Gewalt unter Jugendlichen gehen in dieselbe Richtung wie bei
Sexuelle Übergriffe unter Jugendlichen gehören zum Alltag
4. Dezember 2019
Saarbrücken – Ein bereits eingesetzter Untersuchungsausschuss des saarländischen Landtages wird sich nicht nur mit möglichen Fällen von sexuellem Missbrauch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des
Parlament im Saarland weitet Untersuchungen über sexuellen Missbrauch aus
2. Dezember 2019
Berlin – Der erstochene Berliner Arzt Fritz von Weizsäcker ist heute in Berlin unter großer Anteilnahme neben seinem Vater, dem früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, beigesetzt worden.
Getöteter Fritz von Weizsäcker in Berlin beigesetzt
29. November 2019
Kiel – Ein neues Projekt soll Schüler, Eltern und Lehrer stärker für das Thema Mobbing an Schulen in Schleswig-Holstein sensibilisieren. „Es ist so leicht, jemanden bloßzustellen und lächerlich zu
Projekt gegen Mobbing an Schulen stärker in den Fokus rücken
27. November 2019
Berlin – Die Krankenhäuser in Deutschland rufen nach finanzieller Hilfe, um Ärzte und Pflegepersonal besser vor gewaltsamen Übergriffen schützen zu können. „Es ist beim Gesetzgeber angekommen, dass
Krankenhäuser wollen zusätzliche Mittel für Sicherheitsdienste
27. November 2019
Bukarest – In Rumänien werden immer mehr Missstände in psychiatrischen Einrichtungen bekannt. In einem neuropsychiatrischen Rehabilitationszentrum für geistig Behinderte bei Urlati würden Patienten
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER