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Streit um Kranken­haus-Fallzahlen – widersprechende Studien

Freitag, 7. Dezember 2012

dpa

Berlin – „Die demografische Entwicklung und die Morbiditätsentwicklung im Zusammen­wirken mit dem medizinischen Fortschritt erklären die Leistungsentwicklung in der stationären Versorgung sehr gut.“ Das sagte der Präsident der Deutschen Krankenhaus­gesellschaft (DKG), Alfred Dänzer, heute in Berlin. Er widersprach damit Schluss­folgerungen aus dem heute veröffentlichten Krankenhaus-Report der AOK.

Kranken­haus­auf­enthalte um 25 Prozent gestiegen
Laut dem Report ist die Zahl der stationären Behandlungen sei vor allem in jenen Bereichen gestiegen, „die wirtschaftlichen Gewinn versprechen“. So habe sich die Zahl der Wirbelsäulenoperationen bei AOK-Versicherten zwischen 2005 und 2010 mehr als verdoppelt. Auch bei Herzschrittmachern sei die Zahl der Eingriffe zwischen 2008 und 2010 um ein Viertel gestiegen.

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Laut dem vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) herausgegebenen Report sind in diesen Fällen aber nur etwa zehn Prozent des Anstiegs auf die demografische Entwicklung, also die zunehmende Zahl älterer Menschen, zurückzuführen. Der Studie zufolge stieg die Zahl der stationären Behandlungen seit 2005 insgesamt um 11,8 Prozent je Einwohner.

Binnen 20 Jahren sei die Zahl der Kranken­haus­auf­enthalte zwischen 1991 und 2011 um fast ein Viertel gestiegen. Bereits im Jahr 2010 gab es mehr als 18 Millionen Klinikaufent­halte, 2011 wurden rund 310.000 Behandlungen zusätzlich vorgenommen. Die Kliniken steigern laut AOK die Menge der Leistungen, um ihren wirtschaftlichen Erfolg zu sichern.

Qualität der Kliniken unterschiedlich
Auch die Qualität den Kliniken unterscheidet sich dem Report zufolge deutlich. Ver­glichen wurden Komplikationen und unerwünschte Ereignisse in den 614 untersuchten Krankenhäusern. Während es in 74 Kliniken bei weniger als fünf Prozent der Katheter­patienten zu einem Problem kam, lag die Rate in 37 Häusern bei mehr als 15 Prozent. In Zukunft sollten die Kassen die Möglichkeit bekommen, „nachweislich schlechte Qualität nicht zu bezahlen“, forderte AOK-Vorstand Uwe Deh. Dies sei nötig, um „die Spreu vom Weizen“ zu trennen.

Die DKG widersprach den Behauptungen, nach denen die Krankenhäuser aus ökono­mischen Gründen und unnötig die Zahl der Operationen steigerten, und verwies ihrer­seits auf die Studie „Einflussfaktoren des Fallzahl- und Case Mix-Anstieges in deutschen Krankenhäusern“ des Deutschen Krankenhausinstitutes. Dieses komm unter anderem zu dem Ergebnis,

  • dass beim Hüft- und Knieersatz die Häufigkeit dieser Leistungen gemessen an der größeren Zahl älterer Menschen sogar rückläufig ist.
  • Kritiker der Krankenhäuser das kumulative Zusammenwirken von demographischer Entwicklung und medizinischem Fortschritt nicht berücksichtigen: Ein Beispiel sei die kathetergestützte Aortenklappenimplantation, für das seit 2002 ein spezielles Ballon-Kathetersystem zur Verfügung stehe. Dies ermögliche Patienten die OP, die Ärzte früher wegen Komorbiditäten nicht operieren konnten.
  • dass viele Leistungsbereiche, in denen den Krankenhäusern beliebige Fallzahlsteigerungen vorgeworfen würden, Gegenstand von bundesweiten Qualitätssicherungsmaßnahmen seien, bei denen die Indikationsstellung gezielt überprüft werde.

„Erbringen die Krankenhäuser nicht vereinbarte zusätzliche Leistungen, beträgt der Abschlag 65 Prozent von der Fallpauschale. Finanzielle Anreize zu Mehrleistungen bestehen in diesem System nicht“, hieß es aus der DKG.

NRW-Kliniken fordern nachhaltige Finanzierung
Eine nachhaltige Krankenhausfinanzierung fordert auch die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (NRW). „Im Kern müssen die Krankenhäuser von der Politik in die Lage versetzt werden, ohne die Erbringung von Mehrleistungen tariflich gebundene Gehälter an ihre Beschäftigten zahlen zu können ohne negative Jahresabschlüsse hinnehmen zu müssen“, sagte dessen Präsident Hans Rossels bei der Mitglieder­versammlung der Gesellschaft gestern in Neuss.

Die rund 400 NRW-Kliniken verabschiedeten einstimmig eine Resolution, in der sie von den Politikern in Bund und Land dringend Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit fordern. Ansonsten sei die qualitativ hochwertige und wohnortnahe Krankenhausversorgung in NRW massiv bedroht. Allein im Personalkostenbereich betrage die Finanzierungslücke im Jahr 2012 für die NRW-Krankenhäuser trotz der rund 70 Millionen Euro über die Tarifausgleichsrate noch 225 Millionen Euro, rechnete die Krankenhausgesellschaft NRW vor. © hil/aerzteblatt.de

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