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Medizin

Mammakarzinom: Eribulin enttäuscht in klinischer Studie

Freitag, 7. Dezember 2012

Lebanon – Das Zytostatikum Eribulin, das im letzten Jahr als Halaven® zur Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms zugelassen wurde, hat in einer Phase-III-Studie enttäuscht. Im direkten Vergleich mit Capecitabin konnte Eribulin weder Gesamt- noch progressionsfreies Überleben verlängern. Eine Nische könnte die Therapie des HER2-negativen Mammakarzinoms sein.

Halaven ist derzeit ein Reservezytostatikum. Die Zulassung ist auf Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs beschränkt. Voraussetzung für den Einsatz ist, dass wenigstens zwei Chemotherapien versagt haben, in denen mindestens ein Anthrazyklin und ein Taxan zum Einsatz kamen. Der Hersteller strebt natürlich eine Erweiterung der Zulassung an und die Studie 301 sollte hier die Tore öffnen.

An der Studie nahmen 1.102 Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem oder metas­tasiertem Mammakarzinom teil. Sie hatten maximal drei Chemotherapien erhalten, darunter maximal zwei Therapien zur Behandlung eines fortgeschrittenen oder metastasierten Tumors (die dann ein Anthrazyklin und ein Taxan enthalten haben mussten). Dies entspricht in etwa den heutigen Zulassungsbedingungen für Capecitabin, das deshalb als Vergleichstherapie gewählt wurde.

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Der Vergleich war auch deshalb interessant, weil Eribulin ein neuartiges Zytostatikum mit einem von anderen Mitteln verschiedenen Wirkungsmechanismus ist: Eribulin ist die synthetische Version eines Zellgiftes, das aus dem Meeresschwamm Halichondria okadai isoliert wurde. Es hemmt den Spindelapparat der Zellen, allerdings auf andere Weise als die Taxane.

Doch die hoch gesteckten Erwartungen sollten sich nicht erfüllen. Wie Studienleiter Peter Kaufman von der Geisel School of Medicine in Lebanon/New Hampshire auf der Konferenz mitteilte, wurde das Gesamtüberleben nur von 14,5 auf 15,9 Monate verlängert. Der Unterschied war nicht signifikant. Beim progressionsfreien Überleben kam es zu keiner Verbesserung. Dieser Endpunkt wurde unter Eribulin nach 4,1 Monaten und unter Capecitabin nach 4,2 Monaten erreicht.

Dennoch belegt die Studie laut Kaufman, dass Eribulin auch in der Erst-, Zweit- und Drittlinientherapie eine wirksame Therapieoption ist. Ob dies die Zulassungsbehörden auch so sehen, bleibt abzuwarten. Eribulin ist nicht gerade gut verträglich, und viele typische Zytostatika-Nebenwirkungen traten häufiger auf als unter Capecitabin: Neutropenie 54,2 versus 15,9 Prozent, Alopezie 34,6 versus 4,0 Prozent.

Eine explorative Analyse ergab jedoch, dass Eribulin bei HER2-negativen Tumoren Vorteile haben könnte. Die Überlebenszeiten betrugen hier 15,9 versus 13,5 Monate unter Capecitabin. Bei den „triple-negativen“ Tumoren (neben HER2 fehlen auch Östrogen- und Progesteronrezeptoren) wurde die Überlebenszeit von 9,4 auf 14,4 Monate verlängert. Da die Therapie-Optionen der Patientinnen hier sehr begrenzt sind, könnte dies nach Ansicht von Kaufman ein mögliches Einsatzgebiet von Eribulin in der Erstlinientherapie der metastasierten Mammakarzinom werden. © rme/aerzteblatt.de

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