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Politik

Barmer GEK: Bevölkerung ist mit ärztlicher Versorgung zufrieden

Montag, 10. Dezember 2012

dpa

Berlin – Die Menschen in Deutschland sehen keine Anzeichen für einen Ärztemangel. Zu diesem Schluss kommt eine gemeinsam in Auftrag gegebene Befragung von Barmer GEK und der Bertelsmann Stiftung im Rahmen des Gesundheitsmonitors 2012. „Die Bevölkerung sieht keine Probleme in der Erreichbarkeit von Ärzten, weder bei Haus- noch bei Fachärzten“, sagte Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Zwar gebe es geringe mobilitätsbedingte Unterschiede zwischen alten und jungen Menschen, signifikante Unterschiede zwischen Stadt und Land seien aber nicht zu erkennen.

„Die Bevölkerung spürt keinen Mangel an Ärzten“, bekräftigte auch Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK. In Bezug auf die Honorarverhandlungen mit den Ärzten sehe er deshalb auch keinen Grund zu „hektischen oder aggressiven Aktionen“. Er räumte zwar ein, dass es in Zukunft zu Problemen in der ärztlichen Versorgung auf dem Land kommen könnte, das Problem der Landarztpraxis sei aber „nicht ein schlechter Verdienst.“ Vielmehr brauche man eine sachliche Diskussion, um sich den Veränderungen des sich wandelnden Berufsanspruchs unter den Ärzten und den neuen Formen der Berufsausübung zu stellen.

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„Es ist zunächst einmal bemerkenswert, dass eine Krankenkasse die hohe Qualität der wohnortnahen ambulanten Versorgung anerkennt und von einem hohen Vertrauens­beweis der Bevölkerung spricht“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler. Die Schlussfolgerung der Barmer GEK sei aber falsch. Es sei ein Trugschluss zu glauben, der Ärztemangel werde überdramatisiert, weil die Bevölkerung diesen jetzt nicht spüren würde. Die KBV schätze, dass bis zum Jahr 2020 66.830 Niedergelassene in den Ruhestand gehen werden. „Die Situation wird sich also drastisch verschärfen. Wer den Ärztemangel jetzt noch infrage stellt, verkennt eindeutig die Situation“, so Köhler.   

Auf die Belastungsgrenzen von Ärztinnen und Ärzten wies Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes­ärzte­kammer, hin. Auch wenn Patienten in Umfragen immer wieder das große Engagement der Ärzte würdigten, eine gute gesundheitliche Versorgung auch in strukturschwachen Regionen sicherzustellen, seien diese mittlerweile erreicht. „Ärzte in Klinik und Praxis kompensieren durch überlange Arbeitszeiten die Folgen des Ärztemangels – oftmals auch auf Kosten der eigenen Gesundheit und natürlich zum Nutzen der Krankenkassen“, betonte er.

Dies ginge aber nicht mehr lange gut. „Harte Versorgungsdaten belegen, dass die personellen Lücken in der ambulanten und stationären ärztlichen Versorgung immer größer werden. Nach Zahlen des Deutschen Krankenhausinstituts sind in den Kliniken rund 6.000 Stellen unbesetzt. Die angespannte Personalsituation wird sich weiter verschärfen“, sagte Montgomery. In zehn Jahren würden knapp 20.000 Ober- und Chefärzte altersbedingt in den Ruhestand gehen; bis 2020 müssten mehr als 66.000 Ärzte ersetzt werden. „Aufgrund der demografischen Entwicklung der Ärzteschaft und des mangelnden Nachwuchses wird es bis zum Jahr 2020 knapp 7.000 Hausärzte weniger geben als bisher.“

An der von TNS Infratest im November durchgeführten telefonischen Befragung nahmen 1500 Bürgerinnen und Bürger teil. Rund 90 Prozent zeigten sich mit der Anzahl und Erreichbarkeit von Hausärzten in Städten und auf dem Land zufrieden. Bei der Anzahl und Erreichbarkeit von Fachärzten lag die Zufriedenheit bei 85 Prozent.

Eine weitere veröffentlichte Studie im Gesundheitsmonitor 2012 zeigt regionale Unterschiede in der Diagnostik und Therapie. Danach gebe es beispielsweise in Landau in der Pfalz (51 Prozent) eine dreimal höhere Rate an Kaiserschnitten als in Dresden (17 Prozent). Auch die Verordnung von Antibiotika bei Kindern sei regional sehr unterschiedlich. So würden Kinder in einigen Kreisen von Mecklenburg-Vorpommern doppelt so häufig Antibiotika verordnet bekommen als Kinder in südlichen Kreisen Bayerns. Die Barmer GEK und die Bertelsmann Stiftung führen dies unter anderem auf mögliche Defizite in der Aus-, Fort- und Weiterbildung zurück und fordern Verbesserungen.

© SK/aerzteblatt.de

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Avatar #104249
Senbuddy
am Dienstag, 11. Dezember 2012, 02:07

Wenn man sich die Studie und die zugehörige Presseveröffentlichung ansieht...

... kommt man sehr schnell auf die haarsträubenden Ansichten von Herr Straub. Und über die kann man nur noch staunen.

Am 10.12.12 sagt er z.B. in der Pressemeldung der Bertelsmann-Stiftung "Lange Anfahrtswege sind natürlich für die Bürger beschwerlich, aber sie halten faktisch nur wenige Patienten von einem Arztbesuch ab".

"Halten nur wenige Patienten ab", aha. Na, das ist doch mal ein positives Ergebnis, oder nicht ? Mit so einer Aussage kann man dann ja auch gleich die medizinische Versorgung z.B. in Zaire loben. Denn auch da wandert man ja mancherorts tage- oder wochenlang durch den Busch und lässt sich durch die gegebene Ärztedichte auch "nicht vom Arztbesuch abhalten".

Ein Vergleich, der sich lohnt: Denn das Ziel solcher Studien und der Aussagen von Herrn Straub wird einem damit schnell klar. Nur: Gut ist es dann doch schon, dass man hierzulande wenigstens keine Machete braucht, um überhaupt durchzukommen. Mal sehen, wann die "positive Bereitschaft der Bevölkerung zur Machetennutzung" demnächst in den Äußerungen von Herrn Straub auftaucht. Kann nicht mehr lange dauern...

Aber auch wenn man sich die Veröffentlichung der Studie selbst ansieht, geht es ganz schön einseitig weiter:

So werden dort z.B. nur die Zahlen im Detail veröffentlicht, die einem auftraggeberseitig "in den Kram passen". Zum Beispiel bei den Fragen nach dem Zufriedenheitsgrad der Befragten in Abhängigkeit von der "km-Zahl bis zum nächsten Arzt" werden die tatsächlichen Zahlen der "Wenig Zufriedenen" oder "Nicht Zufriedenen" ganz einfach mit den "Zufriedenen" zusammengefasst. Vermutlich, weil die Zahl der Unzufriedenen so "unbotmäßig" hoch ist ? Oder ist man ein Schelm wenn man nach den o.g. Aussagen so böse denkt ? Irgendwie wohl nicht, denn auch bei den zeitlichen Entfernungen zu Ärzten und Fachärzten verfährt man genauso. Eindeutig eine Verschleierung.

Oder ein anderes Beispiel: Die dortigen Zahlen sagen, dass ca. jeder 5. Bürger (19 %) im "ländlichen Umfeld / ländlicher Raum" mit der Erreichbarkeit von Fachärzten "wenig zufrieden" oder "unzufrieden" ist. Und dann hört man von der Frau Mohn als Interpretation "Die Bevölkerung sieht keine Probleme in der Erreichbarkeit". Ist denn jeder 5. "kein Problem" ? Wie viele müssen denn unzufrieden sein, damit die Unzufriedenheit der Bevölkerung auch in deren Auslegungen ankommt ? Müssen es erst 40 % oder 60 % sein ?

Wohlgemerkt: Es wurden hier Kranke und Gesunde (also auch zur Zeit oder seit Jahren gar nicht von Facharztbesuchen betroffene) befragt. Trotzdem lag der Anteil der Genervten bei 1/5 der Gesamtbevölkerung. Der tatsächliche Anteil der "Genervten" dürfte also wesentlich höher sein, wenn man lediglich die befragt hätte, die in letzter Zeit tatsächlich einen Facharzt aufsuchen mussten. Die Aussage von der Frau Mohn dürfte damit also kaum haltbar sein.

Und dann kommt zusätzlich noch die Frage: Wie viele sind denn auch über jeden 5. hinaus in der Bevölkerung tatsächlich unzufrieden ? Denn bei so "schräger" Interpretation von Befragungsergebnissen muss man wohl auch von ähnlich "schrägen" Erhebungen ausgehen, oder nicht ?

Wenn man das alles zusammen nimmt und die Äußerungen von Herrn Straub einbezieht, kommt folgende Frage auf:

Kann man gesetzliche Kassen nicht zwingen, sich nur auf Ihren Auftrag zu konzentrieren und für die Dinge, die sie nichts angehen (und die sie dann auch noch falsch darstellen) keine Gelder verwenden zu dürfen. Muss man solche Institutionen nicht unter eine verbesserte Aufsicht stellen ? Die Studie hat vermutlich doch auch mehrfach 5- oder sogar 6-stellig gekostet. Das ist nicht nur Verschwendung von Mitgliedsbeiträgen, es ist eine gezielte und schädliche Verdummung der Versicherten und der Öffentlichkeit.

Es ist schon sehr traurig, was sich Körperschaften des öffentlichen Rechtes hiezulande für Dinge unkontrolliert leisten dürfen.

Viele Grüße
S.
LNS

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