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Medizin

C. difficile: Wie sich resistente Keime global ausbreiten konnten

Montag, 10. Dezember 2012

Elektronenmikroskopisches Bild von Clostridium difficile CDC

Cambridge – Durch die Erbgutanalyse von Krankheitskeimen lässt sich deren Ausbrei­tung häufig rekonstruieren. Eine Studie in Nature Genetics (2012; doi: 10.1038/ng.2478) zeigt, wie sich zwei Stämme des Darmbakteriums Clostridium difficile im letzten Jahrzehnt weltweit ausbreiten konnte. Obwohl seine beiden Toxine TcdA und TcdB eine schwere Darmentzündung auslösen können, war C. difficile lange Zeit ein harmloser Darmbe­wohner. In der normalen intestinalen Flora spielt er nur eine untergeordnete Rolle.

Dies änderte sich mit der Entwicklung fluorochinolon-resistenter Stämme. Diese können sich nach einer Antibiotikatherapie mangels Konkurrenz im Darm stark vermehren. Es kann dann zu schwer verlaufenden Clostridium-difficile-Infektionen kommen, die im letzten Jahrzehnt in vielen Ländern zu einem Problem geworden sind.

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Ein Team um Julian Parkhill und Trevor Lawley vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge hat jetzt das Genom von 151 Erregern sequenziert, die zwischen 1985 und 2010 in 19 Ländern (darunter Deutschland) isoliert wurden. Ihre Analyse zeigt, dass sich zwei unterschiedliche Stämme relativ rasch über die Kontinente ausbreiteten.

Der erste Stamm FQR1 ist nach Erkenntnissen der Forscher in den USA entstanden. Er breitete sich zunächst in den USA aus, wurde aber vereinzelt in die Schweiz und nach Südkorea verschleppt. Der zweite Stamm FQR2 entstand vermutlich in Kanada, von wo aus er nach Nordamerika, Australien und Europa gelangte.

In Großbritannien wurde FQR2 zuerst in London, Exeter, Birmingham und im Südwesten Schottlands beobachtet. Er breitete sich dann innerhalb weniger Jahre über das gesamte Vereinigte Königreich aus, wie die Auswertung von weiteren Isolaten zeigte. Ab circa 2005 kam es in zahlreichen Kliniken zu Ausbrüchen. Fluorochinolone, die noch Anfang 2000 den Erreger wirksam bekämpften, büßten innerhalb kurzer Zeit ihre Wirkung ein.

Die Leichtigkeit, mit der sich FQR2 ausgebreitet hat, zeigt nach Ansicht von Parkhill eine enge Vernetzung der globalen Gesundheitssysteme, die überall die gleichen Antibiotika einsetzen und damit dem Erreger einen fruchtbaren Boden bereitet haben. © rme/aerzteblatt.de

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