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Medizin

Brustkrebs: Anti-HER2 Therapie nicht nur für HER2-positive-Patien­tinnen

Dienstag, 11. Dezember 2012

Washington-- Eine Anti-HER2 Therapie könnte eine Option für eine weitere Untergruppe von Brustkrebspatientinnen sein, welche bestimmte Mutationen im HER2-Gen aufweisen. Zu diesem Ergebnis kam die Arbeitsgruppe um Ron Bose und Matthew Ellis an der Washington University School of Medicine. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse in Cancer Discovery (2012; 3; 1–14).

Das HER2-Gen codiert für einen Wachstumsrezeptor. Bei rund 20 Prozent der Brust­krebspatientinnen wird dieser überexpremiert. Diese Patientinnengruppe wird als HER2 positiv bezeichnet. Betroffene leiden an einer besonders aggressiven Form von Brustkrebs. Die Überexpression kommt durch eine Vervielfachung des Gens oder eine verstärkte Syntheserate des Rezeptors zustande. HER2-positive Patientinnen werden gegenwärtig oft mit einer Anti-HER2 -Therapie behandelt. Diese beinhaltet eine Antikörpertherapie mit Trastuzumab oder eine Hemmung des Rezeptors durch den Wirkstoff Lapatinib.

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Bisher galten laut der Arbeitsgruppe nur Patientinnen mit einer Überexpression des Rezeptors als Zielgruppe der Therapie. Die vorliegenden Ergebnisse legen jedoch nahe, dass auch Patientinnen mit einer besonders aktiven Variante des Rezeptors für diese in Frage kommen. Die Überaktivität entsteht durch spezifische Mutationen im HER2-Gen.

Aus einem Kollektiv von 1.500 Patientinnen identifizierten die Forscher 25 Patientinnen, welche Mutationen im HER2-Gen aufwiesen. Sieben der 13 Mutationen verstärkten die Aktivität des Rezeptors und das Tumorzellwachstum. Trastuzumab und Lapatinib erwiesen sich unter Laborbedingungen als wirksam gegen diese Tumorzellen. Zwei Varianten des veränderten Rezeptors reagierten nicht auf die Lapatinib-Therapie. Diese reagierten jedoch auf Neratinib, einem Medikament, welches sich noch in der klinischen Testung befindet.

Nach Schätzungen der Forscher weisen 1,5- 2 Prozent der Patientinnen überaktive Varianten des Wachstumsrezeptors auf. So könnten in Deutschland jährlich rund 1.000-1.400 Neuerkrankte möglicherweise von dem Ansatz profitieren. © hil/aerzteblatt.de

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Pachmann
am Donnerstag, 13. Dezember 2012, 12:05

Wirkt die Therapie auf den Primärtumor oder auf die Metastasen bildenden Zellen?

Wie Dr. Pachmann bereits mehrfach publiziert(1) hat, gibt es entscheidende Unterschiede zwischen den Zellen des Primärtumors und den zirkulierenden Tumorzellen (CTC oder CETC), unter denen sich wiederum diejenigen befinden, die Metastasen bilden können. Wie hinlänglich bekannt ist, besteht ein Tumor aus verschiedenen Zellarten, von denen nur wenige (über die Lymphflüssigkeit oder über angeschlossene Blutgefäße) in die Blutbahn gelangen. Richtet man die Therapie also auf den Primärtumor aus, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, eben nicht die Zellen zu treffen, die mit einer adjuvanten Therapie vernichtet werden sollen.

Daraus ergibt sich, dass die oben angeführten Forschungen an den Tumorzellen ausgeführt werden sollten, die in der Lage sind, Metastasen zu bilden. Das von Prof. Dr. Katharina Pachmann hierzu vorgestellte Poster wurde auf dem CTRC-AACR San Antonio Breast Cancer Symposium wurde von von ecancermedicalscience als „key to this conference“ identifiziert!

Als Keynote-Sprecherin wird Prof. Dr. Pachmann auf dem Select Biosciences Circulating Tumor Cells 2013 Kongress vom 22. - 23.01.2013 in San Diego das Thema unter dem Vortrag "Growth of Tumorspheres from Peripherally Circulating Tumor Cells" noch einmal aufgreifen.

(1) Efficacy control of Therapy Using Circulating Epithelial Tumor Cells (CETC) as "Liquid Biopsy": Trastuzumab in HER2/neu-Positive Breast Carcinoma, J Cancer Res Clin Oncol 2011, 137: 1317-1327, DOI: 10.1007/s00432-011-1000-6
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