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Medizin

Hilft Diuretikum bei Autismus?

Dienstag, 11. Dezember 2012

Ein autistisches Kind spielt in einem Schwimmbad dpa

Marseille – Das Schleifendiuretikum Bumetanid hat in einer randomisierten Doppel­blindstudie einige Kernsymptome von autistischen Störungen gelindert. Die Forscher führen dies in Translational Psychiatry (2012; 2: e202) auf eine Interaktion mit dem Neurotransmitter GABA im Gehirn zurück.

Erhöhte Konzentrationen von Chlorid in den Nervenzellen sind für Yehezkel Ben-Ari vom Institut de Neurobiologie de la Méditerranée in Marseille wenn nicht der Auslöser, so doch ein zentrales Merkmal von autistischen Störungen. Die Chlorid-Ionen verändern seiner Meinung nach die Funktion von GABA, das von einem inhibitorischen zu einem exzitatorischen Neurotransmitter mutiert. Für diese Ansicht zieht Ben-Ari eine Reihe von Studien der Hirnforschung heran, deren Glaubwürdigkeit für Außenstehende schwer zu beurteilen ist.

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Die Hypothese hat allerdings den Charme, dass sie sich klinisch überprüfen lässt. Mit dem Schleifendiuretikum Bumetanid gibt es nämlich ein Medikament, dass die Chlorid-Konzentration in den Nervenzellen senken kann, und Bumetanid ist in zahlreichen Ländern (unter anderem der Schweiz, nicht aber in Deutschland) als Medikament zur Ausschwemmung von Ödemen bei Leberzirrhose, Nephrotischem Syndrom und Herzinsuffizienz zugelassen. Neurologen wenden es gelegentlich zur Behandlung von Epilepsien an, um die Anfallsfrequenz zu senken.

Nach den aus Sicht Ben-Aris vielversprechenden ersten Therapieversuchen wurde die Hypothese jetzt erstmals in einer randomisierten klinischen Studie untersucht. Sechzig Kinder im Alter von 3 bis 11 Jahren mit Autismus oder dem Asperger-Syndrom wurden über 3 Monate täglich mit Bumetanid oder Placebo behandelt. Die Studie war doppel­blind. Weder die Eltern der Kinder noch die Ärzte, die das Verhalten der Kinder anhand von Videoaufnahmen beurteilten, wussten, ob die Kinder mit dem Diuretikum oder mit Placebo behandelt wurden.

Dem Bericht der Forschers zufolge kam es unter der Therapie mit dem Diuretikum zu einer Verbesserung um 5,6 Punkte auf der 60 Punkte umfassenden Childhood Autism Rating Scale. In der anschließenden Auswaschphase kam es dann wieder zu einer leichten Verschlechterung. Bumetanid soll sich dabei vor allem auf die Kernsymptome ausgewirkt haben.

Die Kindern wirkten weniger zurückgezogen und seien offener für Kommunikation, berichten die Autoren. Die Nebenwirkungen der Therapie waren gering. Bei einigen Kindern sei es zu einem Abfall der Kaliumwerte im Blut gekommen, die aber ohne Folgen blieb und erfolgreich behoben werden konnte.

Ben-Ari hofft jetzt, dass er andere Psychiater für eine größere multizentrische Studien gewinnen kann. Die von Science und Nature befragten Experten äußerten sich zurückhaltend. Einige meinten, die Therapie sei einen Versuch wert, die anderen stuften die Wirksamkeit jedoch als gering ein. © rme/aerzteblatt.de

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