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Medizin

Prostatakarzinom: Erweiterter Einsatz von Abirateron

Dienstag, 11. Dezember 2012

Prostatakarzinom Mikroaufnahme Vergrößerung 160:1 pa

San Francisco – Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom dürfen demnächst ohne vorherige Chemotherapie mit dem Androgensynthesehemmer Abirateron behandelt werden. Die Arzneibehörden in Europa und den USA haben einer Erweiterung der Indikation zugestimmt. Grundlage waren die Ergebnisse einer jetzt im New England Journal of Medicine (2012; doi: 10.1056/NEJMoa1209096) publizierten Studie.

Abirateron ist der erste Vertreter einen neuen Wirkstoffgruppe, die das Enzym Cytochrom P-450c17 hemmen, einem Schlüsselenzym in der Synthese von Testosteron. Das männliche Geschlechtshormon ist ein wichtiger Wachstumsfaktor, weshalb die medikamentöse oder (früher häufigere) chirurgische Kastration zur Standardtherapie des metastasierten Prostatakarzinoms gehört. Unter dieser Therapie kann das Tumorleiden häufig über Jahre stabilisiert werden, bevor es schließlich zum erneuten Anstieg des PSA kommt.

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Die Therapie der Wahl beim kastrationsresistenten Prostatakarzinom war bisher eine Docetaxel-basierte Chemotherapie. Bei deren Versagen steht seit Oktober 2011 eine Therapie mit Abirateron zur Verfügung. Es schaltet die nach Kastration im Körper (oder auch in den Tumorzellen) mögliche Restsynthese von Testosteron aus.

Die COU-AA-302-Studie hat nun untersucht, ob Abirateron auch bei Patienten, die noch keine Chemotherapie erhalten haben, wirksam ist. Die Studie randomisierte 1.088 Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom auf eine Therapie mit Abirateron plus Prednison oder Placebo plus Prednison. Die Studie wurde im Dezember 2011 nach einer Zwischenauswertung abgebrochen, nachdem 43 Prozent der Patienten verstorben waren.

Charles Ryan vom Helen Diller Family Comprehensive Cancer Center in San Francisco und Mitarbeiten berichten jetzt über eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens von 8,3 auf 16,5 Monate. Das Gesamtüberleben hat sich nach Auskunft der FDA von 30,1 auf 35,3 Monate verlängert. Abirateron zögerte auch den Zeitpunkt bis zum Beginn der Chemotherapie heraus, es senkte den Opiatverbrauch der (an schmerzhaften Knochenmetastasen leidenden) Patienten und verbesserte (vorübergehend) ihren Allgemeinzustand.

Zu den speziellen Nebenwirkungen und Komplikationen von Abirateron zählen Flüssigkeitsretentionen/Ödeme, Hypokaliämien und eine arterielle Hypertonie. Abirateron kann Herz und Leber schädigen. Die Abbruchrate war mit 10 Prozent nicht wesentlich höher als in der Kontrollgruppe (9 Prozent).

Abirateron gehört zu den kostspieligen Medikamenten. Die N2-Packung, die für eine Therapie über 3 Monate reicht, wird für knapp 5.500 Euro angeboten. Nach Auskunft der Wirtschaftspresse hat der Hersteller in den ersten 9 Monaten des Jahres 697 Millionen US-Dollar mit dem Medikament umgesetzt. Für die nächsten Jahre wird ein Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar vorhergesagt. © rme/aerzteblatt.de

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