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Vermischtes

Renaissance-Astronom Tycho Brahe wurde nicht vergiftet

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Rostock – Die Lösung eines langjährigen Wissenschaftsrätsels und –streits haben jetzt Wissenschaftler um Ludwig Jonas von der Universität Rostock gelüftet: Ihre Unter­suchung bringt Licht in die Um­stände um den Tod des Astronomen Tycho Brahe 1601 in Prag. Die Arbeit ist online in der Zeitschrift Ultrastructural Pathology erschienen (DOI: 10.3109/­01913123.2012.685686).

Brahe war einer der berühmtesten Astronomen der Renaissance. Während seiner Zeit in Rostock verlor er während eines Duells mit Degen seine Nase, die durch eine kupferne Nasenprothese ersetzt wurde. Die Symptome seiner Krankheit und die Todesumstände sind genau beschrieben, doch ließ sich daraus bisher keine eindeutige Todesur­sache ableiten oder rekonstruieren. So kam es zu Spekulationen über einen Giftmord. Selbst Johannes Kepler wurde verdächtigt, seinen Lehrer wegen dessen wertvoller Sternen­protokolle mit Quecksilber vergiftet zu haben, um so an die Aufzeichnungen zu kommen.

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„Wir hatten das große Glück, Barthaare von Tycho Brahe von der ersten Exhumierung 1901 untersuchen zu können“, so Jonas. Die Gruft von Tycho Brahe unter dem Fußboden der Teyn Kirche in Prag war nach 300 Jahren 1901 zum ersten Mal geöffnet worden. Brahes Skelett war gut an dem fehlenden Nasenbein des Schädels zu identifizieren. Neben dem Skelett waren noch verschiedene Reste der Kleidung, das Leichentuch und die Haare seines Bartes, der Augenbrauen und des Kopfhaares erhalten.

Zehn Barthaare für die Analyse
Der Bart und einige Textilreste wurden bis 1989 im Tschechischen Nationalmuseum in Prag aufbewahrt. Der damalige Direktor des Nationalmuseums Martin Solc hat den in einem Glaskästchen befindlichen Bart dem dänischen Botschafter in einem Festakt übergeben. Sie befinden sich nun in der Sternwarte von Aarhus. „Wir haben vom Institut für Planetologie der Universität Münster und vom Institut für forensische Medizin der Universität Rostock zehn Barthaare in einem sterilen Glasröhrchen bekommen und daran elektronenmikroskopische und element-analytische Untersuchungen vorge­nommen“, erläutert Jonas.

Die Wissenschaftler konnten kleine Kügelchen von Schwermetall in den zwei äußeren Haarschuppen nachweisen. Nur dort, wo diese kleinen Kügelchen zu sehen waren, gelang der Nachweis von Quecksilber. Im Haarschaft und in den Haarwurzeln fehlten solche elektronendichten Kügelchen und somit auch ein positiver Quecksilbernachweis. „Wir schließen daraus, dass die Quecksilberablagerungen von außen in die Haare gelangt sind und nicht durch einen Gifttrunk über das Blut in die Haarwurzeln“, so Jonas.

Weil die elektronendichten Kügelchen über die ganze Haarlänge in den Haarschuppen zu sehen waren, müsse es sich über eine langzeitige und allgemeine Quecksilber­einwirkung gehandelt haben und nicht um ein Akutereignis, wie bei einem Giftmord durch Giftcocktail, berichtet die Arbeitsgruppe.

Brahe war Zeit seines Lebens Alchemist. Er hatte Quecksilberpräparate gegen Syphilis und andere Hauterkrankungen hergestellt und chemische Verfahren zur Entgiftung von Quecksilber beschrieben. Die Wissenschaftler vermuten, dass er bei diesen Arbeiten mit Quecksilber und seinen Verbindungen hohen Konzentrationen von Quecksilberdämpfen ausgesetzt war und sich diese von außen auf seinen Haaren niederschlugen.

„Unsere Untersuchungen stehen ganz klar im Widerspruch zu einem Giftmord durch ein quecksilberhaltiges Getränk. Wir können damit den vermeintlichen Meuchelmord durch Johannes Kepler in das Reich der Mythen verweisen und sprechen Kepler von diesem ungeheuren Vorwurf frei“, so Jonas Fazit. © hil/aerzteblatt.de

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