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Medizin

Acetazolamid lindert Schlafapnoe im Gebirge

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Zürich – Wenn Flachlandbewohner ihren Urlaub im Gebirge verbringen, kann es bei Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe zu einer Verschlechterung der nächtlichen Atmung kommen. Eine Therapie mit Acetazolamid verschaffte den Patienten in einer randomisierten Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 308: 2390-2398) zusätzlich zu einer CPAP-Beatmung Linderung.

Acetazolamid ist in Deutschland als Glaukommedikament zugelassen. Der oral verfügbare Carboanhydrasehemmer hat aber auch eine systemische Wirkung. Die gesteigerte Ausscheidung von Bicarbonat über die Nieren führt zu einer Azidose, die in der Lunge die Ventilation steigert. Acetazolamid wird mit Erfolg zur Prävention der Höhenkrankheit eingesetzt.

Besonders anfällig sind Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe (OSA). Dass sich deren Schlafstörung beim Urlaub in Höhenlagen verschlechtert, hatte das Team um den Pulmologen Konrad Bloch vom Universitäts-Spital Zürich bereits in einer früheren Publikation zeigen können. Bei OSA-Patienten aus dem Flachland kam es zu fast zu einer Verdopplung des Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI), als sie von Zürich kommend in den Kurort Davos-Wolfgang (1630 Meter m ü. NN) und später auf das Jakobshorn (2590 m ü. NN) gereist waren (Thorax 2010; 65: 429-35).

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Jetzt haben die Pulmologen das Experiment an 51 Patienten wiederholt, die wegen ihrer nächtlichen Beschwerden bereits eine nächtliche CPAP-Behandlung durchführten. Für die Studie wechselten die Patienten auf eine autoCPAP-Therapie, die den Beatmungsdruck jeweils an die Atmung anpasst. Die Patienten nahmen während der Doppelblindstudie außerdem Acetazolamid oder Placebo ein. Primärer Endpunkt war die nächtliche Sauerstoffsättigung und der AHI.

Ergebnis: Acetazolamid verbesserte die Sauerstoffsättigung gegenüber der alleinigen autoCPAP-Therapie in Davos-Wolfgang um ein Prozent und auf dem Jakobshorn um 2 Prozent. Auf 2590 Höhenmetern fiel die Sauerstoffsättigung der Patienten ohne Acetazolamid zu 57 Prozent der Zeit auf unter 90 Prozent, mit Acetazolamid wurde die Grenze nur zu 13 Prozent der Zeit unterschritten. Der AHI fiel auf 1630 Höhenmetern von 10,7 auf 5,8 Episoden pro Stunde und auf 2590 Höhenmetern von 19,3 auf 6,8 Episoden pro Stunde.

Das ist gewiss eine Verbesserung gegenüber der CPAP-Therapie. Und da Acetazolamid ein sicherer Wirkstoff ist – nur der unangenehme Geschmack und gelegentlichen Parästhesien stören die Patienten –  raten die Schweizer Pulmolgen den OSA-Patienten zu einer begleitenden Behandlung. Sie weisen aber auch darauf hin, dass die CPAP-Therapie Grundlage der Therapie ist und nicht etwa durch Acetazolamid ersetzt werden kann. Auch ohne Acetazolamid war die AHI deutlich geringer als in der Vorstudie, wo es die (zugegeben anderen) Patienten im Durchschnitt auf 90 Episoden pro Stunde brachten. © rme/aerzteblatt.de

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