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Medizin

Oxytocin stärkt Vätergefühle

Mittwoch, 12. Dezember 2012

dpa

Ramat Gan – Das Hormon Oxytocin festigt nicht nur in den ersten Lebensmonaten die emotionale Bindung von Mutter und Säugling. Als Nasenspray kann es auch das Vertrauensverhältnis zwischen Vater und Kind verstärken, wie Experimente in Biological Psychiatry (2012; doi: 10.1016/j.biopsych.2012.06.011) zeigen.

Das Team um Ruth Feldman von der Bar-Ilan Universität in Ramat Gan in der Nähe von Tel Aviv filmte 35 Väter zweimal beim Spielen mit ihren fünf Monate alten Kindern. Vierzig Minuten zuvor hatten die Väter ein Nasenspray benutzt, das einmal Oxytocin und das andere Mal ein Placebo enthielt, ohne dass Väter und Untersucher die Zuordnung kannten. Bei der Auswertung der Videos stellte sich heraus, dass die Väter sich unter der Einwirkung von Oxytocin häufiger dem Kind zuwandten, eher auf seine Laut­äußerungen eingingen und ihn länger berührten. Den Säuglingen muss dies gefallen haben, denn sie blickten die Väter länger an, und sie zeigten mehr Interesse am Spielen.

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Feldman führte diese Zeichen einer erhöhten Vertrautheit auf die Wirkung des „Beziehungshormons“ Oxytocin zurück, das in den experimentellen Studien anderer Forscher Empathie, Vertrauen und Altruismus verstärkt hat. Da das Peptidhormon schnell resorbiert wird, überrascht es auch nicht, dass bei den Vätern noch vor der Interaktion mit dem Säugling ein 20-facher Anstieg des Oxytocins in den Speichelproben gefunden wurde. Aber auch bei den Säuglingen stiegen die Oxytocin-Konzentrationen – und zwar nach der Interaktion.

Da die Kinder selbst nicht behandelt wurden, muss sich das veränderte Verhalten des Vaters bei der Interaktion auf die Oxytocin-Ausschüttung beim Kind ausgewirkt haben. Ein weiterer Marker für die günstige Wirkung von Oxytocin war ein Anstieg der respiratorischen Sinusarrhythmie im EKG. Es handelt sich um Schwankungen der Herzfrequenz bei der Atmung, die Psychologen als Zeichen einer positiven Beziehung deuten.

Die Ergebnisse werfen die Frage auf, ob Oxytocin nicht therapeutisch eingesetzt werden könnte. Als mögliche Indikation nennt Feldman die postpartale Depression, an der in den Industrieländern 18 Prozent der Mütter und 4 der Väter leiden sollen. Eine begleitende Therapie mit Oxytocin könnte verhindern, dass sich die Erkrankung der Eltern ungünstig auf die emotionale Entwicklung der Kinder auswirkt. Dies ist allerdings bisher nicht in klinischen Studien untersucht worden. © rme/aerzteblatt.de

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