NewsMedizinHepatitis B: Tenofovir-Therapie kann Zirrhose abbauen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Hepatitis B: Tenofovir-Therapie kann Zirrhose abbauen

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Clichy – Die Behandlung der Hepatitis B mit Tenofovir kann nicht nur die Hepatitis stoppen. Die ersten Langzeitbeobachtungen im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140­-6736(12)61425-1) zeigen, dass es häufig auch zu einer Rückbildung der Leberschäden kommt. Eine fortgeschrittene Fibrose und die Zirrhose wurden bisher als irreversible Schädigungen eingestuft, da die Leber von funktionslosem Bindegewebe (Fibrose) durchzogen wird, das infolge einer Kontraktion zunehmend das übrig gebliebene Parenchym erdrückt (Zirrhose).

Umso erfreulicher sind die Ergebnisse von Patrick Marcellin vom Hôpital Beaujon in Clichy, der 641 Teilnehmer aus zwei früheren randomisierten Studien nachbeobachtet hat. Dort hatte sich Tenofovir gegenüber Adefovir als das effektivere Virostatikum erwiesen. Tenofovir ist ein nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Inhibitor (NRTI), der zur Behandlung der HIV-Infektion entwickelt wurde. Er supprimiert aber auch die Replikation von Hepatitis B-Viren in der Leber.

Nach dem Ende der Studie wurde allen Teilnehmern eine Weiterbehandlung mit Tenofovir angeboten. Bei insgesamt 348 Patienten wurde 240 Wochen nach Beginn der Therapie erneut eine Leberbiopsie durchgeführt: Bei 87 Prozent dieser Patienten hatten sich die Befunde gegenüber einer ersten Biopsie vor Therapiebeginn gebessert: Bei 51 Prozent stellten die Pathologen eine deutliche Regression der Fibrose fest. Am erstaunlichsten war aber, dass71 von 96 Patienten (74 Prozent), die zu Beginn der Studie bereits an einer Leberzirrhose (Ishak-Score 5 oder 6) litten, jetzt nicht mehr als zirrhotisch eingestuft wurden. Dagegen war es nur bei 3 von 252 Patienten zu einem Fortschreiten der Fibrose zur Zirrhose gekommen.

Anzeige

Da Tenofovir auch langfristig gut vertragen wird – nur 8 Patienten brachen die Therapie wegen Nebenwirkungen ab – dürfen die Patienten hoffen, nicht an den Folgen der Erkrankung zu sterben. Unklar ist noch, wie lange die Therapie fortgesetzt werden muss. Michele Tana vom US-National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases in Bethesda schreibt in einem Kommentar, dass Patienten mit einer HBeAg-positiven Hepatitis B die Therapie etwa 6 Monate nach der Elimination von HBeAg beenden können. Bei Patienten mit HBeAg-negativer Erkrankung könne man dies vielleicht nach 3 bis 5 Jahren wagen. Auch die Elimination von HBsAg berechtige zum Abschluss der Therapie. Dies sei allerdings ein seltenes Ereignis.

Der Abbruch ist auch deshalb ein Thema, weil die Erkrankung vor allem in ärmeren Ländern auftritt (während die Bevölkerung hierzulande durch die in den 1980er Jahren eingeführte Impfung zunehmend geschützt sein sollte). Dort können sich viele Menschen die Therapie nicht leisten, deren Kosten bei mehr als 10.000 US-Dollar pro Jahr liegen. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

30. November 2020
Langen/Frankfurt – 4 benachbarte Punktmutationen im Genom des Hepatitis-B-Virus (HBV) könnten mit einer sehr guten Prognose für den klinischen Verlauf der chronischen Hepatitis-B-Infektion assoziiert
Biomarker könnte klinischen Verlauf einer Hepatitis-B-Infektion vorhersagen
27. November 2020
Stockholm – In der Europäischen Union, dem Europäischen Wirtschaftsraum und dem Vereinigten Königreich sind schätzungsweise 4,7 Millionen Menschen chronisch mit Hepatitis B und 3,9 Millionen Menschen
Hepatitis B und C in Europa noch immer weit verbreitet
20. November 2020
Berlin – Versicherte ab 35 Jahren haben künftig einmalig den Anspruch, sich auf die Viruserkrankungen Hepatitis B und Hepatitis C als Bestandteil der Gesundheitsuntersuchung (Check-up) testen zu
Screening auf Hepatitis B und C neuer Bestandteil des Gesundheits-Check-ups
30. Oktober 2020
Hannover – Im Rahmen der regelmäßigen Gesundheitsuntersuchungen zur Prävention – früher Check-Up-35 genannt – sollten auch Leberwerte kontrolliert und die Teilnehmer auf Hepatitis B und C getestet
Leberexperten für Screening auf Hepatitis B und C
5. Oktober 2020
Stockholm – Der diesjährige Nobelpreis geht an 3 Forscher, die an der Entdeckung des Hepatitis-C-Virus beteiligt waren. Der amerikanische Anthropologe Harvey Alter hatte in den 1970er-Jahren die
Medizinnobelpreis für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus
9. September 2020
Tübingen – Bei der Untersuchung von Schweinefleisch und Schweineleber haben Forscher in Deutschland in mehr als zehn Prozent aller Proben Hepatitis-E-Viren nachgewiesen. Bei fünf Prozent der
Hepatitis-E-Viren in Schweinefleisch und Schweineleber nachgewiesen
5. August 2020
Heidelberg – Die Europäische Kommission hat erstmals ein Medikament zur Behandlung der Hepatitis D zugelassen. Der „Entry Inhibitor“ Bulevirtide, der Hepatitis D- und auch B-Viren (HDV und HBV) am
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER