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Medizin

Dantrolen verstärkt Effekte der Gen-Therapie bei Muskeldystrophie Typ Duchenne

Freitag, 14. Dezember 2012

Los Angeles – Dantrolen könnte ein potenter Verstärker einer Antisense-Therapie bei der Muskeldystrophie Typ Duchenne (DMD) sein. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Carrie Miceli und Stanley Nelson von der University of California, Los Angeles, in Science Translational Medicine (doi 10.1126/scitranslmed.3005054).

Die DMD ist eine X-chromosomal vererbte Erkrankung, welche bei einem von 3.500 männlichen Neugeborenen auftritt. Durch Verluste von codierenden Abschnitten (Exons) im Duchenne-Gen kann das Protein Dystrophin in den Muskelzellen nicht synthetisiert werden. Ohne das stabilisierende Protein geht die Muskulatur im Verlaufe der Erkrankung unter. Die Erkrankten sind oftmals schon im Kindesalter auf einen Rollstuhl angewiesen.

Die Antisense-Therapie setzt auf genetischer Ebene an. Kurze RNA Abschnitte binden komplementär an definierte Exons des Duchenne-Gens. Diese werden bei der Trans­kription übersprungen, so dass ein verändertes mRNA-Transkript entsteht. Das so veränderte Transkript wird beim Splicing, einem Modifikationsprozess der mRNA, anders zusammengesetzt als das Transkript des fehlerhaften Duchenne-Gens. Es entsteht schließlich ein dystrophinähnliches Protein, welches eine stabilisierende Wirkung im Muskel erzielt. Die Therapie befindet sich noch in der Testung, hat aber in Studien bereits erste Erfolge gezeigt.

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Die Forscher suchten Wege um die Wirkung der Antisense-Therapie zu verstärken. Sie züchteten aus Patientenstammzellen Muskelgewebe und testeten die Antisense-Therapie in Kombination mit verschiedenen bekannten Wirkstoffen. Dantrolen erwies sich als wirk­sam, so dass die Wissenschaftler die Kombinbation auch an transgenen Mäusen mit DMD testeten.

Therapie effektiv
Die Mäuse zeigten nach der Behandlung eine verbesserte Muskelfunktion, erhöhte Dystrophinlevel und eine verminderte Kreatinkinase im Blut. Dies spricht laut den Forschern für die Effektivität der Therapie. Inwiefern sich diese Ergebnisse auf den Menschen umsetzen lassen, ist aber noch nicht gesichert.

Dantrolen ist ein zugelassener Wirkstoff, welcher als Notfallmedikation bei Narkose­komplikationen eingesetzt wird. Er hemmt den Ryanodinrezeptor, einen Calciumkanal im sarkoplasmatischen Retikulum der Muskelzellen. Laut den Forschern ist dieser Rezeptor ein zentraler Schlüsselpunkt der Therapie. Substanzen wie Ryanodin und Rycal S107, welche auch auf den Ryanodinrezeptor wirken, zeigten ebenfalls einen verstärkenden Effekt auf die Antisense-Therapie.

Die Forscher Carrie Miceli und Stanley Nelson haben bei der Bekämpfung der Krankheit eine ganz besondere Motivation: Ihr gemeinsamer Sohn ist ebenfalls an Muskeldystrophie Typ Duchenne erkrankt, berichten sie. © hil/aerzteblatt.de

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